My Dying Bride - A map of all our failures

My Dying Bride- A map of all our failures

Peaceville / Edel
VÖ: 19.10.2012

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Nichts zu lachen

Jedes Genre braucht anscheinend den ein oder anderen Vertreter, der seinen Stil mit heiligem Ernst ohne Kompromisse durchzieht, ohne zur eigenen Karikatur zu verkommen. Signature-Bands nennt man so etwas wohl neudeutsch. Ganz ohne Zweifel gehören My Dying Bride dieser Kategorie an, sind sie doch seit mittlerweile 20 Jahren imstande, das Dunkle im Hellen zu finden. Das Schwarz im Grau. Das Dunkelschwarz in der Finsternis. Kurz: Verzweiflung und Depression auf geradezu beeindruckende Weise zu vertonen.

Was allerdings in den ersten Minuten von "A map of all our failures" auf den Hörer einbricht, ist selbst für die Verhältnisse der Briten unfassbar finster und lässt Armageddon wie eine fröhliche Geburtstagsparty erscheinen. Schrill läutet eine Friedhofsglocke, bevor ein Riff voller beängstigender Düsternis jegliches Licht, jegliche Hoffnung verschwinden lässt. Und auch die Death-Metal-Eruption im Mittelteil von "Kneel till doomsday", diesem Meisterwerk des Doom, ist mehr als letzter verzweifelter Aufschrei denn als rebellischer Ausweg zu sehen. Puh.

Wer sich nach dieser fulminanten Ouvertüre nicht umgehend selbst entleibt, wird allerdings in der Lage sein, in Tiefen einzudringen, die so charakteristisch für Doom sind. Weshalb käme man sonst auf die Idee, in "The poorest waltz" bittersüße Melodien von morbider Schönheit zu finden oder die feinsinnige Horrorstory von "A tapestry scorned" im Kopfkino zu verfilmen? Und zwar zu Riffs, für die der Begriff "Zeitlupe" zu hektisch wäre, zerrissen von der verzweifelt klagenden Violine Shaun MacGowans? Die Antwort: Nur so ist es überhaupt möglich, sich dieser Düsternis zu stellen und das Album nicht an sich vorbeirauschen zu lassen.

Wer von seinen bewährten Pfaden nicht abweicht, zeigt entweder Scheu vor dem Risiko oder stilistische Konsequenz. "A map of all our failures" ist nicht nur bedingungslos konsequent wie selten in der Karriere von My Dying Bride, vielmehr zeigt es eine erhabende Düsterheit, wie sie den Briten nur zu den ganz großen Höhepunkten wie "Turn loose the swans" gelungen ist. Das mag arm an Überraschungen wirken - letzten Endes zeigt es jedoch die ganz große Klasse der Band, die in dieser Form im Genre derzeit unerreicht ist. Und darüber kann sich dann auch der für die Lyrics verantwortliche Frontmann Aaron Stainthorpe ein bisschen freuen - wenn schon sonst offensichtlich und logischerweise über rein gar nichts.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Kneel till doomsday
  • The poorest waltz
  • Abandoned as Christ

Tracklist

  1. Kneel till doomsday
  2. The poorest waltz
  3. A tapestry scorned
  4. Like a perpetual funeral
  5. A map of all our failures
  6. Hail Odysseus
  7. Within the presence of absence
  8. Abandoned as Christ

Gesamtspielzeit: 63:54 min.

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