Rival Sons - Head down

Rival Sons- Head down

Earache / Soulfood
VÖ: 14.09.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Jäger und Sammler

Das waren noch Zeiten! Hinter jeder Ecke ein Abenteuer, ständig was Neues zu entdecken. Ein Leben voller Risiko, aber auch geheimnisvoll und spannend. Und Männer? Männer konnten noch echte Kerle sein. War ja auch nicht einfach, so ein Mammut zu erlegen. Für die nächste Mahlzeit? Nein, im Dienste der Musik natürlich auch! Damals, als die Töne gerade laufen lernten, wurden die ersten Musikinstrumente nämlich unter anderem aus Mammut-Elfenbein hergestellt. Ob die wilden Kerle nach getaner Arbeit ihre so gefertigten Flöten einpackten und als Band durch die Horden tingelten, ist indes nicht überliefert. Na okay, ganz so weit katapultieren einen die Rival Sons dann doch nicht in die Musikgeschichte zurück. Aber das Rückwärtsgewandte ist eindeutig das Ding der Viererbande aus Los Angeles. "Head down" jedenfalls versetzt den Hörer um ein halbes Methusalem-Leben in eine Zeit zurück, in der heutige Exponate wie Led Zeppelin gerade der heißeste Scheiß waren.

Doch obgleich sie einer dezidiert anachronistischen Ausdrucksform frönen, scheinen die Rival Sons im Eiltempo unterwegs zu sein. Das letzte Album "Pressure & time" wurde schließlich erst 2011 veröffentlicht, und das Neue reifte in gerade mal 20 Tagen heran. Das erstaunt allerdings höchstens vorab, denn "Head down" erweist sich als lockere Fingerübung in puncto Classic Rock; so puristisch und selbstverständlich, dass der geneigte Hörer anfangs Gefahr laufen könnte, das Teil zu unterschätzen. Die Eilsendung rutscht zunächst im meist gleichbleibend gedrosselten Tempo spurlos durch die Windungen. Die Impulskontrolle vermeldet keine besonderen Vorkommnisse, doch im Hintergrund bindet sich bereits die Endlosschleife. Im Opener "Keep on swinging" fluten knatternde Riffs und Jay Buchanans leicht anrüchige Stimme den Raum mit reaktionärem Rock in Reinkultur. "Wild animal" rumpelt sich zielstrebig durch gekonnt platzierte Hooklines, und "You want to" ist die vielleicht exzessivste Renaissance, die die Band bisher aufleben ließ. Wer bis dato den Blues als natürlich unverzichtbaren Bestandteil eines solchen Revivals vermisst hat, bekommt ihn spätestens mit "Run from revelation" und der fast nahtlos anknüpfenden Ballade "Jordan" leidenschaftlich in die Ohren geblasen. Mit ansteckender Coolness täuschen die Rival Sons erfolgreich Authentizität vor, wenn wie bei "Three fingers" staubbeschichtete Drums den unverwechselbaren Sound damaliger Zeiten ins Jetzt transportieren.

So richtig die alte Sau rauslassen kann die Rhythmusabteilung aber erst im zweiteiligen "Manifest destiny". In dieser Vergangenheitserneuerung der epischsten Art giert vorneweg Scott Holidays Gitarre nach einem Gefühl zügelloser Freiheit, wie es höchstens archaische Stammesbrüder nach erfolgreicher Jagd erlebten. Nun haben die rivalisierenden Söhne mit "Head down" im übertragenen Sinne zwar kein Mammut erlegt, doch dieser in sich zeitlose Archetyp des Retro-Rock ist ebenfalls groß, breitbeinig und sättigend.

(André Schuder)

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Highlights

  • Wild animal
  • You want to
  • Manifest destiny pt. 1

Tracklist

  1. Keep on swinging
  2. Wild animal
  3. You want to
  4. Until the sun comes
  5. Run from revelation
  6. Jordan
  7. All the way
  8. The heist
  9. Three fingers
  10. Nava
  11. Manifest destiny pt. 1
  12. Manifest destiny pt. 2
  13. True

Gesamtspielzeit: 56:25 min.

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