Coal Chamber - Dark days

Coal Chamber- Dark days

Roadrunner / Universal
VÖ: 06.05.2002

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Nativity in black

Wer hätte sich träumen lassen, daß man sich über das Drittwerk der Kohlenkinder einmal so richtig freuen könnte? Um gleichzeitig dann wieder nahezu erschreckt zu sein, weil die Nachricht die Runde machte, daß "Dark days" auch durchaus das letzte Werk der Rumpelstilchen sein könnte. Denn auf der laufenden US-Tour hat es nicht nur musikalisch zwischen Sänger Dez Fafara und Gitarrist Meegs Rascon kräftig gerumpelt. Nach einem Gerangel inklusive gegenseitigen Bespuckens verließen Coal Chamber zunächst nacheinander die Bühne und sagten dann gleich alle weiteren Auftritte ganz ab. Inzwischen wurde immerhin verlautbart, daß der Zwist ausgeräumt sei.

Solchermaßen um die Erkenntnis bereichert, daß die Jungs also nicht immer die Bösen bloß spielen, kann man sich nun wieder in Ruhe dem Album widmen. Und das brüllt einem gleich ordentlich ins Gesicht. Die Gitarren greifen im Tiefflug an, die Drums kloppen im Kreiseltakt das Hirn zu Brei, der Baß kümmert sich derweil um die Eingeweide, und von vorn röhrt einem ein etwas unausgeglichen wirkender Waldschrat entgegen: "Fiend", die erste Single, kommt knallhart auf die Zwölf und wird direkt in den Gehörgang eingeprügelt. An der vom Opener vorgegebenen Linie ändert sich im Verlauf des Albums auch nicht mehr allzu viel. Coal Chamber bleiben auf den durch die beiden Vorgängeralben freigeholzten Wegen. Übelgelaunte Korn und abgespeckte Slipknot säumen weiter den Straßenrand. Da könnte man natürlich zu dem den Eindruck kommen, das Ganze wäre etwas eindimensional und wenig innovativ. Mag sein, stört aber nur selten.

"Dark days" ist Coal Chambers bisher reifstes Album, furztrocken produziert und überraschenderweise so erfrischend wie ein Ostergewitter am Strand von Teneriffa. Während das Debüt die Band sehr roh und ein wenig zerrissen präsentierte und das Zweitwerk "Chamber music" eher atmosphärisch düster tönte, vereint "Dark days" nun das beste beider Welten. So wird dann auch mal wie beim Highlight "Rowboat" gelegentlich der Gasfuß gelockert. Alles niederwälzend fräst sich dieser Brocken ins Hirn und erinnert in punkto Intensität und Sogwirkung an White Zombies "Blood, milk and sky". Der Aufforderung "Get out of my rowboat!" möchte man so motiviert höchstfreiwillig folgen. Coal Chamber rudern sich frei.

(Peter Schiffmann)

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Highlights

  • Fiend
  • Friend?
  • Rowboat
  • Empty jar

Tracklist

  1. Fiend
  2. Glow
  3. Watershed
  4. Something told me
  5. Dark days
  6. Alienate me
  7. One Step
  8. Friend?
  9. Rowboat
  10. Drove
  11. Empty jar
  12. Beckoned

Gesamtspielzeit: 41:24 min.

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