Soundgarden - King animal

Soundgarden- King animal

Mercury / Universal
VÖ: 09.11.2012

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Manchmal kommen sie wieder

Schwere Riffs zum Anheizen, besser als jeder Kohlegrill. Die gibt es mittlerweile Tütenweise. Lange ist es her, seit eine junge Band aus den Untiefen des Molochs Seattle sie spielte. Jene Band, die diese Tonnenriffs mit mehr Herzwärme auf die Reise schickte, als der Musikantenstadl seine Jungstars auf die Bühne. Sechzehn Jahre nach dem grandiosen Schwanengesang "Down on the upside", der mittlerweile als Sarg-Nagel des Grunge-Hype zu betrachten ist. Sechzehn Jahre, ein James-Bond-Titelsong, drei Solo- und drei Audioslave-Alben von Sänger Chris Cornell später, liegt "King animal" wie ein Wunder auf der Ladentheke. Satte einundzwanzig Jahre nachdem auf der bis dato härtesten Dampframme, "Badmotorfinger", Cornell noch tief im "Mindriot" steckte und verkündete: „And I sharpened my wits on a dead man's skull / I built an elevator from his bones". Und knackige achtzehn Jahre nach dem Ewigkeits-Album "Superunknown". Ja, ikonisch war das und Ikonen kommen manchmal wieder: Willkommen zurück Soundgarden.

Das Frontcover von "King animal" baut vielleicht keinen Aufzug aus menschlichen Überresten, doch hoch werden die Tier-Knochen dennoch gestapelt. Das erinnert irgendwie an ein trostloses "Game Of Thrones"-Setting. Die Zeit bleibt halt nicht stehen. Aber weiterhin "Mindriot"? Wer sich schon immer fragte, ob der Hund auf dem Cover der Erbverwaltungsarbeit "Telephantasm" wohl noch Zähne hat, bekam mit dem dreckig-groovenden "Black rain" hinreichend Antwort: nämlich mit der Faust ins Gesicht, plus ein Kilo Fleisch aus der Backe weniger. Groß tönten dann die Unkenrufe nach dem "Avengers"-Beitrag "Live to rise". Die Größe von früher sei nicht einholbar. Aber jetzt, wo der "King animal" eingetroffen ist, werden die Zähne erst richtig gefletscht. Entwarnung an alle: Soundgarden sind so grandios wie eh und je. Aber eben beim zweiten Hören, wie immer. Und immer noch "Mindriot".

"Been away too long" kommt als übergroßer "Down on the upside"-Brecher um die Kurve, Up-tempo, laut, direkt zwischen die Füße. Was seinerzeit ein Beerdigungs-Läuten darstellte, wird 2012 zu einer Auferstehung. "I've been away for too long" schreit Cornell. Wie wahr, zumindest was diese Konstellation betrifft. In die gleiche Kerbe bricht das vor sich hin groovende "Non state actor". Der Bass semmelt seine Wucht direkt in die Kniekehlen und Cornell schreit so schön, wie seit der ersten Audioslave-Scheibe nicht mehr. Kim Thayils schwerleichte Riffs brechen drauf los, ohne komplett zu überrollen. Da ist sie wieder, diese Wärme von früher. Wahrscheinlich weiß nur Thayil selbst, wie man das nach all der Zeit so hinbekommt. "A little bit more" keift der Sänger. Unsere Antwort: Aber gerne. Mit Meeresstrudel-Gitarren braust auch "By crooked steps" durch die Zielgerade. Irgendwo zwischen "Louder than love", "Badmotorfinger" und tief im "Superunknown", mit einem irren Solo, welches dieses Prädikat in seiner Verschwurbeltheit noch verdient. "My crooked steps right behing you" heißt es da. Wir bitten darum. "A thousand days before" war die Welt anders. Pures Rückerinnern, doch sind wir nicht in Seattle, Dirk. Das ist auch alles irgendwie egal. Mit laut/leise-Teilen kennen sich Soundgarden aus und zelebrieren es hier bis zum Herzrasen. "Blood on the valley floor" drischt mit einem Kopfnicker-Riff aus der Reserve und zeigt, warum Soundgarden heute noch relevanter sind, als Creed es jemals waren. Der Song donnert mit surrealen Lyrics und einer harten, breaklastigen Heavyness durch die Schneise der Mittelmäßigkeit, die gleich den Nacken in arge Mitleidenschaft zieht.

Mit "Bones of birds" wird eine leisere Gangart angeschlagen. Die Melodien ziehen wie ein Sog hinein, die Härte verkriecht sich dabei hinter die tieftraurige Melancholie aus einer lang vergangenen Zeit, welches das Midwest-Feeling von "Taree" nicht nur aufgreift, sondern gleich in den schönsten Refrain übersetzt, den Soundgarden seit "Blow up the outside world" spielten. Thayils geniale Gitarrenarbeit tut da ihr Übriges. "Attrition" brettert in einer härteren Gangart zurück in das Jahr 1996, bevor "Black saturday" eindrucksvoll aufzeigt, dass die Solo-Karriere ihres Sängers nicht nur Mist produzierte. Singer-Songwriter-Anleihen sind dabei unverkennbar, ebenso im verstörend poppigen "Halfway there", das am ehesten in Cornells "Carry on"-Phase passt. "Worse dreams" und "Rowing" attackieren den Hörer mit der frühen Psychedelia der Band. "Eyelid's mouth", von Matt Camerons, überfett von Adam Kasper produzierten, Drums dominiert, tritt den Hörer mit psychedelischen Momenten in eine wohlige Ruhe eigener Nostalgie, aus der nur das rotzrotzige Solo Thayils rettet. Wer jemals zweifelte, ob Soundgarden alles zurückholen, was die Zeit fraß, sei hiermit eines besseren belehrt. Lieber zwei Mal hinhören und auf in den "Mindriot" 2012. Wenn Ikonen wiederkehren, dann richtig.

(Peter Somogyi)

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Highlights

  • Been away too long
  • Non-state-actor
  • By crooked steps
  • Blood on the valley floor
  • Bones of birds
  • Taree

Tracklist

  1. Been away too long
  2. Non-state-actors
  3. By crooked steps
  4. A thousand days before
  5. Blood on the valley floor
  6. Bones of birds
  7. Taree
  8. Attrition
  9. Black saturday
  10. Halfway there
  11. Worse dreams
  12. Eyelid's mouth
  13. Rowing

Gesamtspielzeit: 51:59 min.

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Schwuppe

Postings: 19

Registriert seit 25.11.2015

2015-11-27 02:11:03 Uhr
Da traut man sich 3 Jahre nicht Chris Cornells Output irgendwie noch weiter zu verfolgen. UNd meine Fresse, das hier ist wirklich ein tolles Album. Thayils Riffs sind einfach nur göttlich.
LG
2013-06-11 03:35:07 Uhr
war sg fan in 1996!! waldorfasschuile 11. klasse damls!
LG
2013-06-11 03:34:29 Uhr
mehr mehr!

ich hörs erct miorgen zum 1, mala bei nem m,umpel!!

hab wenih kohle!
oxypepheriort
2013-03-04 09:11:59 Uhr
. . .
DokyGroorge
2013-02-26 20:46:58 Uhr
. . .
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