Slipknot - Antennas to hell

Slipknot- Antennas to hell

Roadrunner / Universal
VÖ: 20.07.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Alle auf einem

Der Schweiß tropft von der Decke. Die Jungs reißen sich ihre Shirts vom Leib. Auf der Bühne ein schräger Haufen von neun Menschen, die sich auf der kleinen Bühne konsequent im Weg stehen. Wir schreiben das Jahr 2000 in der Batschkapp in Frankfurt. Slipknot sind auf ihrer ersten Europatour, die bescheidenerweise schon "World domination tour" heißt. Zuvor schrieb der Metal Hammer von einer verrückten Truppe, die hinter Masken und mit drei Schlagzeugern im Gepäck bald zum Big Thing werden würden. Also hin da und plätten lassen. Man hätte gar nicht sagen können, dies sei originell. Eher war es eine Radikalisierung.

Nun, zwölf Jahre später, bekommt der Hörer erstmals eine Art Best of um die Ohren und auf die Augen - mit Videographie auf DVD, einer CD mit altbewährten Lieblingssongs und einer weiteren mit ebenso altbewährter Gesamtkonzert-Konserve. In der Zwischenzeit sind Slipknot zu einer der größten Metalbands des Planeten aufgestiegen – wie es der Metal Hammer befürchtete. Dazwischen nahm die Idiotie überhand und mancher Rentner ohne Internetanschluss meinte, Slipknot seien gefährlich, ließen Jugendliche zu Waffen greifen und diese auf Mitschüler und Lehrer richten. Selbst das Feuilleton musste darüber schreiben lernen. Der "Spiegel" sprach wunderbar entrückt vom "Ärgsten, was derzeit gerade noch legal" auf dem Musikmarkt zu kaufen sei. Endlich, die eigenen Eltern sind doch noch aus der Reserve zu locken. Der Untergang des Abendlandes, mal wieder.

Slipknot waren immer großartig darin, die adoleszenten Zerstörungsfantasien des New Metal zu Ende zu denken. Und tatsächlich funktioniert das auch 13 Jahre später noch, wie die Songs von "(Sic)" bis "Surfacing" vom Roadrunner-Debüt zeigen: Ihr dichter Sound tritt als das Gegenmodell zum Minimalismus der Debüts von Korn und Coal Chamber auf. Der Schlagzeugterror prügelt windelweich, natürlich. Und dem Pitbull Corey Taylor ging damals noch jede Beißhemmung ab. Wo Korn jammerten, kotzten Slipknot in den Anfängen Zeilen in der Tradition von Cannibal Corpse aus: "I wanna slit your throat and fuck the wound."

Vom Selbstmitleid, der dominantesten Emotion im New Metal, war bei Slipknot selten die Rede. Destruktion statt Depression. Und "Antennas to hell" zeigt auch, warum Slipknot bei all den Marketinggags einige der besten Songs des Genres geschrieben haben. Natürlich hat Maskierung einerseits und Innerstes nach außen andererseits selten recht funktioniert. Aber sie bieten Narrenfreiheit. Die Art und Weise, wie "Duality" rythmische Präzision mit dem großen Stadionrefrain verschraubt, zeugt exemplarisch davon, wie ernst man Slipknot als Songwriter nehmen muss. Und von diesem Breakdown träumen hunderte von Metalcorekapellen seit Jahren schlecht.

Irgendwann ist natürlich auch die jugendliche Kraftmeierei nicht mehr rund um die Uhr durchzuhalten. "Dead memories" und vor allem das fast schon scheue "Snuff" gehen als durchaus effektive Halbballaden durch, wenngleich sie auch recht deutlich in Richtung Alternative Rock schielen und die Trennschärfe zum Nebenprojekt Stone Sour verloren geht. Das groovende "Before I forget", das gar Helmet gut zu Gesicht stünde, und das zwischen Epik und Knochenmühle changierende "Purity" rechtfertigen allerdings jede breite Brust. "World domination", "Antennas to hell", darunter machen Slipknot es nicht (mehr): "Fuck me, I'm all out of enemies." Wie machen die das nur, ohne Spur von Ironie?

(Nicklas Baschek)

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Highlights

  • (Sic)
  • Purity
  • Duality
  • Before I forget
  • Vermilion
  • Sulfur

Tracklist

  • CD 1
    1. (Sic)
    2. Eyeless
    3. Wait and bleed
    4. Spit it out
    5. Surfacing
    6. People = Shit
    7. Disasterpiece
    8. Left behind
    9. My plague (New abuse mix)
    10. The heretic anthem (live)
    11. Purity (live)
    12. Pulse of the maggots
    13. Duality
    14. Before I forget
    15. Vermilion
    16. Sulfur
    17. Psychosocial
    18. Dead memories
    19. Snuff
  • CD 2
    1. (Sic)
    2. Eyeless
    3. Wait and bleed
    4. Get this
    5. Before I forget
    6. Sulfur
    7. The blister exists
    8. Dead memories
    9. Left behind
    10. Disasterpiece
    11. Vermilion
    12. Everything ends
    13. Psychosocial
    14. Duality
    15. People = shit
    16. Surfacing
    17. Spit it out
  • DVD 1
    1. Spit it out
    2. Surfacing
    3. Wait and bleed
    4. Wait and bleed (animated)
    5. Scissors
    6. Left behind
    7. My plague
    8. People = Shit (live)
    9. The heretic anthem (live)
    10. Duality
    11. Vermilion
    12. Before I forget
    13. The nameless (live)
    14. The blister exists
    15. Psychosocial
    16. Dead memories
    17. Sulfur
    18. Snuff
    19. Psychosocial (live)

Gesamtspielzeit: 156:23 min.

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