Thee Attacks - Dirty sheets

Thee Attacks- Dirty sheets

Crunchy Frog / Soulfood
VÖ: 21.09.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Nachhaltige Wutzereien

Spacelord mother mother, was für ein Cover! Da wird ein zum männlichen Genital umfunktioniertes Shure-Mikro vor dem schwarzen Spitzenslip einer gut rasierten Dame gehalten, das fast wie ein Neugeborenes machtlos gegen die Gewalt der Schwerkraft ankämpft und den Betrachter fixiert. Latenter Sexismus oder Kastrationsdrohung? Fest steht, dass die abtörnende Trashhaftigkeit der Bildlichkeit mehr sexuelle Verlegenheit produziert, als selbst die Turbojugend ertragen kann. Immerhin: Was Turbonegro mit "Scandinavian leather" versprachen, aber nicht einlösten, wird hier von vier jungen Dänen im Wortsinn nachgereicht, wobei der Schweiß förmlich aus dem Hosenlatz tropft. Dabei tragen die Herren Attack nicht mal Leder.

Wenn Rückschlüsse vom Kunsterzeugnis auf den Künstler legitim sind, dann müssen Thee Attacks vier Typen sein, die wie viagrabetankte Denim-Bomber daherkommen, das Testosteron unverdünnt abexen und dabei noch doppelt Nachschlag verlangen. Jedenfalls ist diese Verknüpfung nach dem Genuss von "Dirty sheets" plausibel. Irgendwo an der Schnittstelle von The Stooges, den Ramones, den Hives, Jon Spencers Blues Explosion, den frühen White Stripes und Eagles Of Death Metal wüten Thee Attacks erstaunlich qualitativen selbstgebrannten Hormon-Retro-Rock direkt aus der heimischen Garage.

Wo das Cover Schlimmes erwarten lässt und die Pseudonyme der Bandmitglieder – von Ritchie bis Johnny Attack – auf peinliche Infantilismen à la The Fires quasi vorbereiten, spucken die elf Kompositionen frisch gezapftes Starkbier in die Voreingenommenheits-Suppe. "Stab" eröffnet einen Coolheits-Reigen, der locker als ungeschriebene Single auf Spencers "Acme" Platz gefunden hätte. "Take take take" versucht, den Hives-Backkatalog zu komplettieren, während "Rock bottom" wie ein Jack-White-auf-Marihuana-Track die Coolness nach vorne schmettert. "I see through you" klingt in etwa, wie sich das Mikro auf dem Cover fühlen muss, während "Where did all the love go" Black Rebel Motorcycle Club zeigt, wie es nach "Take them on, on your own" hätte weitergehen müssen. "Gun in my hand" landet wieder bei der Blues Explosion und pimpt deren Altlast etwas auf.

Thematisch geht es Thee Attacks fast nur um das Eine. Dieses findet allerdings in einem verdreckten Retro-Garagen-Rock'n'Roll auch gleich das passende Vehikel, um geschmeidig mit aus dem Autofenster lässig herausgehängten Ellbogen durch die Szene zu cruisen. Die Attitüde der Dänen - Sixties- und Seventies-Geilheit, bei der es dauerhaft um verschwitzten Sex und One-Night-Stands geht - ist nicht neu und muss schon gar nicht gut gefunden werden. Aber wie sagten Ganz Schön Feist einmal: "Wen interessieren schon innere Werte, wenn die Verpackung so dermaßen stimmt?"

(Peter Somogyi)

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Highlights

  • Stab
  • Rock bottom
  • Stop saying no
  • I see through you

Tracklist

  1. Stab
  2. Take take take
  3. Rock bottom
  4. So cold
  5. Stop saying no
  6. A little success
  7. I see through you
  8. Watch your game
  9. You're it
  10. Where did all the love go
  11. Gun in my hand

Gesamtspielzeit: 30:24 min.

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