Hey Sholay - ((O))

Hey Sholay- ((O))

Fierce Panda / Cargo
VÖ: 28.09.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Kein Treppenwitz

Man nennt sie am besten die Unaussprechlichen: Gruppen wie Sunn O))), oOoOO oder †††, für die es vermutlich nie zu Weltruhm langen wird, da niemand weiß, wie man sie am besten unfallfrei über die Lippen bekommt. Hey Sholay aus Sheffield und Leeds stellen es cleverer an: Bei diesem wohlklingenden Bandnamen ist es halb so schlimm, dass der Titel ihres ersten Albums wahlweise wie ein neumodisches Emoticon, ein sehr grob stilisiertes Piktogramm einer Schallquelle oder auch ein wenig wie der ausgehöhlte Eiswürfel auf dem Cover aussieht. Oder zumindest wie irgendetwas, dem mit Sprache nur schwer beizukommen ist. Doch alles kein Problem, solange "((O))" trotz schriftgewordenen Tastaturrülpsens nur so strotzt vor prächtig ausladendem Indie-Pop.

Der versohlt dem mutmaßlichen Art-School-Background der Band nämlich mit ausgelassen umherhüpfenden Melodien und einem ordentlichen Punch ausgiebig den Allerwertesten. Oder wie Hey Sholay es formulieren: "Klingt wie ein Wäschetrockner, der in einem schmalen Treppenhaus Jagd auf Senioren macht, während jemand Klavier spielt." Eine allzu abstrakte Beschreibungsebene? Und was das Klavier hier zu suchen hat? Keine Bange - schon der Opener "Wishbone (Wish wish wish)" hilft eindrucksvoll weiter. Mit einem spitzfingrigen Riff, zu dem Liam Creamers ständig vornüber kippende Stimme so lange Schwung holt, bis der Song zum verschwenderischen Pop-Monster anschwillt, mit Geklimper und Stakkato-Drums in einen Farbenrausch explodiert und sich wenig später von vorwitzigem Gitarrengequietsche zusätzlich anstacheln lässt.

Nicht die einzige Hymne auf "((O))", bei der man viel rennen muss - auch wenn das Tempo für das brodelnde "My blood" etwas gedrosselt wird und Creamer beleidigt "I find it so frustrating / Watching the celebrations" nölt. Schon klar: Die fünf feiern am liebsten selbst und lassen sich dabei liebend gern mit Luftballons, albernen Masken oder beim Wattwürmer-Wettessen ablichten. Oder waren es doch Spaghetti? Jedenfalls beste Bedingungen für einen psychedelischen Kindergeburtstag, auf dem die kleinen Racker so lange übermütig mit bunten Plastiktellern auf dem Tisch herumdengeln, bis der Smartie-besetzte Prasselkuchen überall außer in ihren Bäuchen gelandet ist. Nebenan interpretieren derweil ein paar Indie-Stargäste ein Medley ihrer Ringelreihen-erprobten Erfolge. Und jetzt alle: "You! Me! Dancing!"

Da ist es nur eine Frage der Zeit, bis die "Neighbourhood" sich nichts sehnlicher wünscht als "power out". Und Hey Sholay gucken auch schon ganz schuldbewusst unter ihren spitzen Hütchen hervor: "I apologize with a heartfelt shrug." Dabei müssen sie sich für gar nichts entschuldigen. Erst recht nicht für die wunderbar orchestral zwitschernde Euphoriebombe "The bears the clocks the bees" oder den fantastischen Zappelphilipp "Burning", der nicht nur Haushaltsgeräte, sondern gleich das ganze Instrumentarium von Arcade Fires "Rebellion (Lies)" die Treppe herunterzuwerfen scheint. Und die Computertastatur fliegt vermutlich direkt hinterher. Immerhin: Jetzt weiß man auch, wo diese merkwürdigen Zeichenfolgen herkommen. Eigentlich ein Wunder, dass so wenig kaputtgegangen ist in einer Dreiviertelstunde, in der es so hoch hergeht. Und so hocherfreulich.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Wishbone (Wish wish wish)
  • The bears the clocks the bees
  • Burning

Tracklist

  1. Wishbone (Wish wish wish)
  2. My blood
  3. Go easy tiger
  4. The bears the clocks the bees
  5. Shut the devil at the backdoor / A day in the country, Berlin
  6. Burning
  7. Dreamboat
  8. Ol' St Nick
  9. Golden is the colour of the sun (Run rabbit)

Gesamtspielzeit: 44:30 min.