Alfie - A word in your ear

Alfie- A word in your ear

XL / Beggars / Connected
VÖ: 02.04.2002

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Kindsköpfe

Jeder, der schon mal einen Job als Babysitter angenommen hat, macht früher oder später die gleiche schmerzhafte Erfahrung. Solange die Eltern des kleinen Rackers, auf den es aufzupassen gilt, die eigenen vier Wände noch nicht verlassen haben, wirkt der Frischling noch ausgesprochen putzig, seine Windeln ausgesprochen sauber, und auch sein goldiges Äußeres weiß zu entzücken. Beim ahnungslosen Babysitter stellt sich bereits große Vorfreude auf leicht verdientes Geld ein, doch sobald die Erzeuger des Wonneproppens die eigenen vier Wände verlassen haben, nimmt das Drama seinen Lauf. Der süße Steppke scheint sich in den Leibhaftigen höchstpersönlich zu verwandeln, schleudert den Alete-Brei gleich löffelweise durchs Wohnzimmer und kreischt sich die Lunge aus dem zierlichen Leib. Spätestens in diesem Moment fragen sich Babysitter meist, warum sie sich nicht für einen einfacheren Job entschieden haben. Herzchirurg zum Beispiel.

Ohne nun irgendjemandem zu nahe treten zu wollen: Nicht nur auf dem liebevoll gepinselten Cover ihres ersten regulären Albums "A word in your ear" weisen Alfie erstaunliche Gemeinsamkeiten mit dem beschriebenen typischen Kleinkind auf. Beginnen sie zunächst noch mit zaghaftem Folkpicking und einer Stimme, die schüchtern zum "Stille Post" spielen einlädt, offenbaren sie anschließend Schritt für Schritt, das unter ihren anschmiegsamen Schafspelzen waschechte Wölfe stecken, die bisweilen richtig gemein werden können. Etwa wenn sie wie in "Not half" die Bühne für verzwickte Trompetensoli freimachen oder ihrem "The reverse midas touch" ein ironiedurchtränktes HipHop-Intro schenken. "This is that Alfie shit. You know man?"

Nachdem das erst mal raus ist und der Hörer sich verwundert die Ohren reibt, nehmen Alfie erst recht keine Rücksicht mehr auf jegliche Genre-Einschränkungen. In "Summer lanes" werden die Akustische und ihr filigraner Wohlklang mit Hilfe einer Stromgitarre zu Kleinholz verarbeitet, während in "Me and mine" Flöten und Flaschen um die Wette pusten. Daß "Rain, heaven, hell" erst nach sechseinhalb Minuten mit Bombast-Chor endet, sollte indes eigentlich keinen mehr wundern. Längst haben Alfie sich als latent verrückte Musikanten geoutet, die nicht nur die Verspieltheit und Disziplinlosigkeit eines hyperaktiven Dreijährigen adaptiert haben, sondern glücklicherweise auch seine Liebenswürdigkeit. Putzig.

(Daniel Gerhardt)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Not half
  • The reverse midas touch
  • Summer lanes

Tracklist

  1. A word in your ear
  2. Cloudy lemonade
  3. Bends for 72 miles
  4. Halfway home
  5. Not half
  6. The reverse midas touch
  7. Summer lanes
  8. Me and mine
  9. Rain, heaven, hail
  10. The lighthouse keeper

Gesamtspielzeit: 42:51 min.

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum