Why? - Mumps, etc.

Why?- Mumps, etc.

Anticon / Universal
VÖ: 05.10.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Yoni-Massage

Eine neue Platte von Why? heißt für eine ganze Reihe von Kritikern, dass sie der Welt endlich wieder guten, weißen HipHop erklären können. Wäre ja auch traurig, wenn die Indie-Schnösel dieser Tage nicht die Chance hätten, sich zum Horst zu machen. Denn Why? beginnen ihr fünftes Album mit dicken Eiern! Geschwollene monströse Dinger! Allerdings hat das bei Yoni Wolf weniger mit Samenstau zu tun als mit dem namensgebenden Ziegenpeter - Mumps ist gemeinhin so sexy wie Nicki Minaj. Doch trotzdem eine gute Erfahrung, aus der sich was mitnehmen lässt. Why? greifen das oft und gerne und genau auf. Gejammert wird deswegen allerdings nicht, eher lässt sich an der Krankenakte die gesamte menschliche Existenz nachzeichnen mit allen Emotionen, allen Geschichten.

Schon "Sod in the seed" ließ ja schwarzes Blut ins Klo laufen, doch es sind weniger nur körperliche Gebrechen, die auf "Mumps, etc." zur Sprache kommen. Wenn die Seele aus dem Gleichgewicht gerät, kommt auch der Körper aus dem Tritt. Und auch der Schatten, den Yoni in die Welt wirft, nimmt Einfluss auf die Umwelt, wenn das Gras aufhört zu wachsen. Alles hängt mit allem zusammen in einem undurchsichtigen Kreislauf, aber dass Why? gerne verwinkelt vorgehen, sollte mittlerweile bekannt sein. Doch trotzdem schafft Yoni es, dass mehrere Zeilen hängen bleiben. "Mumps, etc." philosophiert, aber belehrt nicht, Yoni denkt, aber fühlt auch. "I make decent cash / I'm a minor star." Und das Augenzwinkern kommt ebenfalls im passenden Rahmen - Ironie nicht um ihrer selbst Willen. Dem setzen Why? entspannte Sounds gegenüber, leichte Bläser und Streicher, hier und da ein Piano. Auf Loops und Samples haben die Herren komplett verzichtet. Was wieder dafür sorgt, dass sich diese Platte eigentlich eher wie Indie-Pop mit Sprechgesang anfühlt.

Denn es folkt nur noch in wenigen Momenten, aber Puristen werden das Why? sicher gerne weiterhin attestieren, um ihr eingeschlafenes Genre mit wenigstens einem tauglichen Album in diesem Jahr schmücken zu können. "One man's filth is another man's truth." Vielleicht fehlen auf "Mumps, etc." die wirklich großen Melodien. Aber wer braucht die schon bei den kleinen intelligenten Geschichten von Yoni? Erwartungen als Kinderkrankheiten, denn Why? brauchen da keine pompösen Augenblicke. Es gibt keine Fanfaren, keine überlaufenden Orchester-Gräben, obwohl das bei den sechswöchigen Aufnahmen mit der University Of North Texas Musicschool durchaus drin gewesen wäre. Stattdessen bleibt der Chor überschaubar, und auch die Streicher dürfen nur als Quartett ran. So bleiben die Songstrukturen über den Arrangements, und so erst ergibt sich bei Yoni Wolf & Co. der Fluss, der die Hirnrinde zärtlich durchknetet. Why? geben dem schlüpfrigen Begriff der "Yoni-Massage" eine neue Bedeutung. Tut gut.

(Björn Bischoff)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Waterlines
  • Sod in the seed
  • Paper hearts

Tracklist

  1. Jonathan's hope
  2. Strawberries
  3. Waterlines
  4. Thirteen on high
  5. White english
  6. Danny
  7. Sod in the seed
  8. Distance
  9. Thirst
  10. Kevin's cancer
  11. Bitter thoughts
  12. Paper hearts
  13. As a card

Gesamtspielzeit: 38:51 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
@SD 28.09.2012 - 00:32 Uhr
2012-10-13 17:03:14 Uhr
Meinst du B. Bischoff?
SD
2012-10-13 16:52:22 Uhr
Wieder so ein "Witz" von den selbsternannten Musikgurus. Pitchfork wird leider viel zu ernst genommen.
koe
2012-10-13 04:15:58 Uhr
2.9 bei Pitchfork.
Hart unterbewertet.
SD
2012-09-28 00:32:14 Uhr
Also diese "Indie-Weißbrote haben keine Ahnung von Hip Hop, aber ich bin der Bro' mit Durchblick"-Nummer in Rezensionen geht mir mittlerweile echt auf die Eier, die dort übrigens genauso wenig zu suchen haben. Vor allem dann, wenn völlig ohne Sinn und Verstand die dicken Eier des Rezensenten noch irgendwie in den Text mit hinein projiziert werden müssen.

Ansonsten geh ich mit der Kritik aber einigermaßen d'accord.
SD
2012-09-24 11:07:48 Uhr
Hab den Fehler nur eingebaut, damit hier überhaupt einer reinschreibt, äh...
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Anhören bei Spotify