Jonathan Jeremiah - Gold dust

Jonathan Jeremiah- Gold dust

Island / Universal
VÖ: 19.10.2012

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Philharmonie und Alltag

"The dust is gathering on the shelves / If only they could dust themselves" - um den Goldstaub, der Jonathan Jeremiahs zweites Album betitelt, geht es bei diesem Zitat aus dem Stück "Everyday life" wohl kaum. Der sympathische Engländer mit der Waldschrat-Optik mag zwar stimmlich ein Weichzeichner sein, ein Schönredner ist er jedoch keineswegs. Seine Lieder dokumentieren das echte Leben, in all seinen Nuancen und Härtegraden. Im schwelgerischen Sechziger-Jahre-Pop von "Fighting since the day we are born" setzt er sich mit den letzten Monaten seines Vaters auseinander, gipfelnd im hilflosen Optimismus der Zeile "TV is on / Heaven can wait." Das hübsche "Chatsworth Ave." ist Jeremiahs kranker Mutter gewidmet, der er damit einen herrlich beatlesken Song samt Cembalo und Trompetenfanfare verehrt, dann aber auch nicht mehr wünschen kann als: "Mum, get well soon." Auch ein Popstar ist bloß ein kleiner Junge, wenn das Schicksal seine Volljährigkeit zur Schau stellt.

Jeremiah hat sich Unterstützung geholt. Ein ganzes Orchester stärkt ihm auf seinem zweiten Album den Rücken - vor allem bei den Stücken, für die ihm kein richtiger Refrain eingefallen ist. Das niederländische Metropole Orkest macht seine Sache hervorragend und besteht aus einer Big Band, die um eine vollständige Streicherformation erweitert wurde. Diese symphonische Verdichtung verleiht "Gold dust" durchaus Glanz und Größe; schon beim eröffnenden Titeltrack, der von der im Sonnenaufgang gülden schimmernden Spree inspiriert wurde, die Jeremiah einst von einem Berliner Hotelzimmer aus erblickte. Doch auch alleine und im spartanischen Folk-Gewand gelingt ihm die eine oder andere schillernde Nummer, etwa das an Cat Stevens erinnernde "Shout". Auch die nächtliche Liebeserklärung "Forever shall be ours" braucht nicht mehr als ein Klavier und seine sanfte Stimme: "I'll whisper words you long to hear / Then turn out the lights."

Während Jeremiah ganze sieben Jahre brauchte, bis er sein erstes Album "A solitary man" veröffentlichte, hat die Arbeit am erneut selbst produzierten Nachfolger nur läppische sieben Monate gedauert. Das Qualitäts-Gefälle seines Debüts, das eine ausgesprochen schöne erste Hälfte und eine lahme zweite hatte, ist auf "Gold dust" nicht mehr zu spüren - dieses Mal ist es so, dass deutliche Highlights sich mit nettem Mittelmaß abwechseln. "The time of our lives" gehört zur zweiten Kategorie und klingt mit seinem üppigen Orchester-Pop eher nach den wiedervereinten Take That als nach Burt Bacharach. Auch die niedliche erste Singleauskopplung "Lazin' in the sunshine" hüpft ein bisschen zu sehr in Easy-Listening-Gefilden herum. Dafür möchte man sich der nostalgischen Schunkelnummer "Caffeine & saccharin" sofort in die Arme werfen. "No other place I'd rather be / Than here right now", verkündet Jeremiah, das Orchester unterstreicht es malerisch, und zum Schluss wird noch einmal instrumental auf den im frühmorgendlichen Sonnenlicht schimmernden Fluss geschielt. Zugegeben: Für Doppel-Platin wird das alles vermutlich nicht reichen. Aber Goldstaub macht sich doch ohnehin viel besser im Regal.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Fighting since the day we are born
  • Shout
  • Chatsworth Ave.

Tracklist

  1. Gold dust
  2. Fighting since the day we are born
  3. Shout
  4. Lazin' in the sunshine
  5. Everyday life
  6. All we need is a motorway
  7. The time of our lives
  8. You save me
  9. Chatsworth Ave.
  10. Forever shall be ours
  11. Caffeine & saccharin
  12. Gold dust (Reprise)

Gesamtspielzeit: 41:54 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Armin
2012-10-14 18:52:52 Uhr
Erscheint am kommenden Freitag, aufgenommen mit komplettem Orchester. Erster Eindruck nach zwei Songs plus Single: sehr schön.

Mir hat auf dem Debüt die eine Hälfte überragend gefallen, die andere war circa Max Mutzke. Aber der Mann hat definitiv Talent. Ich bin gespannt aufs Weiterhören.
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