Porcupine Tree - Octane twisted

Porcupine Tree- Octane twisted

Kscope / Edel
VÖ: 23.11.2012

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Schwanengesang

Es geht doch nichts über eine gut funktionierende Gerüchteküche. Kaum hatte Steven Wilson verkündet, sein Interesse an Metal halte sich momentan in Grenzen und er wolle sich derzeit lieber um seine Solokarriere kümmern, tauchten gar abenteuerliche Storys auf. Von den berühmten künstlerischen Differenzen war die Rede, von einem massiven Streit mit Keyboarder Richard Barbieri gar. Fakt ist, und darauf sollten wir uns konzentrieren, dass Porcupine Tree das alleinige Baby von Wilson waren, sind, und sein werden.

Wer jetzt meint, "Octane twisted" wäre als Art Rausschmeißer für Porcupine Tree mal eben zwischen Tür und Angel auf den Markt geworfen, sieht sich bereits bei der für Wilson üblichen detailverliebten Haptik des Pakets getäuscht - und findet sich umgehend andächtig lauschend unter dem Kopfhörer wieder. Denn nicht nur, dass Porcupine Tree auf ihrer Tour 2010 ihr Opus Magnum "The incident" mit seinen 55 Minuten Länge Abend für Abend komplett am Stück durchspielten, Wilson gelingt es auch, den seinerzeit fantastischen Live-Sound, hier beim vollständig mitgeschnittenen Auftritt in Chicago, adäquat auf Tonträger zu bannen. Auch wenn im Unterschied zu früheren Veröffentlichungen ein 5.1-Surround-Mix schmerzlich vermisst wird - die passende DVD, auf der dieser Wunsch erfüllt wird, liegt lediglich einer ausschließlich beim Label erhältlichen Special Edition bei.

Natürlich geben weder Musikstil noch die introvertierte Art Wilsons Anlass zu einem enthemmten Mob in der Halle. Dennoch brandet immer wieder Jubel auf, wenn Wilson den Refrain von "Drawing the line" herauspeitscht oder das bittersüße "Time flies" zu Tränen rührt. Was den Hörer allerdings wirklich auf die Knie sinken lässt, ist die Songauswahl des zweiten Teils. Denn es ist verdammt lange her, dass so faszinierende Songs wie "Russia on ice" aus dem Jahr 2000, "Even less" von 1999 oder gar der Non-Album-Track "Stars die" von 1995 live genossen werden durften.

Auch wenn Wilson sich nach eigener Aussage im Studio wohler fühlt als auf der Bühne, macht insbesondere jene zweite CD "Octane twisted" zu einem unverzichtbaren Meisterwerk. Dezente Änderungen an den Arrangements lassen vor allem das Medley von "Russia on ice" mit "The pills I'm taking", dem bravourösen Mittelteil von "Anesthetize", dem Highlight des Albums "Fear of a blank planet" von 2007, wie aus einem Guss erscheinen, und die Spielfreude der beteiligten Musiker ist förmlich greifbar. Sollte dies wirklich die absehbar letzte Veröffentlichung von Porcupine Tree sein, so legt Wilson diese großartige Band mit einem mächtigen Ausrufezeichen zu den Akten.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Drawing the line
  • Time flies
  • Russia on ice / The pills I'm taking
  • Stars die
  • Even less

Tracklist

  • CD 1
    1. Occam's razor
    2. The blind house
    3. Great expectations
    4. Kneel and disconnect
    5. Drawing the line
    6. The incident
    7. Your unpleasant family
    8. The yellow windows of the evening train
    9. Time flies
    10. Degree zero of liberty
    11. Octane twisted
    12. The seance
    13. Circle of manias
    14. I drive the hearse
  • CD 2
    1. Hatesong
    2. Russia on ice / The pills I'm taking
    3. Stars die
    4. Bonnie the cat
    5. Even less
    6. Dislocated day
    7. Arriving somewhere but not here

Gesamtspielzeit: 128:05 min.

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