Sera Cahoone - Deer Creek Canyon

Sera Cahoone- Deer Creek Canyon

Sub Pop / Cargo
VÖ: 28.09.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Tiefes Waldrauschen

Sera Cahoone steht im Wald. Erstaunlich, wie sehr das Artwork manches Mal den Hörgenuss beeinflusst. Was macht diese Frau, dass ihre schlichten Americana-, Country-, und Saloon-Kompositionen - in dieser Form schon ungezählte Male gehört- eine derart magisch-atmosphärische Wirkung entfalten? Sieht Cahoone vor lauter Bäumen den Wald eigentlich noch? Nein, sie achtet vielmehr auf jedes Blatt.

Das Design des schicken Digi-Packs besteht aus Fotografien von alten, knarzigen Tannen-Stämmen, die sich majestätisch über einen wirr-üppigen, vor Moos und Efeu knisternden Boden erheben. Dieser ist rings umdunkelt von dichtem Gehölz, aus dessen schimmernden Mooswänden Feuchte und scharf gespitzte Halme dringen. Auf jener dicht durchflochtenen, triefenden Gemarkung thront Cahoone auf einem vermoderten Baumstumpf, benennt ihren Drittling zudem "Deer Creek Canyon" und spielt Americana, wie es sich Ryan Adams und Devendra Banhart kaum erträumen können. Das riecht nach Statement.

Die Drummerin, die schon für die Band Of Horses die Felle prügelte, spricht von einem persönlichen Album. "Deer Creek Canyon" wäre aus einem Heimweh-Impuls entstanden. Dies ist jedem Ton anzuhören. Schon der Trauerflor tragende Opener "Worry all your life" fesselt mit meditativer Introspektion und sachtem Gitarrenpicking, als wandere Cahoone mit blutender Seelenruhe wie ein blassspiegelndes Blatt zwischen uralten Wurzeln und fürchte, das tauige Moos im Fallen zu fest zu berühren. Jede Note purzelt mit der Seidigkeit von Blattborte über ihre Lippen und verweht. "Deer Creek Canyon" durchzieht mit jeder Zeile eine dicht blühende Melancholie - bis in den rebenschattigen Folk von "Oh my".

Das von Drums dominierte "Naked" klingt wie das vom Rauschen der Schaumperlen durchtränkte Gewand der Ophelia aus Shakespeares Hamlet, die "hinuntergezogen in den schlamm'gen Tod" ihr tragisches Ende fand. Dagegen trumpft "Nervous wreck" mit beschwingtem, warm hallenden Country auf, das allem Banjo-Gebrummel zum Trotz, lyrisch ein Nachtbaldachin aus unterschwelligem Sehnen präsentiert. Diese hinwelkende Sehnsucht formuliert das knisternde "One to blame" musikalisch schließlich aus. "Another dark december, the sky is moving fast / You might think that I'm too proud, but my heart it's breaking / And I'm the one to blame", singt Cahoone zart, wie der Flaum am staubigen Rand eines gebrechlichen Mottenflügels. "Rumpshaker" wirft sich mit Mundharmonika tief in das Unterholz von Nostalgie und Trennungsschmerz: "Then you turn around and say that I didn't give enough." Spätestens im Refrain, wenn die Sängerin mit ihrer Stimme das Granatrot der himmlischen Gesangssphären erreicht, jagt ein Nackenschauer den nächsten.

In "Shakin' hands" lustwandelt Cahoone wieder inmitten der Nebelblasen des Erdreichs und lässt mit dem Folgenden die purpurschattierten Lehmpfade von Americana und Country hinter sich und bleibt beim Singer-Songwriter-Folk, um die Schattentupfer ihrer Erinnerung zu besingen. Was nach dem Hören von Cahoones neuestem Streich zurückbleibt, ist der Wunsch, mit ihr den "Deer Creek Canyon", dieses zauberhafte Refugium, erneut zu durchwandern – und das immer wieder.

(Peter Somogyi)

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Highlights

  • Worry all your life
  • Naked
  • Nervous wreck
  • One to blame

Tracklist

  1. Worry all your life
  2. Deer Creek Canyon
  3. Naked
  4. Nervous wreck
  5. And still we move
  6. Every little word
  7. One to blame
  8. Rumpshaker
  9. Shakin' hands
  10. Anyway you like
  11. Here with me
  12. Oh my

Gesamtspielzeit: 39:50 min.

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