Moses Pelham - Geteiltes Leid 3

Moses Pelham- Geteiltes Leid 3

Columbia / Sony
VÖ: 09.11.2012

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Streithahn im Korb

Da muss man sich also nur mal ein paar Jährchen in sein Glashaus zurückziehen, sich weder auf der musikalischen noch der boulevardesken Bühne zeigen, und prompt werden einem von allen Seiten die Komplimente nur so zugeschmissen. Und das trotz des X-Factor-Jurorendaseins. Sogar der ehemalige Feind meldet sich positiv zu Wort. Was waren das damals doch für fabulöse Diss-Orgien, die zwischen den Fantastischen Vier und dem Rödelheim Hartreim Projekt hin- und herpingpongten, bis nur noch die Frage übrig blieb: Bist du Fanta oder RHP? Die Schlaueren waren natürlich für Stuttgart, für uns Halbstarke blieb aber der wunderbare Hass, den Pelham und Haas damals rausbölkten. Und die in dem witzigen Fanta-Track "Frühstück" und dem großen, bösen "Reime" auf der anderen Seite gipfelte. Die Zeit heilt alle Wunden. Thomas D. höchtspersönlich meldete sich bei Pelham, um ihm zu sagen, wie großartig er "Ich lass' Dich nicht zurück" und "Hooo" findet. Friede, Freude, Eierkuchen 2012.

Moses Pelham ist mittlerweile geläutert und gibt nicht mehr den Hass-Papi des deutschen Raps. Das haben unterdessen Bushido, Fler und Konsorten übernommen. Pelham ist erwachsener, ruhiger geworden und besitzt nun einen wohlwollenderen Blick auch auf andere Menschen jenseits des 3P-Spektrums. Das zeigt sich auch daran, dass der einstmals im Streit verlorene Sohn Xavier Naidoo, den Pelham damals ja erst auf die große Bühne brachte und dessen Debüt "Nicht von dieser Welt" produzierte, auch auf "Geteiltes Leid 3" einen Platz gefunden hat. Im abschließenden "Halt aus" darf Naidoo wie in den guten alten Pre-Solo-Zeiten mit viel Pathos den Refrain beisteuern. Ein weiterer überraschender Gast ist Gentleman, der "Ultra" seine Portion Reggae untermischt. Der leuchtende Diamant auf diesem Album ist aber, da hat Thomas D. wohl Recht, das düstere Oldschool-Aggro-Stück "Hooo" mit Jan Delay, Sido, Bushido, Azad und Kool Savas. Für einige andere Refrains zeichnen sich die beiden Stimmen von Glashaus verantwortlich, Cassandra Steen und Peppa Singt.

"Geteiltes Leid 3" glänzt durch einen herrlich organischen, düsteren Sound, der dadurch entsteht, dass Pelham bei den Aufnahmen auf eine Studioband vertraut hat, die mit Drums, Gitarren, Bass, Klavier und ein wenig Streichereinsatz ein Ganzes zaubert. Wir erinnern uns: Pelham und Rock funktionierte damals schon bei "Live aus Rödelheim" hervorragend. Und auch hier auf diesem Album entsteht dadurch eine spezielle Unmittelbarkeit, die Pelhams oft schwülstiges Bellen sehr gut transportiert. Ja, auch heute bellt der alte Hund noch, er kann gar nicht anders. Aber er beißt eben nicht mehr gleich. Nach dem letzten großen Aufbäumen "Hooo" legt sich "Geteiltes Leid 3" langsam zur Ruhe und Pelham beendet mit den letzten Tracks ganz sachte seine Trilogie, für die er nunmehr rund 14 Jahre benötigte. Was sieht man, wenn man alle drei Teile mit dem Blick zurück betrachtet? Einen Mann, der sich früher mit Worten und auch Taten - Stefan Raabs Nase wird sich erinnern - seinen Respekt erkämpfen musste. Oder zumindest dachte, dass er das muss. Heute kommen die Sympathisanten von ganz alleine, denn Respekt ist keine Frage der Härte, sondern eine der Haltung.

(Kai Wehmeier)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Höha
  • Hooo

Tracklist

  1. Ich lass' Dich nicht zurück
  2. Höha
  3. Wenn der Schmerz nachlässt
  4. Für die Ewigkeit
  5. Ultra
  6. MNS
  7. Himmelfahrtskommando
  8. Nicht ohne sie
  9. Hooo
  10. Gefunden
  11. Bilder
  12. Halt aus

Gesamtspielzeit: 52:04 min.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum