Cemeteries - The wilderness

Cemeteries- The wilderness

Lefse / Indigo
VÖ: 19.10.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Im Stadtwald

Gäbe es dauerhaft Toilettenpapier, Strom, Presswerke und Alkohol im Wald, wären die Städte um weitere Musiker ärmer. Für Künstler, die nicht gerade auf szenisches Treiben für ihr postkulturelles Arbeiten angewiesen sind, gehört die Stadtflucht ja fast schon zum guten Ton. Es sind Landeier, Naturburschen und Umweltumarmer oder schlicht Menschen, die eher in der Mystik und Ruhe der Tier- und Pflanzenwelt ihr Seelenheil finden - oder wenigstens suchen. Das Tablett, auf dem Kyle J. Reigle aus Buffalo seinen Beitrag dazu liefert, ist schon nicht mehr Silber, sondern Gold. Benannt nach dem stillsten und leblosesten Ort der Stadt, dem Friedhof, beschäftigt er sich auf "The wilderness" mit der Frage, was denn wäre, wenn das Leben zwischen Kojoten und Eulen das sicherere wäre.

Die Expedition bleibt allerdings suggestiv, gesteuert aus seinem Appartement, in dem Reigle für sechs Monate am Debüt werkelte und die Rolle des Waldschrat auszufüllen lernte: "The witch is calling your name." Seine Gedanken scheinen umherzugeistern, ziehen Silben und Töne um Stämme und durch Geäst wie wild rankender Efeu. Passend zu den nebulösen Delay-Schwaden im Antlers-artigem Song "In the trees" oder dem synthetischen Dröhnen, welches zweifelsohne auf deren "Undersea"-EP nicht untergegangen wäre. Reigle nennt seinen Sound zwar Gothic-Pop, allerdings bleibt glücklicherweise außer dem öminös-verschwommenem Gesamtbild von der Düsternis nicht mehr als ein Kajalstrich über.

Tracks wie "Brighter colors" könnten zu EBM und Dark-Wave abbiegen, machen es aber nicht. Sie bleiben auf der Dream-Pop-Route, auf mit shoegazendem Folk asphaltierten Straßen, in einer Gegend, die bedrückend, aber nicht bedrohlich wirkt. In "Young blood" fällt eine E-Gitarre betrunken in den Raum, in dem später Hammond-Sounds zelebrieren, der Titeltrack legt bei nährreich gezupftem Bass nahe, wie die Beach Boys einen The-Cure-Song interpretieren könnten, und in "What did you see?" hüpft das Keyboard die Tonleiter hinauf, um dem wunderbar loopleiernden Chromatics-Gerüst den Weg zur Heimeligkeit zu weisen. Und in "Leland" scheint Young Man mit der Rassel im Kompass einen Schritt aus dem Dickicht auf die Lichtung zu gelingen. Alles inszeniert von Reigle, dem guten Geist. Wäre noch irgendwo eine Hütte frei?

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Young blood
  • What did you see?
  • Brighter colors

Tracklist

  1. Young blood
  2. The wilderness
  3. What did you see?
  4. Summer smoke
  5. In the trees
  6. Roosting towns
  7. Leland
  8. Brighter colors
  9. A real gust of wind

Gesamtspielzeit: 42:21 min.

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