Green Day - ¡Dos!

Green Day- ¡Dos!

Reprise / Warner
VÖ: 09.11.2012

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Klappert, die zweite

Die Vermutung ist ein wenig zynisch, aber einer Band, die schon seit Jahren niemandem mehr etwas zu beweisen hat, durchaus zuzutrauen: Green Day haben den Plan, eine Albumtrilogie aufzunehmen und wissen, dass nach allen popkulturellen Standards und Erwartungshaltungen der Mittelteil der schwächste sein muss: "Der Tempel des Todes", "Das Imperium schlägt zurück", "Die zwei Türme", "Für ein paar Dollar mehr", "Das Leben, das Universum und der ganze Rest". Die Spannung ergibt sich in solchen Fällen dann zu einem nicht unbeträchtlichen Teil aus der Frage, wie die Geschichte denn jetzt ausgehen wird. Furioses Finale oder enttäuschendes Ende? Alle käsigen Alliterationen beiseite, darum geht es nächstes Mal. Hier und heute muss sich erst mal "¡Dos!" beweisen.

Wesentlich einfacher und undramatischer wäre es natürlich anzunehmen, dass Green Day auch nur Menschen sind und nicht knapp 40 gute Songs auf einmal schreiben können. Doch das Positive zuerst: "¡Dos!" hört sich deutlich anders an als "¡Uno!". Anstatt mehr vom Gleichen aufzufahren, orientieren sich Green Day diesmal über weite Strecken an ihrer Alter-Ego-Band Foxboro Hot Tubs. In ihren besten Momenten liefert die Band scheppernden Garagenrock mit ordentlich Feuer unterm Hintern ab. "Lady Cobra" ist so ein knackiger und schnörkelloser Zweiminüter, die Single "Stray heart" eher die romantisch-geschniegelte Version davon. Beide Songs sind gut, stehen damit aber diesmal recht einsam in der Gegend herum.

Gründe dafür gibt es einige: Gerade der ersten Albumhälfte fehlt es an Tempo und Melodie. "Fuck time" und "Stop when the red lights flash" sind zwar schnell, aber quälen sich trotzdem mit einer inneren Antriebslosigkeit, während "Wild one" einfach in jeglicher Hinsicht lahm dahinschleicht. Zudem passt der Rahmen nicht. Sowohl das kurze Intro "See you tonight" also auch die abschließende Amy-Winehouse-Hommage "Amy" wirken wie akustische Fremdkörper auf einer Platte voller verzerrter Powerakkorde.

So richtig gut ist "¡Dos!" immer dann, wenn Green Day wirklich kompromisslos zu Werke gehen. Neben "Lady Cobra" gehört auch "Ashley" in die Kategorie rücksichtslos lauter Lärmrocker. "Wow! That's loud" ist allein wegen der enthusiastischen Leadgitarre eine Erwähnung wert. Und dazu kommt der dritte Fremdkörper auf "¡Dos!". Das schmierig-sinister groovende "Nightlife" ist eine Kooperation mit der Rapperin Lady Cobra, die dem Song mit ihrer Stimme und Zeilen wie "I hope there's more in your pants than a bus route" eine etwas trashige, aber nichtsdestotrotz angenehme Verruchtheit verpasst. Ein Handvoll guter Songs reichen aber nicht, um Green Days Mittelstück vor dem Schicksal anderer Mittelstücke zu retten. Bleibt zu hoffen, dass die Katastrophe im dramaturgischen Sinne nicht zur Katastrophe im musikalischen Sinne wird.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Stray heart
  • Lady Cobra
  • Nightlife

Tracklist

  1. See you tonight
  2. Fuck time
  3. Stop when the red lights flash
  4. Lazy bones
  5. Wild one
  6. Makeout party
  7. Stray heart
  8. Ashley
  9. Baby eyes
  10. Lady Cobra
  11. Nightlife
  12. Wow! That's loud
  13. Amy

Gesamtspielzeit: 39:21 min.

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