Arliss Nancy - Simple machines

Arliss Nancy- Simple machines

Gunner / Broken Silence
VÖ: 30.09.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Wir nehmen noch zwei

"It's good to see you back in a bar band, baby", singt Craig Finn auf dem ersten The-Hold-Steady-Album "Almost killed me". Seit 2004 muss dieser Satz in vielen Städten der USA gefallen sein. Unzählige Bands haben seither Springsteen neu entdeckt, krempeln die Flanellhemden hoch, setzen sich ans Piano und singen sich die rauen Stimmbänder wund. Wie viel von all dem Schweiß- und Biergeruch authentisch ist, mag ein jeder für sich selbst entscheiden. Im Falle von Arliss Nancy spricht allerdings einiges für die Band.

Denn so richtig eingängig und für die große Stadionbar geeignet sind die Songs auf "Simple machines" nicht. Ein bisschen zäh und undurchdacht brutzeln die Gitarren anfangs aus den Boxen, alkoholgeschwängerte Euphorie kommt kaum auf. Man muss einem Song wie dem Opener "The crease" mit seinen schmalzigen Eingangszeilen, dem etwas gelangweilt schlichten Schlagzeugbeat und dem verschleppten, leicht unmelodiösen Refrain etwas Raum und Zeit geben, bis er seine Wirkung entfaltet.

Die Pianoakkorde verschwimmen anfangs noch in der warm verzerrten Gitarrenflut, die Melancholie der Stimme erscheint erdrückt von der Trägheit der meisten Songs. Aber irgendwann macht es Klick. Vielleicht sollte man in diesem Moment gerade irgendwo auf Reisen sein, damit er besser wirken kann. Das winterlich vernebelte Deutschland eignet sich ganz gut dazu. Dann scheinen plötzlich all die kleinen Melodiefetzen aus "Pages" heraus. Dann finden sich Harmonien an jeder Ecke, Hammondorgel oder Piano drücken den Rest Band vorsichtig, aber bestimmt in Richtung Refrain und den Refrain in Richtung Ohrwurm.

Der Zurückhaltung in Sachen Geschwindigkeit und gereckten Fäusten setzen Arliss Nancy eine unaufgeregte Melancholie entgegen, die auch mal warm und hoffnungsvoll brennt, aber meist aber eher introvertiert in sich hinein lächelt. "Front seat" umspielt eine etwas stockende Aufbruchsstimmung, "Failures" ist gar ein bisschen wütend auf die Welt und tanzt gleichzeitig auf den Klaviertasten. Aber gerade die gedrosselten Songs wie "Little Steve" und "Mountain state" bleiben nach einiger Zeit hängen, weil sie nirgendwo so richtig reinpassen. Wie genau Arliss Nancy das hinbekommen, bleibt ihr Geheimnis. Auch das ist eine Stärke von "Simple machines". Die Musik bleibt trotz ihrer Einfachheit ein bisschen schwer zu fassen im Schummerlicht der Kneipe: "It's great to see you're still in the bars."

(Maik Maerten)

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Highlights

  • The crease
  • Front seat
  • Mountain state

Tracklist

  1. The crease
  2. Pages
  3. Saint forgot
  4. Should've been there
  5. Front seat
  6. Failure
  7. Little Steve
  8. GB: The true story
  9. Mountain state
  10. 40s
  11. The carry

Gesamtspielzeit: 35:12 min.