The Weeknd - Trilogy

The Weeknd- Trilogy

Republic / Universal
VÖ: 09.11.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Sex, Drugs & R'n'B

Im Leben des jungen Kanadiers Abel Tesfaye dreht sich prinzipiell fast alles um Sex, Drogen und Partys. Doch im Gegensatz zu anderen R'n'B-Künstlern findet der 22-Jährige nicht nur glorifizierende Worte. Die Texte seiner Songs handeln regelmäßig auch von den Nachwehen, dem schmerzvollen Kater nach einer rauschenden Nacht, den Depressionen und dem zerstörerischen Selbsthass. Unter dem Pseudonym The Weeknd veröffentlichte Tesfaye 2011 drei weithin gefeierte Tapes, die nun gebündelt als Debüt-Trilogie erscheinen. Da wird also ein dickes Paket geschnürt, knapp 160 Minuten Hochglanz-R'n'B mit Indie-Appeal, verschmiertem Lippenstift, verheultem Kajal und weißen Pulverresten an den wenigen verbliebenen Geldscheinen.

Natürlich erschlägt erst einmal die schiere Menge an Songs und Ideen, die Tesfaye hier präsentiert. Seine Stücke sind naturgemäß überladen, tragen oft verschiedene Stile in sich, ändern auch noch nach sechs Minuten das letzte Mal die Richtung und landen schließlich entweder mit einer Fremden im Bett oder mit zu viel teurem, russischem Wodka im Magen über der Toilettenschüssel. Seine Stücke sind entwaffnend ehrlich und ungeschönt, sie legen den Blick frei auf eine Welt, die nur von außen glamourös und anziehend wirkt, tief im Inneren aber grundfalsch und abstoßend ist. Dass sich Menschen vielleicht auch gerade deswegen diesem Lifestyle hingeben, ist ja auch völlig klar. In dieser Hinsicht ist "Trilogy" ein Manifest, welches gerade durch den Bombast nur konsequent wirkt, auch wenn das vorher nicht unbedingt geplant war.

Als Hörer wird man ohnehin die einzelnen Alben gesondert konsumieren und da wird dann schon recht schnell klar, wo die Stärken und Schwächen von Abel Tesfayes Mammut-Veröffentlichung liegen. Während er im starken ersten Teil "House of balloons" noch immer die Kurve kriegt und zwischen Anspruch und Pop-Sehnsucht feine Lieder wie das infizierende "The morning" komponiert, mangelt es in den beiden anderen Kapiteln hin und wieder an Augenmaß. Seine Songs verlieren sich manches Mal in ewig weiten Synthielandschaften und gestöhnten Versen. Schlimm ist das freilich nicht: "Trilogy" ist ja im Grunde viel mehr als ein simples Triple-Album, es formuliert den Zeitgeist der sogenannten Black Music, wie es derzeit ansonsten offenkundig nur Frank Ocean oder Kendrick Lamar zugestanden wird.

Isoliert betrachtet stechen also vor allem die Songs des wunderbaren Debüt-Tapes "House of balloons" heraus, jene großspurigen, fantastischen Kompositionen, die über den R'n'B-Tellerrand hinaus blicken und in diesem doch reichlich manieriert wirkenden Genre ein wahres Ausrufezeichen zu setzen vermögen. Das zärtlich fließende "Wicked games" wäre da sicherlich genauso herauszuheben wie das progressiv-freigeistige Doppelstück "House of balloons / Glass table girls". Doch bevor der ganz und gar fälschliche Eindruck entsteht, nur "House of balloons" hätte einiges zu bieten, sei speziell auf die starken Stücke im dritten Teil "Echoes of silence" verwiesen: "D.D" ist eine zeitgemäße Version von Michael Jacksons Gassenhauer "Dirty Diana", während das düstere "Initiation" dagegen mit Industrial-Beats spielt und klingt, als ginge demnächst die Welt unter. Kein schwacher Trost: Für Abel Tesfaye tut sie das ohnehin an jedem Morgen nach einer durchzechten Nacht. Know that step, you're the life of the party.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • High for this
  • House of ballons / Glass table girls
  • Wicked games
  • The morning
  • D.D.
  • Initiation

Tracklist

  • CD 1
    1. High for this
    2. What you need
    3. House of balloons / Glass table girls
    4. The morning
    5. Wicked games
    6. The party & the after party
    7. Coming down
    8. Loft music
    9. The knowing
    10. Twenty eight
  • CD 2
    1. Lonely star
    2. Life of the party
    3. Thursday
    4. The zone
    5. The birds Pt. 1
    6. The birds Pt. 2
    7. Gone
    8. Rolling stone
    9. Heaven or Las Vegas
    10. Valerie
  • CD 3
    1. D.D.
    2. Montreal
    3. Outside
    4. XO / The host
    5. Initiation
    6. Same old song
    7. The fall
    8. Next
    9. Echoes of silence
    10. Till dawn (Here comes the sun)

Gesamtspielzeit: 159:40 min.

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