Callejon - Man spricht Deutsch

Callejon- Man spricht Deutsch

Four / Sony
VÖ: 11.01.2013

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Schlumpf ist Trumpf

Es geschah vor 20 Jahren. Gerade war der Schweineherbst 1993 in Richtung Winterloch abgebogen, da überflutete das erste rein deutschsprachige Musikfernsehen Kabelanschluss-Haushalte mit Reizen. Zugegeben: Dieter Gornys Kanal VIVA Deutschland ist mittlerweile längst in einem Konglomerat aus Konzern-Aufkäufen und Ringelpiez mit Anpassen implodiert. Doch im Dezember 1993 ging zunächst VIVA TV auf Sendung, um einen einheimischen Gegenspieler zum damaligen Monopolisten MTV zu bilden - im Gegensatz zum Branchenriesen sollte ein guter Prozentsatz an gesendeter Musik aus Deutschland kommen. Und, Hoffnung: Selbst Heavy Metal bekam eine eigene Sendung. Ein erster Dauerbrenner zwischen quietschebunten Studiokulissen, lauten Werbeclips und Heike Makatschs Kulleraugen war ein Song, in dem die gerade wiedervereinigten Die Ärzte einen Klischee-Nazi "Arschloch!" schimpften. Zur sämtlichen Bügel-und Couch-Stoßzeiten des Tages. Ganz laut. Auf Deutsch. Nach jedem Refrain aufs Neue. Nicht nur bei Zeitzeugen hallt das Echo zu Clip und Song noch heute nach - die rheinische Metalcoreband Callejon hat ihn trotzdem pünktlich zum Jubiläum neu verföhnt. Hätte sie mal besser nicht gemacht.

Callejon werden selbst wissen, warum sie vorgesorgt haben: Extra für "Man spricht Deutsch" haben sie sich hinter Pseudonymen verkrochen und das Initial des Bandnamens im Artwork mit einem "K" übermalt. "Man spricht Deutsch" ist nämlich voll mit Cover-Versionen von Bravo-Hits-Leichen, VIVA-Klassikern und Jugendsünden - Dinge, mit denen sich BastiBasti, Sebastian, Bernhard, Sven und Stefan in weiteren 20 Jahren vermutlich lieber nicht in Verbindung bringen lassen wollen. Deshalb nennen sie sich hier GeorgGeorg, Heinrich, Ernst Hänsel, Wolfgang und Mäxlein und pinseln brav den deutschen Anfangsbuchstaben aufs Cover. Sonst ändert sich (fast) nix. Es ballern weiterhin klinisch sterile Doublebass-Drums aus der Trigger-Endlosschleife. Über den Klargesang von BastiBasti, pardon, GeorgGeorg legt ein stiernackiger Produzent mit der fingerschwitzigen Routine eines Pornoregisseurs beharrlich eine nachgeschriene zweite Spur. Dann ist irgendwann Ende. Und Normalsterbliche schauen sich verwundert an, weil trotz all lauten Getöses meist erstaunlich wenig passiert ist. "Callejon drücken jedem Song ihren eigenen Stempel auf", würde das Phrasenschwein in Pressetexten und Fanblogs quieken. Heißt übersetzt so viel wie: Selbst das Original von "Durch den Monsun" ist im Direktvergleich zu seinem vorhersehbaren Metalcore-Pendant geradezu eine unerhörte Provokation. Oder noch etwas deutlicher: Manch Schlumpftechno-Platte ist nach Genuss dieses Albums rückblickend subversiver Scheiß.

Über originelle Interpretationen haben sich Callejon erst überhaupt keine Gedanken gemacht - sondern jedes Original gepackt und ungefiltert auf Dumpfbratz-Gitarren, Stiernacken-Breakdowns und Metaldisco-Pomeranzen umfrisiert. Auch den anhand der Tracklist zu erwartenden Highlights geht schnell die Luft aus: "Major Tom" von Peter Schilling hatten schon Alleinunterhalter auf Dorffesten trinkfester umgesetzt, die Neuauflage von "Hier kommt Alex" ist mit ihren dümmlichen Stakkato-Breaks aus dem Core-Baukasten das wahre kleine bisschen Horrorshow. Immerhin: Mit "Alles nur geklaut" und "Ich find' Dich scheiße" liefert die Band die Betriebsanleitung zum Album frei Haus. Das einzige Fünkchen Cleverness verballern sie hingegen gleich zu Beginn: Frauenarzt Bela B. gibt sich persönlich die Ehre und erträgt mit unfassbarer Geduld, wie Callejon sein "Schrei nach Liebe" auf die Folterbank spannen, im Clip den 1993er Klischee-Nazi aus der Mottenkiste hollen und ihn Liebe im Homo-Club lernen lassen. Kurz: wie sie drei Minuten Die-Ärzte-Geschichte auf dümmste gemeinsame Hupfdohle zusammenkürzen. Dann kommt der bekannte Refrain im unsäglich affektierten Partymetalcore-Gewand mit "Uuuaarschloch! Uuuarschloch! Uuuarschloch!" als Höhepunkt - und Bela setzt einen hinterher: "Du kleiner Pisser." Selten hat Interpretationsspielraum mehr Freude gemacht. Ach ja: Ein Statement gegen Rechts sei "Man spricht Deutsch" übrigens obendrein. Wenigstens das ist uns recht.

(Sven Cadario)

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Highlights

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Tracklist

  1. Schrei nach Liebe (mit Bela B.)
  2. Schwule Mädchen
  3. Alles neu
  4. Ich find Dich scheiße (mit K.I.Z.)
  5. Durch den Monsun
  6. Mein Block
  7. Ein Kompliment
  8. Hier kommt Alex
  9. Major Tom
  10. MfG
  11. Alles nur geklaut

Gesamtspielzeit: 39:59 min.

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User Beitrag

2013-02-03 21:09:07 Uhr
( ͡° ͜ʖ ͡°)
Heino
2013-02-03 20:35:00 Uhr
Sag ich doch!
White Russian
2013-02-03 20:33:27 Uhr
Also ich find es wirklich witzig und dazu noch gut gemacht. Kann man auch mit nichts vergleichen - ist ja auch nur ein "Spezial" Album.
Kann aber verstehen, dass viele den Spaß und Witz daran nicht mögen. Wer übrigens sagt, dass es wie JBO sei, der hat weder das Album gehört, noch kennt dieser jemand JBO ;)
omarboy
2013-01-23 10:26:40 Uhr
obvious troll is obvious.
Kondomas
2013-01-22 13:37:37 Uhr
SeIiI LaLiLeIiIsEEEeeeEEEeee MaTTi dUhh hIp HoPpAaa!!!!111

cAlLeJon sInD sOOOOoooOOOOooo GaaaIllIiiiI!!!1111 *___*


*Emospongebobherzmetalcoreistgailorawwwrdinobreeeeehihihi* xDxDxDxDxD




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