Esben And The Witch - Wash the sins not only the face

Esben And The Witch- Wash the sins not only the face

Matador / Beggars / Indigo
VÖ: 18.01.2013

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zarte Metzger

Kollege Holtmann wies vor einigen Monaten im Zuge einer Bloc Party-Besprechung (!) mit einigem Recht darauf hin, dass der Hype um den Black Metal seltsame Früchte getragen hat: dessen Ästhetik hat nun selbst manchen Indierock-Act zart mit Schwarz bepinselt. Irrtum möglich, natürlich. Aber eine Welt, in der mehr Menschen Wolves In The Throne Room hören, ist eine bessere Welt. Also hoffen wir, dass es stimmt. Gegen all diejenigen, die aufhören zu hören, wenn andere anfangen.

Auch Esben And The Witch aus Brighton, UK, bedienen sich entfernt bei Goth und Black Metal, gleichwohl sie sich nie in deren Extremismen hineinsteigern. Vielmehr borgen sie einige romantische Motive, die schwarzmetallische Naturverehrung und manche misanthropische Laune. Schon auf ihrem Debüt "Violet cries" schienen sie irgendwie auf dem Sprung, zu Höherem berufen, bedeutungsschwanger, unheilvoll. Dann war da noch dieses simple, verstörende Video zu "Marching song", in dem die Gesichter des Trios Schlag für Schlag zerschundener dreinschauen.

Esben And The Witch nennen die Schriftstellerei, die Architektur, wenn sie nach den wichtigsten Einflüssen auf ihre Musik gefragt werden. Und tatsächlich, auch die gelungenen Texte des Zweitlings "Wash the sins not only the face" zeigen, wie konsequent und stilsicher Esben And The Witch an ihrem morbiden Look arbeiten. "Cut in two / Slice right through / This puppy's fat / From grey to black / Rip apart / To reach its heart / It's friendly flesh / A cosy mess." Einige dunkle Romantik, aber doch keine Spur von Ironie.

Wie schon beim Vorgänger neigen Esben And The Witch manchmal dazu, sich allzu sehr zu verlassen auf die tiefgründig-abgründige Geheimniskrämerei. Tatsächlich ist aber durchaus etwas dran an dem Eindruck, die drei aus Brighton seien so etwas wie die Black-Swan-Variante von Florence And The Machine. So einnehmend ihr Gesamtkonzept auch funktioniert, ihre Songs bestehen nur teilweise so eindrucksvoll neben den lyrischen Miniaturen und den ausladenden Gesten wie im industriell stampfenden "Iceland spar" und dem Höhepunkt "Slow wave", in dem die greifbare Sehnsucht von Sängerin Rachel Davies sich zusammentut mit einem fluffigen Groove.

Der Abschlusstrack mit dem einigen Radau versprechenden Titel "Smashed to pieces in the still of the night" steht programmatisch für die Möglichkeiten und Grenzen des Ansatzes von Esben And The Witch: Da spannen sie zunächst einen schicken Spannungsbogen, der förmlich nach dem großen Drama schreit, um schlussendlich doch bloß tastend durch das Dunkel zu streifen. Hier werden die zu füllenden sieben Minuten zur Bürde. "Wash the sins not only the face" fühlt sich noch immer an wie ein Debüt. Mit Stärken und Schwächen und genug gerufenen Geistern, um beim nächsten Mal neu anzusetzen, höher, weiter hinaus.

(Nicklas Baschek)

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Highlights

  • Iceland spar
  • Slow wave

Tracklist

  1. Iceland spar
  2. Slow wave
  3. When that head splits
  4. Shimmering
  5. Deathwaltz
  6. Yellow wood
  7. Despair
  8. Putting down the prey
  9. The fall of Gloria Mountain
  10. Smashed to pieces in the still of the night

Gesamtspielzeit: 38:02 min.

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