Jake Bugg - Jake Bugg

Jake Bugg- Jake Bugg

Mercury / Universal
VÖ: 25.01.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der kleinste gemeinsame Retter

Wäre man gnadenlos und bitter, dann könnte man dem erst 18-jährigen Jacob Edwin Kennedy vorwerfen, er wäre ein wandelndes Klischee. Alles an dem jungen Kerl ist so britisch wie nur möglich, angefangen bei der zeitlosen Topf-Frisur, über die obligatorische Fred-Perry-Kleidung, bis hin zu diesem juvenilen Selbstbewusstsein, das man oft und gerne mit Arroganz verwechselt. Dieser Junge, der sich Jake Bugg nennt, spielt recht einfache Lieder, die irgendwo zwischen Bob Dylan und Oasis liegen und die prinzipiell alles andere als verkehrt sind. Na klar: All das reicht schon prima aus, um die hypersensible Musikpresse des Vereinigten Königreichs wuschig werden zu lassen, vom nächsten großen Ding ist da logischerweise die Rede, wobei die Briten ja ohnehin eine ganz andere Pop-Euphorie an den Tag legen als wir deutschen Kartoffeln.

Jedenfalls wird "Jake Bugg", das Album, nun auch hierzulande veröffentlicht und die massiven Vorschusslorbeeren lassen einem angst und bange werden, schließlich wäre alles unter einem Meisterwerk der Güteklasse "Definitely maybe" eine Enttäuschung. Oder? Nun ist es aber leider so, dass wir an dieser Stelle konstatieren müssen: Dieses Debüt stellt keinen Meilenstein der Pop-Geschichte dar und den Rock'n'Roll, nun, den wird Bugg ganz bestimmt auch nicht retten. Und dennoch kann sich Zufriedenheit einstellen, lässt man mal den ganzen medialen Bohei beiseite. Dieser Junge ist zweifelsohne ein Talent, das haben schon die Edelscouts Paul Weller und Noel Gallagher erkannt, und seine Platte präsentiert sehr gut durchdachten Songwriter-Pop mit feinen Ausreißern nach ganz oben. Das kann man dann im schlechtesten Fall etwas langweilig finden. Muss man aber nicht.

Der Start gelingt Jake Bugg ja schon mal formidabel: "Lightning bolt" ist ein beschwipster Folk-Song, der in seiner Dringlichkeit an Protest-Songs der 60er-Jahre erinnert, sich aber dennoch seine Spitzbübigkeit bewahrt. Natürlich gab es das alles schon mal und stellt daher keine sonderliche Innovation dar. Zu viel Erwartungshaltung sollte man dem jungen Burschen aus Nottingham ohnehin nicht aufbürden, dafür sind seine Schultern zu schmal. Schlussendlich geht es nur um die Güte der Songs und um die ist es recht gut bestellt. Mit "Two fingers" hält Jake Bugg den offensichtlichen Gassenhauer bereit, der sicher erst die hübschen Mädels und dann die verklemmten Jungs auf der Tanzfläche zu ungelenken Bewegungen verführen wird. Im weiteren Verlauf überzeugt vor allem "Seen it all", das zwar eine etwas beknackte Messerstecherei thematisiert, aber dennoch unter Beweis stellt, dass Bugg ein feines Händchen für schlüssige Folk-Songs hat.

Im zweifelsfrei besten Moment der Platte hält Jake Bugg dann inne: "Simple as this" ist ein ruhiges, introvertiertes Stück, das an The Tallest Man On Earth erinnert. Und dies ist bekanntlich kein schlechtes Zeichen. Die zweite Albumhälfte ist per se getragener, meist klingt Bugg wie ein trotziges 2013er-Update von Bob Dylan, gefangen im Körper eines jungen Notts-County-Hooligans. Jake Bugg behandelt dabei Themen, die schon immer mit britischer Pop-Musik korrespondierten, zuvorderst - natürlich - die gute alte Liebe und der böse Cousin Herzschmerz. Da heißt es dann in "Slide" passenderweise: "Don't know how to take it in / Is love just suffering? / Cause I can see where the chapter ends / I've got autumn leaves and heartbreak dreams inside / Cause you and me on this frozen sea we slide." Rührend schön oder Klischee pur? In jedem Fall ein überzeugendes Debüt.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Lightning bolt
  • Seen it all
  • Simple as this

Tracklist

  1. Lightning bolt
  2. Two fingers
  3. Taste it
  4. Seen it all
  5. Simple as this
  6. Country song
  7. Broken
  8. Trouble town
  9. Ballad of Mr Jones
  10. Slide
  11. Someone told me
  12. Note to self
  13. Someplace
  14. Fire

Gesamtspielzeit: 39:19 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
tAMTAM
2013-11-26 16:47:48 Uhr
achja, finde das die zweite hälfte des albums deutlich abfällt - leider!.
tAMTAM
2013-11-26 16:46:38 Uhr
Sind einige schöne Songs auf dem Album, z. B. "Lightnig Bolt", "Taste It", "Ballad of Mr. Jones"...

Wenn man das Drumherum mal ausblendet, sollte man schon eine gewisse Qualität erkennen können.

Was fehlt ist halt die Eigenständigkeit und etwas mehr Variation im Sound, aber für einen 18jährigen ist das schon spitze.

6-7/10 würde ich sagen.
Konti
2013-04-20 00:28:14 Uhr
Fake Bugg.

Der is gut ...
Eierfurz
2013-04-19 09:11:36 Uhr
ja, wusste ich. Na und?

Der Typ ist 18.
omg
2013-04-19 04:06:45 Uhr
Wusstet ihr, dass das ach so tolle "Songwriter-Genie" Jake Bugg seine Songs zusammen mit professionellen Songwritern schreibt, die teilweise mehr zu den Songs beitragen als er selbst? Er hat sogar mal ein Interview abgebrochen, als man ihn nach den Co-Schreibern gefragt hat, weil man denken soll, dass er alles allein schreibt. Er hat doch immer so eine große Klappe über angeblich "unechte" Bands, die ja sch... sind, weil sie nicht selbst schreiben, und dann sowas. Einfach nur peinlich. Ich sag nur: Fake Bugg.
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