John Cale - Shifty adventures in nookie wood

John Cale- Shifty adventures in nookie wood

Domino / GoodToGo
VÖ: 28.09.2012

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Seichte Höllenqualen

Mit Velvet Underground ging das ja alles los: fiese Feedbacks und einschmeichelnde Melodien, ranzige Lederjacken und undurchsichtige Sonnenbrillen, eine Frau am Schlagzeug und drei Genies am Mikrofon. Eines dieser Genies war John Cale, der sich nach dem Ende der Band vornehmlich damit beschäftigte, Songs zu komponieren und aufzuführen, die außer ihm niemand verstand. Dunkle Schwaden, vollgestopft mit intertextuellen Befähigungsnachweisen und Seitenhieben auf Grand Seigneur und Lieblingsfeind Lou Reed. Jetzt hat Cale ein neues Album veröffentlicht. Und sich damit keinen Gefallen getan.

Denn dieses Album ist so zugänglich und hip, dass die Aura des vormaligen Grantlers und Lords der Dunkelheit verpufft. Das Lebenszeichen nach sieben Jahren hat Cale "Shifty adventures in nookie wood" getauft. Er hat Danger Mouse zur Hilfe gerufen und Songs komponiert, von denen manche leuchten, andere schal schmecken. Es ist ein zugängliches Album, so nahbar wie kaum ein anderes in der unüberschaubaren Diskografie des Briten. Zwölf Songs ziehen in einer guten Stunde dahin, gesprenkelt mit Soundschleifen und repetitivem Sprechgesang. Das könnte sogar Fans von Joachim Witt gefallen.

Das muss man erklären, denn mit prätentiösem Gothic-Schlager hat "Shifty adventures in nookie wood" dann doch nichts am Hut. Vielmehr sind es diese tiefschwarzen Soundflächen, wie etwa im mechanischen "Nookie wood", und die tragikomische Melodie, die Cale heraufbeschwört, bis ihm am Ende der Saft abgedreht wird. Schön ist das nicht und auch nicht künstlerisch wertvoll. Man quittiert es mit einem Achselzucken und stürzt sich lieber ins verspielte "December rains", das Spuren zu New Order auslegt. Auto-Tune hin oder her.

Besonders gelungen ist die Geisterbahn-Ballade "Hemingway", in der sich Cale am Meister der Kurzgeschichten mit knappen Worten abarbeitet. Auch schön ist das schwere, undurchdringliche "Midnight feast", das einem wie ein über die Schultern geworfener Sack Blei zu Boden drückt. Die erbauende Keyboard-Melodie macht das auch nicht besser. Man schaut über die wenigen Längen und Schwächen hinweg, um sich am Tatendrang Cales zu erfreuen. Und nimmt dieses durchaus überdurchschnittliche Album vielleicht schlechter auf als es ist. Die Erwartungen eben. Denn von seinem Kaliber gibt es nicht mehr viele. Weitere Taten werden folgen.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Hemingway
  • December rains
  • Midnight feast

Tracklist

  1. I wanna talk 2 u
  2. Scotland Yard
  3. Hemingway
  4. Face to the sky
  5. Nookie wood
  6. December rains
  7. Mary
  8. Vampire cafe
  9. Mothra
  10. Living with you
  11. Midnight feast
  12. Sandman (Flying Dutchman)

Gesamtspielzeit: 54:09 min.

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