Guns Of Brixton - Inlandsis

Guns Of Brixton- Inlandsis

Aentitainment / New Music
VÖ: 28.09.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Die Wellenbrecher

Drei Platten und sieben Jahre brauchte es, bis sich Guns Of Brixton auf "Inlandsis" wirklich einlassen konnten. Drei Platten und sieben Jahre lang verabschiedeten sie sich nach und nach vom Dub, von typisch französischem Surf-Dude-Punk-Reggae sowie von jedes Kopfschütteln werten Titeln wie "Dub's not dead", "The shape of dub to come" oder "Near dub experience". Da fragt man sich unweigerlich, was die vier Franzosen letztlich von ihrem Wahn befreit hat? War es dann doch die ein oder andere hohle Shaka-Geste zu viel? Oder hat ihnen eine Sondereinheit der Gendarmerie Nationale ihre rosaroten Plantagen niedergebrannt, weshalb - einmal trockengelegt - die Welt, der Strand und all die Freiheit dann doch eher wie das MRT vom letzten Schienbeinbruch aussahen.

Mutmaßlich, denn auf "Inlandsis" heilt eine riesige Portion Noise- und Postrock all die früheren Fragezeichen. Die Songverläufe nehmen sich Zeit, die Gitarren haben jetzt eine Menge Delay an Bord, ziehen aber auch die klassischen Geräuschwände mit Enthusiasmus und Entschlossenheit auf. Die Produktion ist ungemein dicht und schwer, in Teilen beinahe klaustrophobisch komprimiert. Und auch den Dub haben sich Guns Of Brixton weniger ausgetrieben, als vielmehr komplett in einen drückenden, bestimmten Groove aufgelöst, der an die neuseeländischen Kraftmeier von Kerretta oder Chicagos Del Rey denken lässt.

In der Folge ist "Inlandsis" eine einzige massive Geste in Instrumentalrock. Selbst wenn "Il ne restera que des silhouettes" und "Alger" Krümelmonster auf Urschrei-Exkursion schicken, bleibt doch der musikalische Ausdruck im Vordergrund. Die Bassläufe rollen unglaublich rund, unterstützen aber auch die melodische Arbeit durch allerlei bündig herausgeslidete Betonungen. Die wenigen Akkordfolgen, die noch eine gewisse Punkrock-Anmutung in sich tragen, werden stets durch einen schleppenden Beat oder bauchige Tom-Wirbel ausgekontert. "Porte close" und "Tephrás" sind Midtempo-Riff-Monster, die es gar mit Mogwais "Glasgow mega-snake" aufnehmen. Und für all die Melancholie, die natürlich ebenfalls mit zum Zungenschlag gehören muss, ist auf der knappen Stunde von "Inlandsis" ebenfalls Raum genug.

Am erstaunlichsten ist aber nach wie vor die Konsistenz, die Guns of Brixtons viertes Album auszeichnet. Nicht nur in Anbetracht ihrer zurückliegenden Diskografie, sondern auch in all seiner Energie und Beherztheit erscheint "Inlandsis" wie ein Debüt - gespielt von Musikern, die schon einiges hinter sich haben und deshalb all ihre approbierten Mittel in einen euphorisierenden Soundwall hinein explodieren lassen. Man möchte ihnen zum Dank ein hocherfreutes "Hang loose" entgegenschleudern - wenn man nicht Angst hätte, dass sie die falschen Schlüsse daraus ziehen könnten.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Hibakusha
  • Tephrás
  • Porte close
  • Alger

Tracklist

  1. Hibakusha
  2. Du bist mir vollkommen egal
  3. Il ne restera que des silhouettes
  4. Tephrás
  5. Retour du Japon
  6. Porte close
  7. 1104
  8. Alger
  9. Terraform

Gesamtspielzeit: 57:14 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
jmnd
2012-11-05 09:11:46 Uhr
doch, ganz bestimmt!
The MACHINA of God
2012-11-04 18:29:42 Uhr
Nö? Niemand?
The MACHINA of God
2012-10-12 16:22:54 Uhr
Das ist ja mal eine Kehrtwende, die die Franzosen da hingelegt haben.
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