John Talabot - Fin

John Talabot- Fin

Permanent Vacation / Groove Attack
VÖ: 27.01.2012

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Endstation Sehnsucht

Hast Du es geschafft, wenn depressive Kinder aus dem Einfamilienhaus Deine Songs bei YouTube hochladen und sie mit weichgezeichneten Bildern bestücken, auf denen dickbusige Mädchen mit weißen Tauben in einer apokalyptischen Traumwelt sitzen? So peinlich dieser Akt auch sein mag, umso mehr drückt er doch die Wertschätzung aus, die da jemand mit hilflosen Mitteln zu zeigen versucht. Daher findt sich neben Bon Jovi und Evanescence auch John Talabot mit einem derartigen Stück der Anerkennung im Netz. Was die Sache ungewöhnlich macht, denn John Talabot macht House. Beziehungsweise: Eigentlich liegt sein Sound zwar im Deep House, nimmt aber auch allerlei Einflüsse mit. Nachdem sein Track "Sunshine" vor einiger Zeit durch die Decke ging, musste die Welt fast drei Jahre auf sein Debütalbum "Fin" warten.

Talabot legte einst in den Clubs von Barcelona auf, doch "Fin" entspricht dieser Haltung so überhaupt nicht. Denn diese Platte hat eine wahnsinnig sehnsuchtsvolle Atmosphäre. "So will be now..." lässt auf weiche Synthies und harte, aber karge Drums Pional ran, dessen Stimme verzerrt aus der Ferne säuselt. Doch gerade bei derart verschiedenen Loops trifft Talabot stets genau die richtigen Momente, um sie zu konservieren und in die Wiederholung zu schicken. "Last land" kratzt sich Streicher zusammen, bei denen nicht wirklich ersichtlich ist, ob sie von irgendeinem alten Vinyl stammen oder jemand sie am Laptop errechnet hat. Darunter liegt ein sanfter Beat, der mit ein paar Claps nahe an den eigenen Ruhepuls kommt. Dazu gesellt sich wieder eine Stimme, zerstückelt, verschoben und wehleidig. House ist bei Talabot nur eine Idee, die es weiterzuentwickeln galt. Deswegen kann "Fin" neben Four Tet oder Balam Acab im Plattenregal stehen und kann "Journeys" ebenso problemlos im Club funktionieren wie auf der heimischen Couch. Aber vor allem läuft "Fin", wenn einem die Sonne auf den Kopf knallt und die Welt plötzlich durch einen Gelbfilter erscheint.

Atmosphäre schließt bei Talabot aber Eingängigkeit nicht aus. Das hat er perfekt abgestimmt, schließlich ist mit "Destiny" auch noch ein Hit drin, der in einer kürzeren Version als Single sicher für mehr Alarm gesorgt hätte. Vor allem jedoch liegt in Talabots Sound einfach diese Sehnsucht nach unbestimmten, nach anderen, nach Hauptsache nicht "diesen" Zeiten. "When the past was present" lullt mit seinem Keyboard ein und den darunter begrabenen Vocals. Als Album gehört "Fin" so zusammen, da gibt es keine Zweifel. Der Sog erschließt sich über die Reihenfolge, durch die schöne Kraft, die in jeder Note steckt. Der nächste Sommer kommt und mit ihm die Nächte, in denen Du durch die urbanen Flüsse zwischen den Häusern läufst, in denen Du weißt, dass das Leben lebenswert ist. Es zieht Dich in keinen Club, in kein Lokal, sondern einfach nur an den Puls der Zeit. Wachbleiben, bis die Wolken wieder lila sind. Und am Ende landest Du bei dieser Sehnsucht. Nur liegt die sicher nicht im Einfamilienhaus.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Destiny (feat. Pional)
  • Oro y sangre
  • When the past was present

Tracklist

  1. Depak ine
  2. Destiny (feat. Pional)
  3. El oeste
  4. Oro y sangre
  5. Journeys (feat. Ekhi)
  6. Missing you
  7. Last land
  8. Estiu
  9. When the past was present
  10. H.O.R.S.E.
  11. So will be now... (feat. Pional)

Gesamtspielzeit: 55:38 min.

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User Beitrag

Demon Cleaner

Postings: 5648

Registriert seit 15.05.2013

2013-08-18 20:02:14 Uhr
"Last Land" samplet doch Streicher aus "Johnny B.", oder klingt das nur sehr ähnlich?

Demon Cleaner

Postings: 5648

Registriert seit 15.05.2013

2013-08-18 19:54:09 Uhr
Satz aus der Rezi:

Atmosphäre schließt bei Talabot aber Eingängigkeit nicht aus. Das hat er perfekt abgestimmt, schließlich ist mit "Destiny" auch noch ein Hit drin, der in einer kürzeren Version als Single sicher für mehr Alarm gesorgt hätte.

"Destiny"? Hm, mal ehrlich, soo hittig ist der wirklich nicht. "Journeys" ist doch mal der potenzielle Clubhit der Platte.
Auf jeden Fall ein tolles Album, auf das ich auch jetzt noch alle paar Wochen immer wieder Lust hab.
Hipstermusik
2012-02-28 15:20:46 Uhr
ist bei mir eine 8/10 und mit TRST von trust bisher das beste, was in diesem jahr schon rausgekommen ist.
lahm
2012-02-28 12:52:04 Uhr
lol, ich hab nix gegen auftouren, aber das ist doch albern.
bei allen genannten seiten wurde er doch schon seit 2009 mit Sunshine abgefeiert, also war der "Hype" jetzt doch allgemein zu erwarten...
df
2012-02-28 12:30:10 Uhr
Gott, was für eine peinliche "Understatement"-Werbung!
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