Silbermond - Himmel auf - Live in Dresden

Silbermond- Himmel auf - Live in Dresden

Columbia / Sony
VÖ: 23.11.2012

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Kloß im Hals

Irgendwann musste es ja so weit kommen: Silbermond spielen inzwischen auch Auftritte im Vereinigten Königreich. Bislang drücken sich bei diesen zwar vor allem auf der Insel ansässige Deutsche herum, aber Stefanie Kloß wird sie natürlich trotzdem mit einem hocherfreuten "Wie schön es ist, im Ausland Landsleute zu treffen!" begrüßt haben. An dieser Stelle bitte den grummelnden Misanthropen dazudenken, der dagegenhält: "Nein, ist es nicht. Es ist ebensowenig schön, wie sie im Inland zu treffen." Doch dieser grobe Klotz war letzten Sommer sicher nicht mit von der Partie am Dresdner Elbufer, wo die Bautzener vor ausverkauftem Haus auftraten und vorliegende CD aufnahmen. Komplett mit Feuerzeug-Overkill, Glitzer-Konfetti und Crowdsurfing-Initiationsritual für salbadernde Frontfrauen. Wo ist bloß unser Forumsthread "Suche gute, deutschsprachige Rockmusik", wenn man ihn mal braucht?

Doch so bleibt "Himmel auf - Live in Dresden" eben das, was der Titel androht: ein Querschnitt durch vier Studioalben und mithin durch einige der perfidesten Fremdschämmomente der neueren deutschsprachigen Rockmusik. Und es kommt sogar noch ein wenig ärger, denn den 20 Stücken des Konzerts folgen am Ende des zweiten Tonträgers zusätzlich vier im Bauhaus Dessau fürs ZDF aufgenommene Live-Songs. Diese sind zusammen nur ein Fünftel so lang wie der Mitschnitt zuvor. Das ist kein geringer Vorteil, aber eben auch keine Entschädigung für jeden, der zuvor mit Kloß in Hals und Ohr bereits einen Gutteil des Silbermond-Backkataloges überstehen musste. Da kann auch der ausnahmsweise vorzügliche, sanft melancholisierende Titelsong des vierten Albums "Himmel auf" kaum etwas retten.

Denn es hätte wirklich nicht Not getan, noch einmal mit Nachdruck daran erinnert zu werden, was man schon erfolgreich verdrängt hatte: dass balladeske Nullnummern wie "Das Beste", "Unendlich" oder "Symphonie" auch den fidelsten Frühaufsteher in Rekordzeit wieder unter die Bettdecke treiben, während sie sich ungeniert bei Herbert Grönemeyers "Der Weg" oder Alanis Morissettes "Ironic" bedienen. Dass Kloß auch in einem glückseligen Liebeslied wie dem unfassbar penetranten "Ja" so mitleiderregend jault, als würden Herz- und Zahnschmerz auf den gleichen Tag fallen. Und dass der zahnlos daherstampfende Rocker "Für Dich schlägt mein Herz" durch die Zeile "Für mich bist Du das schönste Monopol / Nein, Dir macht keiner Konkurrenz" auch nicht besser wird. Moment: Besser? Weniger schlimm? Egal gar? Sucht Euch was aus. Es ist genug für alle da.

Vor allem genug Kloß. Was die Sängerin zwei Stunden lang zwischen den Stücken von sich gibt, wird sie selbst als Dialog mit dem Publikum bezeichnen - in Wirklichkeit reicht es aber nur zu einem nervtötenden Runterrattern von Stichworten, mit denen man lieber eine fettige Imbissbude eingeweiht hätte. So spielten Silbermond vor Jahren auf dem Dresdner Stadtfest bei Regen vor zehn Leuten, riss ein Elbdampfer die Musiker am Morgen des Auftritts lärmend aus den Kojen - und spannender wird es dann auch nicht mehr. Immerhin findet Kloß lobende Worte für ihre Band: "Bessere Männer hätte ich mir eigentlich nicht aussuchen können. Ich hoffe, das ist im Gegenzug genauso". Wir lächeln gequält und versichern: Plattentests.de wurde nicht gegründet, weil Silbermond angefangen haben, Musik zu machen. Und hoffen, das war auch im Gegenzug nicht so.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Himmel auf

Tracklist

  • CD 1
    1. Unter der Oberfläche
    2. Wofür
    3. Meer sein
    4. Teil von mir
    5. Du fehlst hier
    6. Durch die Nacht
    7. Waffen
    8. In Zeiten wie diesen
    9. Unendlich
    10. Weiße Fahnen
    11. Symphonie
    12. Für Dich schlägt mein Herz
    13. Zeit für Optimisten
  • CD 2
    1. Irgendwas bleibt
    2. Himmel auf
    3. Ja
    4. Nichts passiert
    5. Ich bereue nichts
    6. Das Beste
    7. Krieger des Lichts
    8. Unter der Oberfläche (live @ ZDF Bauhaus)
    9. Gegen (live @ ZDF Bauhaus)
    10. Symphonie (live @ ZDF Bauhaus)
    11. Himmel auf (live @ ZDF Bauhaus)

Gesamtspielzeit: 135:12 min.

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