Jon Lord - Concerto for group and orchestra

Jon Lord- Concerto for group and orchestra

Ear / Edel
VÖ: 28.09.2012

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

E für ein U

Am 16. Juli 2012 verstarb mit Jonathan Douglas Lord einer der großen Pioniere der Rockmusik. Sein wichtigstes musikalisches Vermächtnis sind natürlich die Wagenladungen an großartigen Songs mit Deep Purple, die er 1968 mitbegründete - die ausufernden Soloduelle, in denen er mit seiner Hammondorgel Ritchie Blackmore an der Gitarre bis zur Weißglut trieb und ihm dabei die wahnwitzigsten Soli entlockte, sind spätestens seit dem Live-Album "Made in Japan" von 1973 Legende.

Weniger bekannt ist, dass sich Lord nicht erst seit seinem Ausstieg bei Deep Purple 2002 einen vorzüglichen Ruf als E-Musik-Komponist erarbeiten konnte. Neben diversen Orchester- und Klavierkonzerten ist sein berühmtestes Werk wohl das "Concerto for group and orchestra". 1969 erstmalig live mit Deep Purple und dem Royal Liverpool Philharmonic Orchestra aufgeführt, war es die eine der ersten Kooperationen zwischen klassischen und Rockmusikern überhaupt. Und seinerzeit durchaus umstritten - verließ doch ein empörter Cellist die Proben und pöbelte, er sei nicht diesem Orchester beigetreten, um dann mit "drittklassigen Beatles" aufzutreten. Those were the days.

Warum nun also erst 43 Jahre nach der Uraufführung die erste Studioaufnahme? Der Grund ist simpel: Die Originalpartitur war verlorengegangen und musste von Lord und Dirigent Paul Mann zunächst anhand der Live-Aufnahmen aufwändig transkribiert werden. Zudem fand der Perfektionist Lord jede Menge Gelegenheiten für punktuelle Verbesserungen. An der Grundstruktur ändert sich natürlich nichts: Lord folgt setzt konsequent das barocke Konzept des Concerto Grosso um, in dem eine kleinere Instrumentengruppe einer größeren gegenübersteht. Wie auf der Lauer liegende Tiere umkreisen sich also zunächst das Orchester und die Band um Lord, Joe Bonamassa und Steve Morse im ersten Satz und kämpfen gerade gegen Ende förmlich miteinander um das Grundthema.

Während im anschließenden "Andante" die Kontrahenten langsam aber sicher zusammenfinden, wird in der zweiten Hälfte des Satzes zweierlei deutlich: Zum einen zeigt Bruce Dickinson von Iron Maiden in der zweiten Hälfte dank seiner druckvollen Technik einmal mehr, welch brillanter Sänger er tatsächlich ist - als Autodidakt, wohlgemerkt. Zum anderen - und das ist der Unterschied zu all diesen unsäglichen "Rock meets classic"-Projekten - räumt Lord sowohl Orchester als auch Band reichlich Freiraum zur Entfaltung ein. Gerade hier werden die Einflüsse von Lords klassischen Vorbildern Jean Sibelius und Gustav Holst besonders deutlich.

Ebendieser Freiraum wird im Schlusssatz reichlich genutzt. Wer hier tatsächlich erstmalig mit klassischer Musik in Berührung kommt, wird lernen, dass auch Orchester verdammt laut sein können. Und gerade in den letzten Minuten zeigt sich im großen Finale, dass die ach so verfeindeten Genres E- und U-Musik ganz trefflich zueinander passen, wenn es der Komponist nur will. Lord wollte diese Vereinigung, und es ist trotz aller damaligen Widerstände auf außerordentliche Art und Weise gelungen. Leider war es ihm nicht vergönnt, dieses seinerzeit revolutionäre Werk auf Tonträger zu erleben: Kurz nach Abschluss der Produktion sollte sich der Krebs als stärker erweisen als dieser große Künstler.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Movement three (Vivace - presto)

Tracklist

  1. Movement one (Moderato - allegro)
  2. Movement two (Andante)
  3. Movement three (Vivace - presto)

Gesamtspielzeit: 46:51 min.

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