Race Horses - Furniture

Race Horses- Furniture

Stolen / PIAS / Rough Trade
VÖ: 09.11.2012

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Dürfen die das?

Pop kennt ja zunächst einmal keine Grenzen. Am Ende sollte das Ergebnis halt möglichst gefällig und süffig klingen, der Weg dorthin ist gar nicht einmal so interessant. Normalerweise. Für die walisische Indiepop-Gruppe Race Horses gilt gerade das nicht. Auf ihrem zweiten Album "Furniture" tänzeln sich die vier Briten durch elf irgendwie charmante, größenwahnsinnige Stücke, die sowohl mit der Diskografie der Scissor Sisters vertraut sind, aber auch gerne in lyrischen Sphären schweben, wie es sonst nur Paul Smith von Maximo Park macht. Im Gegensatz zu anderen Pop-Gruppen liegt bei Race Horses der Fokus allerdings auf dem Prozess, dem ständigen Austarieren, dem beständigen Pendeln zwischen den Polen Kitsch und Kunst, Gefühl und Geste, Poesie und Pathos.

Mit dem quirlig-bunten Opener und Titelsong von "Furniture" platzieren sich Race Horses direkt zwischen den großen Namen im Indie-Rock: So farbenfroh musizieren sonst nur die Neo-Hippies von Of Montreal oder die ohnehin komplett durchgeknallten Nerds von The Apples In Stereo. Klar: Den Sound, den Race Horses hier kultivieren, muss man natürlich mögen, andernfalls wird man mit dem überkandidelten Getue nicht froh. Und manchmal ist man hier gefühlt näher an Mika als an "richtiger" Musik. Wer damit leben kann, wird mit elf kurzweiligen Songs belohnt, die beschwipst und munter semimelancholische Geschichten von Liebe, Lust und Verzweiflung erzählen. Klingt paradox, ist es auch, tut der Stimmung aber keinen sonderlichen Abbruch.

Mit "Mates" gelingt den Walisern ein astreiner Hit, der nicht mehr als gute zwei Minuten braucht, um alles unter ein paar Tonnen Glitter zu begraben. Das flotte "Sisters" klingt nach herbstlichen Sonnenstrahlen im schwedischen Spätsommer, würde sich also auf den allseits beliebten Labrador-Samplern gut machen. Freunde skandinavischen Liedguts dürften jedenfalls bei Race Horses also ebenso eine neue Heimat finden, auch wenn Wales vielleicht weniger hip ist als Schweden. Im funkelnden "My year abroad" spielen Race Horses dann Achtziger-Wavepop der düsteren Machart. Zum Ende hin ergeht sich die Gruppe dann in psychedelischen Spielchen - schließlich muss man ja zeigen, was man alles drauf hat. Ist das Angeberei? Sehr wahrscheinlich schon. Aber die hier, die dürfen das.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Mates
  • What am I to do
  • See no green

Tracklist

  1. Furniture
  2. Mates
  3. Nobody's son
  4. Sisters
  5. What am I to do
  6. World 6
  7. Bad blood
  8. My year abroad
  9. See no green
  10. Old and new
  11. Dresser (Bonus)

Gesamtspielzeit: 36:25 min.