Neil Young & Crazy Horse - Psychedelic pill

Neil Young & Crazy Horse- Psychedelic pill

Reprise / Warner
VÖ: 26.10.2012

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Zerreißprobe

Neil Young war niemals Hippie. Er war ein Mann mit einer Vision, viel Talent und erstaunlicher Arbeitsmoral. Dennoch nennt er seine Autobiographie "Ein Hippie-Traum", die zeitgleich zur Veröffentlichung des Albums "Psychedelic pill" erscheint. Es geht um ein Leben, so vollgepumpt mit Anekdoten, Eskapaden und Helden-Geschichten, dass sie für die Leben einer ganzen Generation reichen würden. Mittlerweile sind es Großväter, die ihren erwachsenen Enkeln erzählen, wie sie damals den kuriosen jungen Kanadier in einer Bar Gitarre spielen sahen und wie er über den Genozid der indianischen Ureinwohner der Vereinigten Staaten sang. Neil Young ist kein Phänomen. Neil Young ist Zeitgeschichte.

Zu dieser Geschichte zählt auch seine Begleitband Crazy Horse. Legendär ist die Platte "Rust never sleeps", mit der sie 1979 den Punk in die Schranken verwiesen. Seit Ende der Sechziger gehören Young und Crazy Horse zusammen, so wie Petty und die Heartbreakers, Dylan und The Band. Doch dass dieser Zusammenschluss begnadeter Musiker in diesem Leben noch einmal ein gemeinsames Album mit neuen Songs aufnehmen würde, das hätte man sich seit dem schrulligen Konzeptalbum "Greendale" von 2003 nicht träumen lassen. Doch nun ist es da, "Psychedelic pill", das achtzehnte gemeinsame Album. Und um es vorwegzunehmen: Es ist ein kleines Meisterwerk, ein würdiges Doppelalbum.

Prätentiöser, harmonieseliger Folkrock ist das, mit flirrenden Gitarren und schwitzendem Schlagzeug. Die Dissonanzen kommen zum Schwingen, Youngs Stimme zum Vibrieren. Das Cover ist so scheußlich, wie man es liebt und einen Höhepunkt gibt es weit und breit nicht. "Psychedelic pill" ist so gut aufgestellt, wie es nur ein Mensch zustande bringen kann, der schon alles gesehen, gehört und gespielt hat. In einem Interview mit der "Zeit" erklärte Young unlängst seine alte Kerouac-Philosophie: "Die Leute wollen einem Feuer beim Lodern zusehen. Wenn es nur so ein bisschen vor sich hinknistert, sind sie gelangweilt. Sie erwarten, dass gleich etwas explodiert." "Psychedelic pill" ist so heiß, dass sich leichte Gemüter verbrennen werden.

Diese unfassbare Eröffnung "Driftin' black" ist jenseits der 15-Minuten-Grenze und übergibt sich in eine regelrechte Verzerrungsorgie. Im versöhnlichen "Twisted road" singt Young "First time I heard 'Like a Rolling Stone' / I felt that magic and took it home" und verbeugt sich tief vor seinem alten Freund Bob Dylan. Ein großer Song, der direkt aus den Siebzigern in das gegenwärtig zerrissene Amerika platzt. Neil Young und seine Band sind fest im Zeitgeschehen verankert. Diesem Album haftet eine existentielle Notwendigkeit an. Die ungeborenen Enkel von übermorgen werden davon berichten.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Driftin' black
  • Born in Ontario
  • Twisted road
  • Walk like a giant

Tracklist

  • CD 1
    1. Driftin' black
    2. Psychedelic pill
    3. Ramada Inn
    4. Born in Ontario
  • CD 2
    1. Twisted road
    2. She's always dancing
    3. For the love of a man
    4. Walk like a giant
    5. Psychedelic pill (Alt mix)

Gesamtspielzeit: 89:03 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Hoch
2018-01-09 21:13:06 Uhr
Geiles Album. Sein bestes in diesem Jahrtausend.

kuckuck

Postings: 26

Registriert seit 16.04.2016

2016-05-16 17:54:44 Uhr
wahnsinns album, diese guitars, diese wucht, der mann ist eine lebende legende

Nils Jung
2012-12-07 09:10:46 Uhr
Für mich ist es DAS Album des Jahres. Größer geht nicht!
...
2012-11-25 22:17:35 Uhr
KLICK

Hör bitte auf kleine Mädchen zu stalken, das ist gruselig!
Per Sil
2012-11-23 14:58:00 Uhr
Weil nicht jeder den gleichen Geschmack hat wie du. Bitte in Zukunft solche Deppenfragen vermeiden.
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