Brian Setzer Orchestra - Vavoom!

Brian Setzer Orchestra- Vavoom!

Interscope / Motor
VÖ: 31.07.2000

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Schwung in der Hüfte

Danksagungen sind bei dieser Platte nicht zu finden, obwohl gut die Hälfte der Stücke schon zu früheren Zeiten echte Hits waren. Wozu auch? Es gehört ja schließlich seit jeher zur Big-Band-Tradition, neben eigenen Stücken vor allem bekannte Klassiker zu interpretieren. Daß diese naturgemäß etwas anders klingen, wenn sie von Brian Setzer und seiner Combo und nicht vom ehrenwerten Orchester des NDR vorgetragen werden, steht außer Frage.

Nicht ganz so offensichtlich ist, wie viele der Stücke dieser Platte bei vorhandenen Kompositionen entlehnt (nur böse Zungen sagen "geklaut") wurden. Brian Setzer versieht beispielsweise das altbekannte "Gettin' in the mood" mit eigenen, fulminanten Lyrics und weiß (nach der Ray Gelato Giants-Version von 1998) eine weitere brilliante Version des italienischen Einwanderers "Americano" vorzuweisen. Auch Duke Ellingtons "Caravan" klingt mit Setzers markant griffig gespielter Gitarre plötzlich wieder knackfrisch und modern. Der Versuch, den Brecht/Weill-Klassikers "Mack the knife" neu aufzulegen hingegen gemahnt zwar an Frank Sinatra, dem ja durchaus Nähe zu gewissen Kreisen unterstellt wurde, läßt aber an Schärfe vermissen. Das gelegentliche Streben nach mehr Tiefe im Gesang klingt leider, insbesondere bei der einzig echten Schnulze "Gloria", immer ein wenig kitschig und erinnert an "Weißer Frack"-Shows à la "Musik ist unser Leben".

Nicht ganz vergessen darf man die neu komponierten Stücke. Viel Tiefschürfendes gibt es da nicht zu erwarten, wohl aber nette S(w)ing-Along-Stücke wie "Jumpin' east of Java". Scheinbar war das Duett mit Gwen Stefani (No Doubt) auf der letzten Platte "The dirty boogy" inspirierend: neue Background-Sängerinnen beleben hier den Sound, und man fragt sich, aus welchem Grund man sie auf früheren Platten nicht vermißt hat. Mit "Drive like lightning" gibt es auch mal ein Stück klassischen Rockabilly zu hören, mit einer Gitarre, die verdächtig nach dem guten alten Dick Dale & His Deltones klingt. Und prompt bleibt von der Kapelle nicht viel zu hören, womit wir auch schon beim Problem dieser und der bisherigen Platten des Brian Setzer Orchestra sind: irgendwie wird man den Eindruck nur schwer los, daß die Big Band im wesentlichen nur als Soundraum für das Gitarrenspiel Setzers dient. Das funktioniert gut bei den Stücken, die sich im vagen Zwischenfeld zwischen Rockabilly und Swing bewegen, wirkt bei anderen mehr am klassischen Swing orientierten Liedern nicht weniger aufgesetzt als das zwangsläufige Gitarrensolo in Hardrock-Stücken. Mit der insgesamt vierten Platte liefern Brian Setzer Orchestra ein gesundes Maß an Stimmung und Schwung, die zusammen mit gutem Wetter für viel gute Laune bei Autofahrten zum Badesee und Tanzlokalen sorgen wird. Ob allerdings Hörer aus anderen Stilrichtungen hinzugewonnen werden können und mit diesem Album die kleine Swing-Welle zu neuen Springfluten führt, ist zu bezweifeln.

(Holger Schauer)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Americano
  • Gettin' in the mood
  • Drive like lightning (Crash like thunder)

Tracklist

  1. Pennsylvania 6-5000
  2. Jumpin' east of Java
  3. Americano
  4. If you can't rock me
  5. Gettin' in the mood
  6. Drive like lightning (Crash like thunder)
  7. Mack the knife
  8. Caravan
  9. The footloose doll
  10. From here to eternity
  11. That's the kind of sugar Papa likes
  12. '49 Mercury blues
  13. Jukebox
  14. Gloria

Gesamtspielzeit: 43:27 min.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Anhören bei Spotify