Raymond Byron & The White Freighter - Little death shaker

Raymond Byron & The White Freighter- Little death shaker

Asthmatic Kitty / Soulfood
VÖ: 28.09.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Die Bürde des Menschen

Irgendwann flogen die Kastagnetten in die Ecke. Wurde auch Zeit. Schließlich hatte Castanets, die frühere Band von Raymond Raposa, mit Flamenco oder Ãhnlichem lediglich im Namen etwas zu tun. Doch der rauschebärtige Songwriter, Sänger und Gitarrist wäre ein schlechter Getriebener in Sachen Freak Folk und düster-lakonische Americana, hätte er daraufhin das Musikmachen einfach an den Nagel neben dem Pferdehalfter gehängt. Also flugs neue Songs geschrieben, einen Gutteil der alten Weggefährten wieder zusammengetrommelt und einen noch ein bisschen bescheuerteren Bandnamen ausgedacht - weiter geht's im Text. Beziehungsweise im Lied, weswegen Raposa nun als Raymond Byron & The White Freighter statt Kastagnetten den "Little death shaker" schwingt. Womöglich in der bösen Vorahnung, der Sensenmann könnte ihn per Zufall miterwischen, wenn er die Wiese auf dem Cover mäht. Und darum setzt es vorsichtshalber erst einmal ein wenig Lärm.

Vielleicht bemerkt der Schnitter es ja rechtzeitig, wenn ihm jemand so einen grob gezimmerten Bluesrock-Brocken wie "Allegiance" vor die Füße spuckt und danach in einem vergnüglichen Country-Rocker über Musikerkollegen herzieht: "Some of my friends are selling 10.000 / Some of my friends still play in houses / Some of my friends got jealous of each others' managers." Köstlich: das Musikerdasein als Leidenschaft, die Leiden schafft. Davon versteht Raposa nämlich eine ganze Menge. Zum Beispiel in der pointierten Ballade "You'll never surf again", die das Kommt-ein-Mann-zum-Arzt-Motiv über beide Ohren grinsend einer für jeden Beach Boy katastrophalen Pointe zuführt - und vielleicht hat auch der gebürtige Kalifornier ob dieser gar zu niederschmetternden Diagnose die eine oder andere Träne verdrückt. Es soll nicht die einzige bleiben: Viele Songs auf "Little death shaker" maskieren persönliche Unzulänglichkeiten und gescheiterte Beziehungen lediglich notdürftig mit Shuffle-Rhythmen, Akustikgitarre und perlenden Pianolas.

Im resignierten "Some kind of fool" übernimmt sogar Matthew Houck von Phosphorescent Raposas gesanglichen Widerpart, während Castanets-Kollegin Talia Gordon ihm bei "You're not standing like you used to" die Leviten liest und so das Original der endsiebziger US-Folkerin Kate Wolf herzzerreißend interpretiert. Das annähernd zehnminütige "Stateline" kracht unter so viel emotionaler Bürde dann beinahe zusammen und erzählt gespenstisch von durchwachten Nächten und schäbigen Diners - dagegen sind sogar Timber Timbres dunkelste Hüttenfolk-Anrufungen trostreiche kleine Lieder. "I've got a feeling we've been having too much fun", heißt es gegen Ende im beschaulichen "Meridian, MS", und irgendwie möchte man gar nicht wissen, wie dieser vermeintliche Spaß ausgesehen haben mag. Doch um es mit dem Rezensenten einer früheren Castanets-Platte zu sagen: Manchmal gibt das Leben eben nicht mehr her - zumindest nicht mehr als zuweilen verzweifelte, aber tolle Songs. Immerhin: Das ist schon eine ganze Menge.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Allegiance
  • Some of my friends
  • You'll never surf again
  • Stateline

Tracklist

  1. Allegiance
  2. Little death shaker
  3. Some of my friends
  4. Turnpike / bedsheet
  5. You'll never surf again
  6. Don't that lake just shine
  7. Whipporwill
  8. A little more credit
  9. Some kind of fool
  10. You're not standing like you used to
  11. Stateline
  12. Meridian, MS
  13. Allegiance 2

Gesamtspielzeit: 46:36 min.

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