The Promise Ring - Wood / Water

The Promise Ring- Wood / Water

Anti / Epitaph / Connected
VÖ: 22.04.2002

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Mut zur Lücke

Am Anfang ist das unendliche, weite Nichts. Alsbald führen durch eine Voice-Box gezerrte Stimmen zur ersten großen Stolperfalle. Seit wann schürzt Damon Albarn (Blur, Gorillaz) für die grauen Mäuschen von The Promise Ring die Lippen? Die Auflösung folgt wenige Augenblicke später, als die Spielerei mit dem Effektgerät bereits längst verklungen ist. Es war doch nur die elektronisch verfremdete Stimme von Davey von Bohlen, die aus dem zurückhaltenden Amerikaner für kurze Zeit einen britischen Primaten machte. Aber welcher Teufel ist in den vergangenen Monaten seit "Very emergency" nur in die netten Kerls aus Übersee gefahren? Wo sind die verzerrten Gitarren? Wieso klingt "Wood/Water" wie der kleine, ungleich charmantere Bruder von Brit-Weicheiern wie Travis und wie Pavement minus Durchgeknalltheit? Von Bohlen - "The man who walked on Shady Lane?" fragt sich's entsetzt und kippt schwer geschockt ins Halbdunkel der Ohnmacht. Zwischen dem Schaum vorm Mund formen die Lippen immer wieder die selben Worte: "Emergency! Emergency!"

Nein, einfach machen es The Promise Ring gerade gewöhnten Fan-Ohren nun wirklich nicht. Wurde schon auf dem vorangegangenen Werk eifrig dem Pop gewordenen Simplizismus gefröhnt, so steckt ein Großteil des aktuellen Materials in einem Korsett, das von dazumals mittellaut jetzt nur noch auf ganz, ganz leise getrimmten Gitarren gehalten wird. Auch die zarte Akustische hat mehr als einmal Hochkonjunktur. Kompromisse? "Nein, danke", meint man in Milwaukee, kürzt kurzerhand die "Power" aus dem "Pop", addiert als Ausgleich noch rasch eine Portion "Cleverness" in die Wundertüte und landet mit dem Endergebnis irgendwo zwischen den Schlagworten "wunderschön", "verträumt" und vor allem "anders".

"Anders" im Sinne bisheriger Promise Ring'scher Konventionen, wohlgemerkt. Denn Neuentwicklungen der Geschütztechnologie fahren Von Bohlen & Co. hier gewiß nicht auf. Lecker-leichter Gitarrenpop und vor allem die nahezu erfurchtgebietende Einfachheit von Zeilen wie "If I had a dime for every time / I had stopped playing guitar / And put my nose in a book / Then my head would be healthy / And my guitar would be dusty" aus dem auf Samtpfoten stampfenden Vierviertler "Stop playing guitar" vergraulen sämtliche Wogen der Antipathie schneller, als so manch cholerischem Berufsskeptiker lieb ist. Hier kommt jemand, um uns etwas zu erzählen und tut dies in einer global-verständlichen, wohl- bekömmlichen Universalsprache für Jung und Alt. Magengeschwüre und Kopf-Verdreher gibt es woanders.

Handclaps im vergleichsweise eher ungediegenen "Get on the floor", dezent plazierte Streicher- und Keyboardeinsätze und die beinahe transzendent erscheinende Mellowness eines "Wake up until April": The Promise Ring lassen keine Tricks und Kniffe aus, auch die letzten Ungläubigen auf ihre Seite zu ziehen. Das absolute i-Tüpfelchen, das Sahnehäubchen für ganz, ganz besondere Momente, bei dem die letzten Dämme brechen, setzt sich das anfangs doch so unscheinbare "Wood/Water" erst gegen Ende auf. Wenn es in "Say goodbye good" inmitten von Bohlens Gesang urplötzlich Engelschöre hinabregnet, kennt der Jubel keine Grenzen mehr. In einer gerechten Welt wären The Promise Ring schon längst ganz, ganz oben. Ihr seid dran.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Stop playing guitar
  • Becoming one anything one time
  • Say goodbye good

Tracklist

  1. Size of your life
  2. Stop playing guitar
  3. Suffer never
  4. Become one anything one time
  5. Wake up until April
  6. Get on the floor
  7. Half year sun
  8. My life is at home
  9. Letters to the far reaches
  10. Bread and coffee
  11. Say goodbye good
  12. Feed the night

Gesamtspielzeit: 52:11 min.

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