Tori Amos - Gold dust

Tori Amos- Gold dust

Deutsche Grammophon / Universal
VÖ: 28.09.2012

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Weit über Null

Der Eisplanet Hoth aus "Das Imperium schlägt zurück" besticht durch seine abweisende Kälte und fasziniert zugleich mit seiner unwirschen Eigenheit. Schneewüsten überall, schroffe Unwirtlichkeit und kaum der geeignete Ort, um sich länger als nötig dort aufzuhalten. Der junge Skywalker hatte schwer zu leiden. In gewissem Sinne lässt sich ein Vergleich zwischen Hoth und der Karriere von Tori Amos ziehen: große Gesten, Pathos und ein beständiges Abwärtsgleiten bis weit unter den Gefrierpunkt. Der Hörer hatte auch schwer zu leiden. Um die Analogie nicht weiter zu strapazieren, kann gesagt werden, dass die Kreativität der Amos seit "The beekeeper" gelitten hat. Was erwartet der liebestolle Fan von seiner Grande Dame? Eine große Überzeugungstat. Was geliefert wird, ist "Gold dust", die wenig subtile Vermarktung einer als Umarrangements bezeichneten Best Of. Nach "Tales of a librarian - A Tori Amos collection" kaum eine Überraschung. Allerdings glitzert ihr Goldstaub mindestens genauso faszinierend, wie die dicken Schneeflocken von Hoth im Licht der Laser der imperialen AT-ATs. Auch bei der Künstlerin herrscht wieder "Winter". Das ist nur gut zu heißen.

Amos hat sich kurzerhand ein Orchester unter der Leitung von Jules Buckley geschnappt und eine Ansammlung großer Hits de-/rekonstruiert. Die Streicher flammen sprenkelnd auf und treiben die ohnehin kaum steigerbare Dramatik von Stimme und Songarrangement zu nicht erreichbaren Höhen. So kann es durchaus vorkommen, dass in gewissen Passagen, wie im Mittelteil von "Marianne", eine Star-Wars-Klimax im Geiste von John Williams erreicht wird, was die Tür für Komik im cineastischen Sinne öffnet. Ob dies nötig gewesen ist, mag dahingestellt bleiben. Das ursprüngliche Songmaterial erfährt alle Mal eine Bereicherung, denn die große Geste steht Amos hörbar gut. Ob sich Tori wieder rückbesinnt und beim nächsten Mal zu alter Stärke findet?

Die Ansätze dazu zeigen die zum Teil grandiosen Orchestereinlagen dezidiert. Schon "Flavor" spielt die Vorteile der mehrköpfigen Kapelle aus und beschert dem Mond aller Romantiker einen atmosphärisch dunklen Fleck auf die melancholische Seite. Bigger as big can be. Das gebrochene Herz des Pianos aus "Cloud on my tongue" bekommt nun endlich durch Bombaststreicher nicht nur Heilung, sondern die nötige Kraft, wieder zu schlagen. Der Tonus, welcher die Ursprungsversion dominierte, verschiebt sich dramatisch weg vom Schmerz hin zu elegischer Erhabenheit. "Precious things" wird durch sein Umarrangement mondäner als erwartet, wobei der zerreißende Traurigkeitspegel höher geschraubt wird. Die Tragödien, die bei Amos stets in der Stille zwischen den Akkorden zu suchen waren, bekommen ein Gesicht. Ohne Larmoyanz, ohne Selbstmitleid. Lediglich mit etwas Effekthascherei. Und die hat es sich schlicht in sich.

Bei "Winter" spielt das Orchester zurückhaltend, es untermalt vielmehr die poetische Grundstimmung. Es werden kleine Melodien dazu gewirbelt, die mit dem Klavier der Sängerin und ihrer mesmerisierenden Stimme im emotionalen Kern der trist-hoffnungsvollen, lyrischen Stimmung triumphieren. Mit "Gold dust" und den Umarbeitungen des Backkatalogs beweist Amos, dass sie das Händchen für Großes noch nicht verloren hat. Hoffen wir, dass der Weg zur pathetischen Geste wieder gefunden wurde und sie weiterhin präsent bleibt. Dann klappt das auch mit den fiesen Temperaturen, und es müssen keine Star-Wars-Analogien mehr bemüht werden.

(Peter Somogyi)

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Highlights

  • Jackie's strength
  • Precious things
  • Winter
  • Silent all these years

Tracklist

  1. Flavor
  2. Yes, Anastasia
  3. Jackie's strength
  4. Cloud on my tongue
  5. Precious things
  6. Gold dust
  7. Star of wonder
  8. Winter
  9. Flying dutchman
  10. Programmable soda
  11. Snow cherries from France
  12. Marianne
  13. Silent all these years
  14. Girl disappearing

Gesamtspielzeit: 61:06 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Makische
2012-10-06 15:54:35 Uhr
Hier die Setlist:

01. Leather (with String Octet)
02. Cloud On My Tongue (with String Octet)
03. When She Calls My Name Improv / Jamaica Inn (solo)
04. Purple People (solo)
05. Snow Cherries From France (with String Octet)
06. Talk / Smokey Joe (with String Octet)
07. Talk / Putting the Damage on (solo)
08. Taxi Ride (solo)
09. Jackie's Strength (with String Octet)
10. Flavor (with String Octet)
11. 1000 Oceans (solo)
12. Hey Jupiter (with String Octet)
13. Talk / Winter (with String Octet)
Makische
2012-10-06 15:09:15 Uhr
http://www.npr.org/event/music/161764543/npr-music-presents-tori-amos-in-concert

Hier kann man sich ein wirklich wunderbares Konzert von ihr anhören. Gestern (5.10) in NYC mit einem Streicher Oktett aufgenommen.

2012-10-05 12:10:40 Uhr
Choirgirl ist abwechslungsreich und innovativ und es sind nur Hammersongs drauf. Wirklich ihr bestes Album. Schöne Mischung aus klassischen Torisongs und gelungenen Elektroexperimenten.
Ex_Tori_Fan
2012-10-05 11:24:41 Uhr
Aber sicher doch. Warum nicht?
Großartige Songs darauf. Choirgirl ihr absoluter Höhepunkt? Soso.
Kann man alles als Meinung gelten lassen, wenn auch kaum nachvollziehbar.
Aber diskutiert ruhig weiter über Pressefotos und Schneidezähne, das führt schnell zum eigentlichen Kern, der Musik... :-)
Makische
2012-10-05 10:20:16 Uhr
BEEKEEPER sei das beste Album seit Pele?


Das fällt einem ja alles aus der Fresse.
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