Reza - Supermaan

Reza- Supermaan

Microcultures / Timezone
VÖ: 12.11.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Ungeahnte Kräfte

Nein, Superman sieht sicher ganz anders aus als Reza, der nicht sonderlich groß gewachsene französische Singer-Songwriter iranischer Herkunft mit der Charakternase und den dichten Koteletten. Kein schlecht aussehender Typ ist er, vielleicht könnte man sagen: eine günstig geratene Mischung aus Cem Özdemir und Sacha Baron Cohen, aber eben auch kein gestriegelter, gescheitelter Muskelprotz vom Planeten Krypton. So verbirgt sich mindestens ein Augenzwinkern hinter der Benennung seiner dritten Platte; "Supermaan" kommt aus dem Niederländischen und bedeutet "Vollmond" - mit Sicherheit kein Zufall, sondern eine gezielte Homologie zum Titel der Vorgängerscheibe "Moonless". Ein Licht schien Reza in jedem Falle bei der Finanzierung von "Supermaan" aufgegangen zu sein: Mithilfe von Crowdfunding wurde die Produktion der Platte auf die Beine gestellt.

"Supermaan" ist auf den ersten Blick ein klassisches Folk-Album. Von Song zu Song schwebt es im Schaffensraster alter Großmeister wie Leonard Cohen, dessen vokaler Einfluss auch jederzeit in Rezas Gesang zu erkennen ist. Im richtigen Maße werden Tasten wie Saiten ins musikalische Arrangement addiert und auf diese Weise eine tragisch-schöne, aber stets elegante Atmosphäre im Wechselspiel akustischer Intimität und wilder elektrischer Exzentrik geschaffen. So wird "Flying girl II" mit den Tönen eines gestrichenen Cellos eröffnet, bevor eine fast infernalische Hammond-Orgel das Ruder übernimmt und den pulsierenden Rhythmus anführt. Bei "Love goes on" lässt Reza den Kehrvers von einer gefühlvollen Damenstimme begleiten, gibt ein wenig mehr Tempo hinein und erschafft aus dem bekannten Go-Betweens-Stück in liebevoller Manier einen neuen Popsong.

Die Aussagen des Albums bewegen sich dabei im Spannungsfeld individuell-gesellschaftlicher Relevanzthemen. Dabei folgt auf jede unschöne Erkenntnis eine kraftvolle Durchhalteparole, die jedweder Trostlosigkeit zuvorkommt, indem sie einen mehrfarbigen Hoffnungsschimmer skizziert. Auf's Herrlichste schließt sich "Monkey's laughter" bekannter Smiths-Semantik an und tritt nach dem Motto "Hater's gonna hate" auf, welches selbst niemals beleidigend wird und hoffnungserhaltend in den Arm nimmt. "Shame on you" beginnt unangekündigt anklagend, greift aber im Refrain die motivierende Grundstimmung des Albums wieder auf, bis all die Aufregung in einem akustischen Spektakel kulminiert und tiefen Eindruck hinterlässt.

Mit "Supermaan" wiegt Dich Reza in den Schlaf und lässt Dich an anderer Stelle wieder aufwachen. Reza beklagt das eine Mal ausufernd und bejaht im Späteren wieder schallend. "Supermaan" schleicht sich langsam an und steht plötzlich direkt vor Dir. Dabei wirkt all das weniger inszeniert denn ad hoc entstanden, intuitiv, natürlich, unwillkürlich, romantisch. "Supermaan" ist ein Stück Musik, welches sich sukzessive entwickelt und schließlich erblüht, sich auf einmal manifestiert und auf diese Weise unvorhersehbar packend ist. Womöglich ist genau das Rezas Superkraft: zu zaubern, wenn keiner damit rechnet.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Shame on you
  • Flying girl II
  • Monkey's laughter

Tracklist

  1. Playground
  2. The house near the airport
  3. Love goes on
  4. Minus two
  5. A day of my life
  6. Gone for good
  7. Shame on you
  8. Monkey's laughter
  9. Flying girl II
  10. The killer

Gesamtspielzeit: 30:53 min.