Flume - Flume

Flume- Flume

Future Classic / Al!ve
VÖ: 16.11.2012

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Sonntagsfrühstück

Okay, der Beginn des Märchens "Flume" könnte nicht viel unromantischer klingen: "Es war einmal eine Cornflakes-Packung..." Tatsächlich aber war es der morgendliche Griff nach dem Lieblingsgetreideerzeugnis, der den damals dreizehnjährigen Harley Streten zum Musikmachen führen sollte. In jenem Karton fand er eine Musikproduktionssoftware - mit Sicherheit keine, die ernstzunehmende Ergebnisse zu fabrizieren vermochte, sie reichte aber, um in dem jungen Streten eine Faszination für synthetische Klänge auszulösen, die bis heute anhält. Inwischen ist der Australier 20 Jahre alt und unter dem Namen Flume zumindest in seiner Heimat längst kein Unbekannter mehr.

Das selbstbetitelte Debütalbum klingt glücklicherweise kein bisschen nach Cornflakes. Aus Trip-Hop und Electronica bastelt Flume das Gerüst für die meisten Songs der Platte, die Innenausstattung der einzelnen Stücke ist aber ungefähr so verschieden wie die Seiten eines Ikea-Katalogs. Vieles erinnert stark an bestimmte Strömungen der aktuellen Popmusik, in wirklich reiner Form taucht aber keine von ihnen auf. Zu allem, was im Mainstream gerade irgendwie Bedeutung hat, findet Streten einen völlig neuen Zugang und erschafft vielleicht keine neuen Genres, aber doch Kombinationen, die es so vorher noch nicht gegeben hat. So wird "Flume" zu einem enorm zeitgemäßen Album, ohne ein einziges Mal in Klischees zu verfallen.

Mit hart synkopierten Stückelbeats leitet "Sintra" eine Dreiviertelstunde ein, die von so vielen Kehrtwendungen und waghalsigen Stilbrüchen geprägt ist, dass spätestens nach drei Tracks niemand mehr zu vermuten wagt, was wohl als nächstes kommt. Es wirkt, als wäre Streten durch den gut sortierten Plattenladen seines Vertrauens marschiert, hätte instinktiv Platten aus allen Ecken gegriffen und würde, vor den heimischen Boxen angekommen, jeden Track nach der Hälfte skippen - nicht aus Gründen mangelnder Qualität des Gekauften, sondern aus Vorfreude auf das, was noch kommen könnte.

"Sleepless" ist reinster Bilderbuch-Pop, den Flume als Teststrecke für seine neuesten Stimmmanipulationstools benutzt: Die Stimme von Gastsängerin Jezzabell Doran verwandelt er in ein gänzlich neues Instrument, das nicht mehr viel Menschliches an sich hat, aber perfekt ins verspielte Drumherum passt. "On top" dagegen ist so cool wie Hip-Hop nur sein kann und lädt zum Bouncen ein, bevor "Stay close" die R'n'B-Schublade aus dem Schrank reißt und deren Inhalt wild auf dem Boden verteilt. Reinste Schönheit wartet in "Insane" und "More than you thought" kombiniert stumpfes Dubstep-Wobblen so perfekt mit beinahe spirituell wirkendem Gesang, dass das musikalische Kategoriedenken jeglichen Sinn verliert.

Nur noch mal zur Erinnerung: Harley Streten ist erst 20 Jahre alt, eine Tatsache, die ihm zuletzt bei einem New-York-Konzert schmerzlich bewusst wurde. Zwei dicke schwarze Kreuze auf den Handrücken kennzeichneten ihn als minderjährig, um bloß niemanden auf die Idee kommen zu lassen, dem Künstler des Abends Alkohol zu verkaufen. Die aufputschende Wirkung dürfte folglich die Musik übernommen haben - ohne Probleme, versteht sich. Vielleicht hat Flume den Sound seiner Generation neu erfunden - vielleicht muss auch die Generation zu diesem Sound erst noch erfunden werden. Fest steht, dass Musik im Jahr 2012 genau so klingen muss. Danke für diese Erkenntnis.

(Konrad Spremberg)

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Highlights

  • Sintra
  • Sleepless (feat. Jezzabell Doran)
  • Insane (feat. Moon Holiday)

Tracklist

  1. Sintra
  2. Left alone (feat. Chet Faker)
  3. Sleepless (feat. Jezzabell Doran)
  4. On top (feat. T.Shirt)
  5. Stay close
  6. Insane (feat. Moon Holiday)
  7. Change
  8. Ezra
  9. More than you thought
  10. Space cadet
  11. Bring you down (feat. George Maple)
  12. Warm thoughts
  13. What you need
  14. Star eyes

Gesamtspielzeit: 47:17 min.

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