Tiamat - The scarred people

Tiamat- The scarred people

Napalm / Universal
VÖ: 02.11.2012

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Die Leiden des Jungen, härter

Ach, Johan!

Bereits zwei Mal haben sich Kollegen von mir direkt an Dich gerichtet, damals zu den Veröffentlichungen von "Prey" und "Judas Christ". Der letzte Brief ist nun schon fast zehn Jahre alt, seitdem haben wir Dich, Deine Band und das Album "Amanethes" geflissentlich ignoriert, weil eh keine Aussicht auf Besserung bestand. Wir sind allerdings zu der Überzeugung gekommen, dass wir Dich nur durch geballte Soft Skills, also Kommunikation und das ganze Gedöns, wieder auf den richtigen Weg bringen können. Ignorieren war demnach gestern; vergessen was war und nochmal von vorne beginnen ist heute. So denn, es gibt Neuigkeiten von Deiner Band Tiamat, die nach über vier Jahren der Stille mit "The scarred people" ihr zehntes Studioalbum veröffentlicht. Mensch, Johan, das wäre doch eine gute Möglichkeit für einen Neuanfang, einen kreativen Rundumschlag geworden. Aber was hast Du uns aus der Hölle mitgebracht?

Deine mittlerweile altbekannte Liebe zu den Sisters Of Mercy zum Beispiel, die Du im Opener und Titeltrack voll ausspielst und der sich wie das Meiste auf "The scarred people" im Midtempo durch die Melodien schlängelt. Brachiales Geknüppel sucht man mittlerweile ja vergebens bei Euch. Tiamat hast Du inzwischen auf atmosphärische Düsternis getrimmt, die mal eine orientalischen Touch bekommt oder auch gerne einmal beim Seventies-Rock vorbeischaut. Die Stimmen aus dem Jenseits, die gequälten Seelen, melden sich immer noch hin und wieder und schreien wie im intensiven "384 - Kteis" mit der mäandernden Spacegitarre um die Wette. So weit so gut. Festzuhalten bleibt, dass Du immer noch am Besten bist, wenn Du etwas mehr die Sau raus lässt. Kannst Du ruhig mal öfter machen.

Unangenehmer wird es aber, wenn Du es einen Tick getragener angehst. In "Radiant star" versteht man leider tatsächlich alles, was Du so singst. Und spätestens bei der finalen Erkenntnis "Don't fuck with my brain" und der anschließend leidenden Hardrockgitarre läuft uns etwas die Scham ins Gesicht. Schlimmer noch sind allerdings Deine Versuche, astreine Rockballaden zu schreiben, von denen es auf "The scarred people" leider zu viele gibt. "Messinian letter" ist so mies schmierig, dass es wirklich in den Ohren schmerzt. Die schönen Zeilen "Look outside the window / Baby, everything will be just fine [...] / You are my only friend / And I want you to be happy again" könnte auch von Bon Jovi sein. Im Gegensatz zu Dir können die aber wenigstens hin und wieder große Balladen.

Ach, Johan, warum wird es denn mit uns und Dir anscheinend nichts mehr? Liegt es daran, dass du mit Deinen mittlerweile über 40 Lenzen einfach zu alt und zu glücklich bist in Deinem schönen Exil Griechenland? Wir wissen es nicht. Aber wenn Du eine Idee hast, dann melde Dich. Vielleicht kommen wir ja doch noch eines schönen Tages irgendwie wieder zusammen. Es war so schön früher mit Deiner Band, damals in den Neunzigern. Auf bald!

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • 384 - Kteis

Tracklist

  1. The scarred people
  2. Winter dawn
  3. 384 - Kteis
  4. Radiant star
  5. The sun also rises
  6. Before another wilbury dies
  7. Love terrorists
  8. Messinian letter
  9. Thunder & lightning
  10. Tiznit
  11. The red of the morning sun

Gesamtspielzeit: 48:58 min.

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