Rage Against The Machine - Rage Against The Machine XX - 20th anniversary edition

Rage Against The Machine- Rage Against The Machine XX - 20th anniversary edition

Epic / Sony
VÖ: 23.11.2012

Unsere Bewertung: 9/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Viva la revolución

Nahezu jeder Musikfan dürfte aus dem Stand ein oder zwei Alben benennen können, die für die gerne zitierte musikalische Sozialisation entscheidend waren. Den Status, eine ganze Generation von Hörern geprägt zu haben, können sich hingegen nur sehr wenige Bands auf ihre Fahnen schreiben. Nirvana war zum Beispiel so eine Band, deren "Nevermind" 1991 wie ein Naturereignis über die Jugend der frühen neunziger Jahre hereinbrach. Nur ein Jahr nach "Nevermind" allerdings sollte der Soundtrack des Rezensenten zum dem Weg in die Volljährigkeit erneut machtvoll ergänzt werden.

Was es dazu brauchte, war auf den ersten Blick vergleichsweise simpel. Ein Basslauf, dann ein brutales Riff. Zu geradezu absurd stampfenden Grooves beginnt mantraartig, mit nur mühsam in Zaum gehaltener Wut, dieser wahnwitzige Dreadlock-Träger zu beschwören: "Some of those that work forces / Are the same that burn crosses." Als sich spätestens zum Ende des Songs die Aggression Bahn bricht und eben jener Zack de la Rocha sein "Fuck you, I won't do what you tell me" geradezu herausspuckt, bleibt schließlich kein Stein mehr auf dem anderen.

Mit ihrer ersten Single "Killing in the name" schleuderten Rage Against The Machine die zuvor bereits zu Fall gebrachte Konvention, Rap und Metal müssten sich unversöhnlich gegenüber stehen, durch ihren klar rockorientierten Band-Punch: Ein aus der linken HipHop-Szene stammender, hyperaktiver Frontmann trifft mit Tom Morello auf einen Gitarristen, der nicht nur brettsolide Riffs spielt, sondern seinem Arbeitsgerät geradezu absurde Geräusche zu entlocken imstande ist, untermauert mit der barbarisch groovenden Rhythmus-Wand von Schlagzeuger Brad Wilk und Bassist Tim Commerford. Dabei wird jeder einzelne Song dank der aufrüttelnden Lyrics zu einem Aufschrei gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung - und eben diese sind 20 Jahre später immer noch zum Teil erschreckend aktuell, wie "Bullet in the head", "Know your enemy" oder "Wake up" beweisen.

Ob nun linke Grundüberzeugung und aufwändige Boxsets zum zwanzigsten Jahrestag dieses Debüts zusammenpassen, mag jeder für sich entscheiden. Eine würdige Zusammenstellung ist "XX - 20th anniversary edition" nicht nur dank der Bonus-CD "The original demos" sowie einer DVD mit einer repräsentativen Sammlung von Musikvideos und Live-Mitschnitten. Denn das Remaster des Album zeigt, dass Gutes tatsächlich noch verbessert werden kann: War die originale Produktion von Garth Richardson für damalige Verhältnisse schon ungewöhnlich kraftvoll und transparent, üben die Remasters beispielsweise zu Beginn von "Bullet in the head" noch mehr Druck auf Boxen und Nachbarn aus. Richardsons Einfluss ist dennoch nicht zu gering einzuschätzen, wie besagte Bonus-CD beweist - so manches Arrangement wurde auf dem Weg zum Album noch verfeinert, besser auf den Punkt gebracht, und wahrlich nicht schlechte Songs wie "Mindset's a threat" oder "Clear the lane" wurden gar als Ideenpool ausgeschlachtet.

Auch 20 Jahre nach der Veröffentlichung hat "Rage Against The Machine" nichts von seiner visionären Kraft verloren. Jeder Song ist nach wie vor eine schallende Ohrfeige ins Gesicht von sensationsgeilen Medien und staatlichen Repressionen. Und jeder Song ist eine immer noch faszinierende Mischung aus Metal, HipHop, Alternative und Funk. Auch wenn die Band irgendwann am Konflikt zwischen Politik und Musik zerbrochen ist, ist und bleibt "Rage Against The Machine" eine revolutionäre Platte im Wortsinn, ein Album voller urwüchsiger Energie, die die Band in dieser Form nie wieder erreichen sollte. Kurz: eines der wichtigsten Alben der Neunziger.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Bombtrack
  • Killing in the name
  • Bullet in the head
  • Wake up

Tracklist

  • CD 1
    1. Bombtrack
    2. Killing in the name
    3. Take the power back
    4. Settle for nothing
    5. Bullet in the head
    6. Know your enemy
    7. Wake up
    8. Fistful of steel
    9. Township rebellion
    10. Freedom
    11. Bombtrack (Live)
    12. Bullet in the head (Live)
    13. Take the power back (Live)
  • CD 2
    1. Bombtrack (Original demo)
    2. Take the power back (Original demo)
    3. Bullet in the head (Original demo)
    4. Darkness of greed (Original demo)
    5. Clear the lane (Original demo)
    6. Township rebellion (Original demo)
    7. Know your enemy (Original demo)
    8. Mindset's a threat (Original demo)
    9. Killing in the name (Original demo)
    10. Auto logic (Original demo)
    11. The narrows (Original demo)
    12. Freedom (Original demo)
  • DVD 1
    1. Killing in the name (Music video)
    2. Bombtrack (Music video)
    3. Freedom (Music video)
    4. Take the power back (Live - Vic Theatre 1993)
    5. Bombtrack (Live - Soundstage performance 1992)
    6. Wake up (Live - Nomads 1992)

Gesamtspielzeit: 158:01 min.

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