Pelzig - Drive your engine clean

Pelzig- Drive your engine clean

Payola / Kollaps / EFA
VÖ: 19.04.2002

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Fahrstunde

Mekka Weilheim: Spätestens seit "Neon golden" von The Notwist ist das bayrische Städtchen zum Pilgerort für Kulturjournalisten geworden. Natürlich entwickelt sich ein solcher Hype nicht über Nacht. Und schon lange bevor die Feuilleton-Schreiberlinge von Spiegel bis FAZ über ihren Deutschlandkarten brüteten, um aus den drei Dutzend deutschen Weilheims das richtige herauszupicken, wuchs und gedieh die lokale Musikszene, bis sie schließlich jenen kritischen Punkt erreichte, an dem sich Lokalpatriotismus in Globalisierung verwandelt.

Auch Pelzig sind integraler Bestandteil dieser Szene, obwohl sie nicht direkt aus Weilheim stammen. Durch ungezählte Nebenprojekte mit den anderen Bands am Ort verbunden und treue Nutzer des dortigen U-Phon-Studio, gehören sie allerdings nach Weilheim wie das Maß Bier und die Weißwurst. Zudem kommt durch René Arbeithuber und Rainer Schaller eine weitere Direktverbindung zur lebhaften Indie-Szene jenseits der baden-württembergischen Landesgrenze zustande. Schließlich spielen beide bei Slut.

Pelzigs Sound konzentriert sich auf jenes Element, das Notwist nach "12" verlassen haben: den Indie-Rock. Geradeheraus und trotzdem verwickelt, direkt aber hintersinnig, gitarrenlastig, aber durch Elektronik-Sprenkler aufgelockert. "Drive your engine clean" sucht gar nicht erst nach dem Ei des Kolumbus, sondern möchte einfach ein ehrliches Rockalbum sein. Statt elektronisch angehauchten Spielereien wie auf dem Vorgänger "Drive busy" fahren Pelzig nun in erster Linie cleane Drei-Minuten-Songs. Melodien, die sich festsetzen, ohne aufdringlich zu werden. Ob Rocker wie "Fastball" oder ruhigere Stücke wie das überragende "Cecilia's on the run": Pelzig mischen ihren Songs eine Prise des Weilheimer Zaubertranks bei, der sie mit einer hypnotischen Aura überzieht. Entkommen unmöglich. Kaum konzentriert man sich auf die Musik, wird man wie von einem Magneten angezogen, verliert sich in Gedanken und beginnt unweigerlich mit dem Kopf zu nicken. Homer Simpson hat jenes Kopfnicken einmal als "Ja sagen" zu den einzelnen Tönen interpretiert. So ist es.

(Thorsten Thiel)

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Highlights

  • Motor
  • Known places
  • Cecilia's on the run

Tracklist

  1. Speaker
  2. Fastball
  3. Team wavelab
  4. Mild shag
  5. Motor
  6. It's alright
  7. Got it wrong
  8. Nothing's gone
  9. Cecilia's on the run
  10. Box g
  11. Known places

Gesamtspielzeit: 41:37 min.

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