A.C. Newman - Shut down the streets

A.C. Newman- Shut down the streets

Fire / Cargo
VÖ: 16.11.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Papa ante Portas

"It will surprise you / When you get the good news / You get what you want / And you don't know what to do" - mit diesem Zitat aus dem Song "Hostages" ließ sich letztes Jahr die Lage im Hause Newman zusammenfassen, das seit einiger Zeit nicht mehr in Vancouver, sondern im ländlichen Woodstock im Bundesstaat New York steht. Auf einem wildromantischen 18.000-Quadratmeter-Grundstück, das in all seiner grünen Idylle nun auch auf dem Cover-Artwork von "Shut down the streets" bestaunt werden kann. Bei den guten Neuigkeiten handelte es sich um die frohe Kunde, dass sich bei Newman und Gattin Nachwuchs ankündigte. In seinem unbedingten Wunsch, endlich Vater zu werden, hatte der Kanadier zuvor der Welt versprochen, er würde nie wieder herumjammern, falls seiner Frau und ihm dieses Glück tatsächlich beschert werden sollte. Nun hat er also den Salat. Wobei sein drittes Soloalbum keineswegs den Anschein erweckt, dass es eine besonders große Anstrengung gewesen wäre, so fröhlich und ausgelassen zu klingen. Newmans Plattenfirma behauptet hierzu augenzwinkernd, er würde jetzt "Dad Rock" machen. Und das ist ja immerhin besser als Kid Rock.

Hatte Newman in Interviews noch betont, dass diverse Singer-Songwriter der Siebziger "Shut down the streets" maßgeblich inspiriert hätten, beispielsweise Harry Nilsson, zeigt das eröffnende Stück zunächst doch in eine ganz andere Richtung: Ein verspielt tirilierender Synthesizer ist zu hören, ungefähr ein Halbbruder des Exemplars aus dem The-Postal-Service-Hit "Such great heights" und ein Schwippschwager des Gesellen aus Owl Cities "Fireflies". Nach einer halben Minute übernimmt dann aber doch eine beherzte Klarinette das Ruder, umgarnt von traditionell überschwänglichem, melodieseligem Newman-Gitarrenpop, der trotzdem nie aufdringlich oder gar aufmerksamkeitsheischend wirkt. Der Gute beherrscht sein Handwerk also nach wie vor ausgezeichnet und hat natürlich auch immer noch das schönste Lispeln im Musikbusiness. Es gibt auf diesem Album aber auch zwei Dinge zu bemerken, die man so nicht erwartet hätte: 1. Der weitgehende Verzicht auf kryptische Lyrik. 2. Neko Case singt ausnahmsweise Backing-Vocals - aber auch nur, weil "Shut down the streets" klanglich weit genug von Newmans und Cases Hauptband, The New Pornographers, entfernt ist. Findet zumindest der Künstler.

Tatsächlich sind diese zehn Lieder - auch wenn sie fast durchweg mit einladend ausladenden Refrains gesegnet sind - ruhiger und entspannter, als man es von Newmans bisherigem Schaffen gewohnt war. "You could get lost out here" könnte auch hervorragend als Glen-Campbell-Nummer funktionieren, zumindest ist da diese gewisse Cowboyhaftigkeit, dieser Hauch von rustikalem Country-und-Western-Charme. Auch "Wasted English" hat etwas ausgesprochen Nostalgisches, mit einer Familienpackung Hall, wärmenden Gitarrenklängen und sehr gesprächiger Melodica. Wobei "Encyclopedia of classic takedowns" dann doch dem Powerpop, den Newman in seiner kanadischen Bandformation pflegt, ziemlich nahe kommt. "The troubadour" hingegen hat einen zauberhaft fließenden, an Paul Simon erinnernden Grundrhythmus parat, von einem unermüdlichen Banjo und einem sorgfältig geknüpften Keyboardteppich getragen. Und dann ist da noch der offensichtlichste Hit: "There's money in New Wave". Der Titeltrack "They should have shut down the streets" verrät zum Schluss, dass der 44-Jährige sich seit seinem letzten Soloalbum "Get guilty" nicht nur mit freudigen Ereignissen konfrontiert sah - in dem Stück setzt Newman sich mit dem Tod seiner Mutter auseinander. "Presidents and kings should have been there", singt er, und man versteht, dass auch die privatesten Dinge plötzlich weltbewegend erscheinen können. Sogar, wenn es bloß eine Scheibe ist, die sich da dreht.

(Ina Simone Mautz)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • I'm not talking
  • There's money in New Wave
  • The troubadour

Tracklist

  1. I'm not talking
  2. Do your own time
  3. You could get lost out here
  4. Encyclopedia of classic takedowns
  5. There's money in New Wave
  6. Strings
  7. Hostages
  8. Wasted English
  9. The troubadour
  10. They should have shut down the streets

Gesamtspielzeit: 40:25 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Tommy
2012-11-30 15:00:24 Uhr
Interessant, mein lieber Udo.
Udo
2012-11-30 14:57:49 Uhr
@SD: find ich eigentlich nicht. es ist zwar insgesamt eher ruhig und die wirklich langsamen songs 3 und 8 plätschern mir auch zu sehr, aber ansonsten find ich alle songs stark, v.a. die letzten beiden sind nochmal grandios.
Tommy
2012-11-30 14:30:53 Uhr
Interessant, mein lieber...
SD
2012-11-30 14:23:36 Uhr
Schönes Album, leider fällt es nach dem wirklich herausragenden ersten Song etwas ab und plätschert so vor sich hin.
Udo
2012-11-30 14:19:21 Uhr
tolles album, hat nen thread verdint. gefällt mir von seinen soloalben mittlerweile klar am besten.
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify