Mando Diao - Infruset

Mando Diao- Infruset

Vertigo / Universal
VÖ: 02.11.2012

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Long before rock'n'roll

Die spinnen, die Schweden. Mando Diao haben sich mittlerweile anscheinend so viel Narrenfreiheit erarbeitet, dass sie glücklicherweise tatsächlich das machen können, wonach ihnen zumute ist. Statt eines neuen Studioalbums als schnelles Follow-up zum Riesenerfolg "Give me fire" gibt es nach der B-Seiten-Sammlung "The malevolence of Mando Diao", "MTV unplugged - above and beyond" und "Greatest hits volume 1" nun also eine Platte, auf der die Borlänger Gedichte und andere Texte von Gustaf Fröding vertonen, der einer der bekanntesten Lyriker Schwedens war und ist und bis 1911 lebte. Am überraschendsten ist wohl, dass "Infruset" als reguläres Album durchgehen soll und nicht als ominöses Seitenprojekt irgendwo im Äther verglüht. Das nennt man dann wohl Chuzpe.

"Infruset" versteht sich also als Kunst und hat wenig bis gar nichts mit dem bisherigen Schaffen Mando Diaos zu tun. Hier gibt es noch keinen Rock'n'roll, die elektrischen Gitarren bleiben im Schrank, und die elf Stücke sind in ein balladeskes Gewand gekleidet, das hier etwas orchestraler, dort eher spartanischer und manchmal sogar kammermusikalisch daherkommt. Auf diesem Album finden sich also vor allem getragene, melancholische Stücke, die in erster Linie natürlich durch die gewohnt markanten Stimmen von Gustaf Norén und Björn Dixgård getragen werden. Unterstützt wird die Band von einer Handvoll weiterer Musiker, die für die Streicherarrangements und die vielen kleinen Sounds und Spielereien in den Ecken der Songs verantwortlich zeichnen und "Infruset" tatsächlich zu einer speziellen Platte machen. Und diese überwiegend schwere Kost wird dem durchschnittlichen Mando-Diao-Jünger wahrscheinlich erst einmal die Gesichtszüge gefrieren lassen.

Am schönsten auf diesem sehr sonderbaren, ambitionierten Album ist das zusammengehörige Doppel aus "Titania" und "Gråbergssång" ganz am Ende. Mando Diao drehen noch einmal leicht an den Schrauben, die beiden Songs schweben auf weitläufigem und sehnsuchtsvollem, gar geisterhaftem Choralgesang dem Ende entgegegen. In "Titania" brilliert als erste Stimme zudem Dixgårds Schwester Linnéa, die ansonsten bei Twinflower Band spielt. Leicht machen es Mando Diao dem Hörer mit "Infruset" sicherlich nicht. Aber genau das ist ja auch das Schöne an dieser Band: Sie kann eben doch viel mehr als nur hervorragende Hits am Stück schreiben. So viel Liebe zur Kunst hätte man diesen Schweden gar nicht zugetraut.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Titania
  • Gråbergssång

Tracklist

  1. Den självslagne
  2. En sångersaga
  3. Infruset
  4. I ungdomen
  5. Snigelns visa
  6. Strövtåg I hembygden
  7. Men
  8. En ung mor
  9. Titania
  10. Gråbergssång

Gesamtspielzeit: 37:26 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Arschi
2013-05-19 15:01:34 Uhr
Eine Band, bei der der Schein gewahrt wird, dass man sie international vermarktet, in Wahrheit aber lediglich in Deutschland richtig Erfolg hat. Hier findet wirklich noch die beschissenste Musik willige Käufer!
The MACHINA of God
2013-05-18 22:20:50 Uhr
Taugt das was?
Peteur
2012-11-03 11:17:58 Uhr
Ob die 08/15-Platzhalterlyrics nun auf schwedisch oder auf englisch sind, dürfte doch egal sein.
IFart
2012-11-03 10:47:35 Uhr
sorry, aber wenn man der schwedischen sprache nicht mächtig ist, und die lyrics nicht versteht, lohnt es sich kaum das Album zu kaufen. Musikalisch ists eher ne luftnummer
olalala
2012-11-02 15:55:44 Uhr
Bisher hohe Bewertungen in Deutschland auch. 4/5 im Schnitt.
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