I Am Kloot - Let it all in

I Am Kloot- Let it all in

PIAS / Rough Trade
VÖ: 18.01.2013

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Von Lichtern und Tunneln

Wenn sich die Nacht bleiern über Manchester legt und sich die seltsamen Gestalten aus ihren Wohnungen durch die Straßen ihren Weg ins nächstbeste Pub schlagen, all die vom Leben enttäuschten, die von der Liebe gezeichneten, dann schlägt die Stunde für John Bramwell, Peter Jobson und Andy Hargreaves. I Am Kloot war schon immer die Band, die die Sorgen und Nöte der Arbeiterklasse in wunderbar poetische Texte verwandeln konnte. Dabei ist das, was I Am Kloot auch auf "Let it all in" in seiner ganzen düsteren Unaufgeregtheit erneut hervorzaubert eigentlich viel zu feinsinnig, als dass es bei der mit Bier befüllten Meute an der Bar funktionieren dürfte. Aber auch Feingeister finden die besten Lösungen gegen Herzschmerz und den Alltagswahn da draußen eben manchmal auf dem Boden eines großen Glases. Zur Hand gingen den drei Herren aus Manchester die Kumpel Guy Garvey und Craig Potter von Elbow, die nach dem Vorgänger "Sky at night" und dem Debüt "Natural history" erneut die Produktion übernommen haben. Garveys Vorliebe für groß orchestrierte Stücke hat sich auch auf "Let it all in" eingeschlichen. I Am Kloot machen sich nicht mehr kleiner als nötig.

Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass die oftmals herrlich altmodische Musik dieser Band endlich die Wertschätzung erfährt, die sie verdient. Ein ähnliches Schicksal teilt ja auch Elbow. Da muss Sänger Bramwell also die vierzig Lenze überschreiten, damit I Am Kloot endlich einmal für den Mercury Prize nominiert wird und Verkäufe vorweisen kann, die sich im messbaren Bereich befinden. Schon seltsam, dass eine Band, die so besonders und einzigartig klingt wie diese, über zehn Jahre benötigt, um anzukommen. Klar, cool ist halt immer noch was anderes. Aber wer sonst kann die Einsamkeit des Barjazz-Openers "Bullets" in so hinreißend niederschmetternde Worte wie "I kept the notes you never wrote / And put it with the rest I haven't got" fassen, ohne dabei komplett den Boden unter den Füßen zu verlieren? Haltung und Würde sind die Werte, die I Am Kloot auf "Let it all in" hochhalten, auch wenn alles noch so düster aussieht. Das Licht am Ende des Tunnels sind nämlich die ersten Sonnenstrahlen des beginnenden Tages, die sich ihren Weg durch die Fenster des Pubs suchen, bevor endlich klar wird: Es geht weiter, alles wird gut.

So sind die letzten Meter dieser Platte ein ungewohnt optimistischer, fast schon jovialer Start in den heraufziehenden Morgen. Das programmatische "Some better day" begrüßt mit lockerleichten und umso beschwingteren Bläsern den neuen Tag. Bramwell sieht in "Masquerade" ein, dass der einzig richtige Weg nach einer solchen Nacht eben doch wieder jener nach Hause ist. Dorthin, wo man hingehört. "Theses days are mine" schwingt sich mittels Streichern zu elbowscher Größe auf und fordert die Deutungshoheit über das eigene Leben zurück, "Put on the lights / And let the nights turn into days / Put on the lights / Of what is gone and what remains" mistet die Band die verkorkste Zeit einfach aus. "Let it all in" ist I Am Kloots Ode an das Leben, das trotz aller Rückschläge und Niederlagen eben auch auch ohne Bier zu schaffen ist. Nicht immer, aber immer öfter. Auch mit ihrem sechsten regulären Studioalbum haben I Am Kloot einen bezaubernd funkelnden Diamanten geschliffen, der die paar Sonnenstrahlen bündelt und weiterschickt. Alles ist erleuchtet.

(Kai Wehmeier)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Let them all in
  • Even the stars
  • Masquerade
  • Some better day

Tracklist

  1. Bullets
  2. Let them all in
  3. Hold back the night
  4. Mouth on me
  5. Shoeless
  6. Even the stars
  7. Masquerade
  8. Some better day
  9. These days are mine
  10. Forgive me these reminders

Gesamtspielzeit: 37:54 min.

Threads im Plattentests.de-Forum