Bruno Mars - Unorthodox jukebox

Bruno Mars- Unorthodox jukebox

Elektra / Warner
VÖ: 07.12.2012

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Der Phrasendrescher

Eine Sache ist mal klar: Es gibt wahrhaft schlimmere Jobs als den des Musikrezensenten. Sicher, ein paar kleinere negative Begleiterscheinungen gibt es immer. Dafür sind die Vorteile umso besser. Man hat immer einen klaren Überblick über zukünftige Neuerscheinungen, weil die Plattenfirmen einen regelmäßig mit den neusten Infos versorgen. Das Album der Lieblingsband - ach, fast aller Bands! - hört man oft schon einige Zeit vor dem offiziellen Release, und gegen Ende des Jahres hat man eine astreine Entschuldigung für die ganzen Bestenlisten, die man vorsorglich schon im April begonnen und dann wöchentlich überarbeitet hat. Er ist schon klasse, dieser Job. Völlig egal, was man sich dann alles anhören darf, oder wofür man sich rechtfertigen muss. Eine Sache allerdings, die ist manchmal kniffelig. Denn natürlich sollen Rezensenten möglichst unvoreingenommen und objektiv an ein Album rangehen. Das klappt meistens ganz gut. Im Fall von Bruno Mars muss man dennoch mal erwähnen, was für ein verflucht beschissener Song "Grenade" wirklich ist.

Jetzt ist es raus! Ja, die Verfasserin dieses Textes kann mit fast allem umgehen. Neben vielen, vielen tollen Alben gab es in der Vergangenheit nur wenige, die kaum zu ertragen waren. Aber sobald dieses vertonte Abbild musikalischer Grausamkeit durch das Radio tönt, rufen die Kollegen mittels Kurzwahltaste schon den nächsten Exorzisten ins verglaste Redaktionsgebäude an der Isar. So schlimm ist es. So schlimm, dass sich die Rezensentin manchmal wünscht, Mister Mars würde die blöde Granate doch endlich fangen und dem Spuk ein Ende bereiten. Und wenn genau dieser Mister Mars dann mit seinem neuen Album "Unorthodox jukebox" vor der Tür steht und die Vorabsingle "Locked out of Heaven" schon beim zweiten Hören ein zumindest ähnliches Hasspotenzial entwickelt, ist diese Unvoreingenommenheit manchmal etwas schwerer zu bewahren. Da muss man seinen Blick eben voll auf die gar nicht schlimmen Tatsachen lenken.

Mars ist einer der erfolgreichsten Popmusiker dieser Tage, schreibt seine eigenen Songs, zieht sein Ding durch und schafft es trotz fragwürdiger Texte, die wohl eher nicht für seine Zielgruppe geeignet sind, genau eben diese immer wieder zu vergrößern. Schon auf seinem Debütalbum "Doo-wops & hooligans" mixte der Hawaiianer verschiedene Stile und wechselte zwischen Pop, Rock, Soul und sogar ein bisschen Reggae und klang dabei stets, als würde er mit einer Zeitmaschine durch die Sechziger, Siebziger und heute reisen, um das für ihn Beste rauszuholen. Dabei können gute Dinge entstehen. Die funky Motown-Nummer "Treasure" etwa, die offensichtlich bei einem jungen Michael Jackson klaut und mit "Treasure, that is what you are / Honey, you're my golden star" den wohl schmierigsten Abschleppspruch seit, ja, "I'd catch a grenade for yaaaaa" bereithält, funktioniert wunderbar auf der Tanzfläche oder in der heimischen Küche beim Kochen. Auch der Opener "Young girls" macht als solcher nichts verkehrt, sammelt mit ordentlich Druck und Synthies die alten Fans ein und holt ein paar neue Hörer direkt an der Haltestelle ab - die noch wegen der wirklich gelungenen Piano-Ballade "When I was your man" am Heulen sind.

Mars' größtes Problem ist, dass er seine Songs überlädt. "Natalie", das eindeutig auf Jacksons "Dirty Diana" verweist, setzt auf zu viel Handclaps, Geschrei und Drama für ein einziges Stück, und das absichtliche Flehen in der Stimme wirkt schnell weinerlich. Auch die Tatsache, dass sich der 27-Jährige weigert, so etwas wie einen roten Faden zu verfolgen, sorgt schnell für Ermüdungserscheinungen. Die Reggaenummer "Show me" mag an sich ein zumindest annehmbarer Song sein, fällt im Albumkontext aber total ab. Und wo "Doo-wops & hooligans" nicht nur dank Cee-Lo Green mit einem Paukenschlag endete, zieht "Unorthodox jukebox" mit "If I knew" zu schnell den Schwanz ein und versinkt in einem Meer aus Achtziger-Jahre-Soul-Schmalz. Da hilft auch die elektrische Gitarre nicht mehr. Und so bleibt alles Teil der großen Bruno-Mars-Show, in der alles nicht Fisch und nicht Fleisch ist und eine Spur zu einstudiert wirkt, um wirklich zu überzeugen. Kann er das besser? Wahrscheinlich, die alte Granate.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Treasure
  • Moonshine

Tracklist

  1. Young girls
  2. Locked out of Heaven
  3. Gorilla
  4. Treasure
  5. Moonshine
  6. When I was your man
  7. Natalie
  8. Show me
  9. Money make her smile
  10. If I knew

Gesamtspielzeit: 35:00 min.

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