Title Fight - Floral green

Title Fight- Floral green

SideOneDummy / Cargo
VÖ: 21.09.2012

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Ohne Zukunft

Eines vorweg: Wer sich ein Urteil bilden will über Title Fight, der muss sie live sehen. Dort nämlich schüttelt ihre Unmittelbarkeit erst wirklich durch. Das ist wie Tony Hawk auf der ersten Playstation: etwas aus der Zeit gefallen, aber doch schön zu hören, weil die Zeiten es waren. Title Fight machen Musik zwischen etwas giftigeren Jimmy Eat World, Jawbreaker und Hot Water Music - und klingen dabei fraglos wie unzählige Bands zuvor. Aber sie spielen ihren kurzweiligen Emo, der sich ganz schön nah an den Poppunk rantraut, mit der Überzeugung, sie seien die Erfinder allen Wachstumsschmerzes. Also rein in die Parkas, den Rucksack mit Bier gefüllt, wir haben gerade Zeit für elf Songs, gerne unter drei Minuten.

Und doch, "Secret society" erinnert tatsächlich kurz an ...And You Will Know Us By The Trail of Dead, breitet schlussendlich aber doch die Arme aus für den Foo-Fighters-Stagedive. "Floral green" sucht merklich die Abwechslung, 30 Minuten Dauerfeuer sind Title Fight nunmehr zu wenig. Dabei spielt das Album jedoch ein ums andere Mal gegen die eigene Intensität an: So kann man einen nachdenklichen Track wie "Head on the ceiling fan" zwar als gelungene Reifeprüfung interpretieren. Aber seien wir ehrlich, es ist dann doch der eine unvernünftige Abend mit 17, der ewig in Erinnerung bleibt, den wir alle irgendwie festzuhalten suchen, oder über den - wenn er ganz beschissen lief - Larry Clark seine Filme dreht. Jener Abend, der einen anschreit: "Das Leben ist jetzt, hier, existenziell."

Selbstverständlich ist aus dem großen Talent von Title Fight nicht plötzlich bloß überall Fades geworden. Dafür ist "Floral green" zu charmant, kurzweilig, spielfreudig. Zumal es ungerecht wäre, die größeren handwerklichen Fähigkeiten dafür zu verurteilen, dass sie dem so bedingungslos in den Moment verliebten Punk von Title Fight manchmal seinen Sturm und Drang nehmen. Aber wenn der Vorgänger "Shed", mehr noch die Compilation "The last thing you forget" gefühlsmäßig zum musikalischen Pendant von "Wunderbare Jahre" taugte, dann ist "Floral green" jetzt so etwas wie die Beschallung von "Party of five": Irgendwie weniger anachronistisch einerseits, aber die letzte Wehmut bleibt, andererseits.

Wenn es gut läuft, versammeln auch die nächsten Veröffentlichungen Kracher wie das kantige "Calloused", zu dem live wieder Blut gespuckt werden wird. Oder es finden sich Songs darauf wie "Frown", das zwar irgendwie aussieht, als wäre es aus den Leichenteilen der doppelt so alten Szenepioniere zusammengenäht, aber darauf ganz keck saustolz ist. Wenn es schlecht läuft, spielen Title Fight bald ihre erste Singer-Songwriter-Platte ein mit Vollbart, Flanellhemd und Chuck-Ragan-Zitat. Aber wer denkt schon bei diesem Sound an die Zukunft? Genau, das ist wohl auch die größte Stärke Title Fights. Und die bleibt: "I just wanna be interesting." Denn manche Sorgen haben kein Verfallsdatum.

(Nicklas Baschek)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Leaf
  • Frown
  • Calloused

Tracklist

  1. Numb, but I still feel it
  2. Leaf
  3. Like a ritual
  4. Secret society
  5. Head in the ceiling fan
  6. Make you cry
  7. Sympathy
  8. Frown
  9. Calloused
  10. Lefty
  11. In-between

Gesamtspielzeit: 32:47 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
der kleine fratz
2013-07-23 15:39:12 Uhr
gute band!
http://www.youtube.com/watch?v=b0VkSIiskuE
_TOUCHE_AMORE_
2012-11-11 05:17:45 Uhr
tatsächlich, rofldiekatz :D
mambo
2012-11-10 15:54:32 Uhr
5/10????

ach, warte mal, der kerl der die platte reviewt hat, hat emmure damals 7 punkte gegeben.....nevermind.
The Knirsch Effekt
2012-11-10 04:23:08 Uhr
für mich leider auch eine der großen enttäuschungen im punkbereich in diesem jahr. fand das vorgängeralbum fantastisch. die neue platte klingt wirklich wie ein gewöhnliches album einer typischen vorstadt-ami-pop-punk-band. kaum ein song, der mich mitgerissen hat. es ist zwar alles solide gespielt, aber mehr eben auch nicht.

jetzt im dritten Durchlauf skippe ich einzelne Tracks bereits... mehr als 6/10 würde ich dem album auch nicht geben.
(8/10)
2012-11-09 14:06:05 Uhr
schöne platte, höre da sehr viel samiam und small brown bike raus.
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum