Robbie Williams - Take the crown

Robbie Williams- Take the crown

Universal
VÖ: 02.11.2012

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Krönung süß-sauer

Krone, König, Thron war erst einmal nicht. Stattdessen: Lethargie, Apathie, Bühnenangst. Dass Robbie Williams wiederkommen würde, war irgendwie klar. Und zwar solo. Der Zeitpunkt allerdings war offen. Aber mit jeder weiteren Sicherheit in seinem Leben erwachte auch Williams' verschmitztes Ego aus dem depressiven Winterschlaf. Hochzeit mit Ayda Field, Tochter Theodora Rose kam zur Welt, und bei den Auftritten mit den ehemaligen Kollegen von Take That schmeckte auch der Applaus wieder köstlich. Kollege Gary Barlow schickte sich zudem an, in die immensen Fußstapfen von Williams' langjährigem Songschreiber Guy Chambers zu treten. Funktionierte schon bei "Shame" und "Heart and I" auf der Greatest-Hits-Platte In and out of consciousness und nun auch bei der ersten Single aus "Take the crown".

Wenn künftig die Kindergartengruppe Mausezahn die Songzeile "Ring a ring of roses" singt, hat "Candy" sein Werk vollbracht. Die Geschichte über ein Mädchen, das sich für die Allergrößte hält, hat die simple Melodie und Klangfarbe eines Kinderliedes, packt ein paar Bläser in die Fruchtgummitüte, schnippt mit dem Finger, lässt Streicher euphemistisch aufspielen, hüpft beschwingt über Pianotasten und zupft Gitarrensaiten aus Zuckerwatte. Wem das zu lapidar ist, darf sich gerne beim nächsten Stuhlgang darüber aufregen. Denn "Candy" ist ein maximalst augenzwinkerndes Pop-Statement. Und Pop kann Herr Williams. Theoretisch. Seine Ambition, sich die Krone des Genres aufzusetzen, seinen Kopf als vergoldete Statue auf das Cover zu hieven und ein Album voller Hits anzukündigen, ist also nicht großspurig, sondern aufgrund der zugegebenermaßen nicht mehr jüngsten Vergangenheit absolut gerechtfertigt. Einzig folgen den Worten längst nicht nur Taten. Denn das mit Jacknife Lee (U2, Snow Patrol, Taylor Swift) produzierte Album krankt gerade am teils krampfhaften Versuch, Großes zu leisten.

In acht Tagen seien die Songs im Kasten gewesen, erzählt Williams in einem Videoblog und verweist auf die Zusammenarbeit mit den bislang unbekannten danceorientierten Songwritern Flynn Francis und Tim Metcalfe. 80 Tage wären hin und wieder besser gewesen. "Shit on the radio" etwa will ein Plädoyer für gute Musik sein, ist aber in einen so austauschbaren Synth-Brei getränkt genau das Gegenteil. Schlimmer gerät nur der Klumpen aus Schlager und Achtziger-Schmonz namens "All that I want". Der Zusammenarbeit mit Francis und Metcalfe erwächst allerdings auch der charmante Opener "Be a boy", im Prinzip eine Pet-Shop-Boys-Nummer. Allerdings wären die ohne Oooheyyy-Chöre und schmelzendes Saxophon ausgekommen. Dennoch bleibt der Song als Ganzes ein mehr als ordentlicher Auftakt mit Standortbestimmung: "They said it was leaving me / The magic was leaving me / But I don't think so."

Man ahnt es bereits. Und auch der neurotische Selbstzweifler Williams weiß: Magisch ist "Take the crown" sicherlich nicht. Da guckt der Hase schon freiwillig aus dem Hut. Denn auch stimmlich hakt es ungewohnt häufig beim 38-Jährigen. Hohe Töne waren zwar noch nie seine Paradedisziplin, aber im Cover "Losers" und der zweiten Barlow-Williams-Koproduktion "Different" wirkt sein Organ arg strapaziert. Bei einem Refrain in der an sich feinen Nummer "Into the silence" bricht ihm gar die Stimme weg. Im direkten Vergleich mit den Rock- und Wortbanalitäten in "Hey wow yeah yeah" allerdings das kleinere Übel. "Gospel" und "Different" machen das deutlich besser, wären auf einem großartigen Williams-Album aber eben auch nur Mitläufer gewesen. Also: "Take the crown" und bring sie zum Safe. Die des großen Entertainers darf Williams selbstredend weiterhin tragen. Und das wird er live auch wieder beweisen. Allerdings mit einem Album im Rücken, das leider das egalste seiner Karriere geworden ist.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Be a boy
  • Candy

Tracklist

  1. Be a boy
  2. Gospel
  3. Candy
  4. Different
  5. Shit on the radio
  6. All that I want
  7. Hunting for you
  8. Into the silence
  9. Hey wow yeah yeah
  10. Not like the others
  11. Losers (feat. Lissie)

Gesamtspielzeit: 52:17 min.

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Der Leser hat gewählt
2015-08-20 18:16:34 Uhr
8723. Platz. Herzlichen Glückwunsch
Demon Cleaner
2012-11-09 08:47:32 Uhr
5/10 finde ich zu hoch. Wie bei "Reality" war "Rudebox" zwar durchwachsener, aber wenigstesn interessanter.
Analytiker mit Wahrheitsanspruch
2012-11-08 21:36:05 Uhr
"Candy" als Highlight? Das muss eine wahrhaft fürchterliche Platte sein.
@Jürgen
2012-11-05 22:15:40 Uhr
ja, die drogen :-(
Jürgen
2012-11-05 22:06:57 Uhr
Na, der is doch ganz heftigst über sein ZEhnit.
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