Eagle-Eye Cherry - Can't get enough

Eagle-Eye Cherry- Can't get enough

Vertigo Berlin / Universal
VÖ: 05.10.2012

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Inszenierte Gefühle

Allzu ausgeprägt ist das allgemeine Bedürfnis nach neuen Lebenszeichen des "Save tonight"-Typens wahrscheinlich nicht. Zum einen erfreut sich eben jener legitime Gassenhauer der späten 90er nach wie vor angemessener Aufmerksamkeit. Zum anderen dürfte ohnehin kaum jemand bemerkt haben, dass von Eagle-Eye Cherry seit fast zehn Jahren nichts Neues mehr zu hören war. Abseits des genannten Erfolgssongs hat man allerdings noch nie besonders viel Notiz von ihm genommen. Nicht von ungefähr wurden seine um und kurz nach der Jahrtausendwende erfolgten Versuche, sich als feste Größe zu etablieren, von den meisten Kritikern als gescheitert eingestuft. Cherry musste sich zu jenen Versehrten gesellen, die von der bitteren Logik des One-Hit-Wonders im Falle verfrühter Popularität zu musikmikroskopischem Format zwangskomprimiert werden.

Offenbar ist der Schwede, der - viele glauben es nicht - übrigens wirklich so heißt, wie er heißt, jedoch uneinsichtig oder masochistisch genug, um diese Logik außer Kraft setzen zu wollen. Und so kann er trotz kolportierten Beinahe-Burnouts einfach nicht genug Prügel für seinen schematischen Schmuserock beziehen. Der beginnt auf seinem inzwischen vierten Album allerdings weniger harmlos als erwartet. "Go simmer down" entpuppt sich trotz frappierender "Kommt mir irgendwie bekannt vor"-Skepsis als süffiger Rocksong, der hoffen lässt, dass sich Cherry in all den Jahren dickere Eier wachsen ließ. Leider schrumpeln die bereits im anschließenden "Your hero" auf Erbsengröße zusammen. Da ist es wieder, dieses überdehnte Nichts, zu dem manche in der Midlife-Crisis verwelkende Muttis noch von der großen Liebe träumen könnten.

Ab jetzt exerziert Cherry alle emotionalen Extremzustände zwischen Leiden und Lieben in einer gekünstelten Selbstverständlichkeit durch, die einen in ihrer konsequenten Abgedroschenheit zuweilen sprachlos macht. Er entblödet sich nicht, eine Reihe lyrischer Lächerlichkeit wie beispielsweise in dem ansonsten recht gefällig geratenen "One in a million" zu verbreiten. Alter Schwede! Cherry scheint irgendwo in den 90ern steckengeblieben zu sein oder in einem finsteren Paralleluniversum der inszenierte Gefühle. Sicher, wirklich viel hat sich im Vergleich zu heute nicht geändert. Vielleicht ist auch alles noch schlimmer geworden. Aber derart bizarre Belanglosigkeiten erlauben sich heute nur noch wenige. Schon gar nicht auf Albumlänge.

Immerhin muss man Cherry zugestehen, dass er mit "Can't get enough" rein musikalisch zwar bis an die Grenze der Genießbarkeit durchschnittlicher Darbietungen geht, aber nicht darüber hinaus. Daher ist niemand davor gefeit, vor allem bei "Something" kurzzeitig verträumt aus dem Fernster zu schauen oder im Verlauf trostloser Sonntagabendromantik gleich die gesamte Platte aufzulegen. Dann aber bitte mit "Save tonight" als Abschluss, um der bis dato eher durchschnittlichen Dramaturgie des Abends doch noch zu einem Höhepunkt zu verhelfen.

(André Schuder)

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Highlights

  • Go simmer down

Tracklist

  1. Go simmer down
  2. Your hero
  3. Walk away
  4. Can't get enough
  5. Alone
  6. The itch
  7. Feel this way
  8. One in a million
  9. Picture me
  10. Living the life
  11. Free
  12. Something

Gesamtspielzeit: 42:54 min.

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