No Doubt - Push and shove

No Doubt- Push and shove

Interscope / Universal
VÖ: 21.09.2012

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Nichts für untot

Momentan stehen viele von ihnen wieder auf. Scharenweise Untote bevölkern die Medienlandschaft wie Unkraut, ob bissfest oder schlicht verwesend. Die Welt ist dabei eine verkehrte: Vampire nutzen Deo, was Zombies nötiger hätten, und Zombies sind eindeutig die glaubwürdigeren Leichen, was Vampire bei aller Intelligenz als Authentizitätsmerkmal gebraucht hätten. Die Welt war aber schon immer verkehrt. Also keine Sorge: Es sind keine weiteren Monstren wiederauferstanden, sondern lediglich No Doubt.

Wo das fulminante "Tragic kingdom" 1995 eine glorreiche Laufbahn ankündigte, folgte mit "Return of Saturn" erst einmal die Talfahrt. Elf Jahre sind zudem vergangen seit dem arg mediokren "Rock steady". In diesen elf Jahren hat es Stephenie Meyer geschafft, die Medienwelt um einen zahnlosen Vampir reicher zu machen, der nicht nur Kinder zeugen kann, sondern gleich den ganzen Cullen-Familienbetrieb in den wohlverdienten Ruhestand versetzt. Genau in diesem hätte Gwen Stefani nach ihrer Familiengründung mit Bush-Frontmann Gavin Rossdale ebenfalls verbleiben sollen. Doch weit gefehlt: Auf die doppelgrammy-schwere Solokarriere folgt bei Mrs. Rossdale, wie bei ihrem erfolglosen Liebsten, eine Reanimation ihrer (un)toten Band, auf die besser verzichtet worden wäre.

Dabei fängt "Push and shove" gar nicht schlecht an. Die erste Single "Settle down" verbreitet mit orientalischem Flair im Disney-Chic und dezenten Ska-Patterns gute Laune, wenn auch eine gewisse Zahnlosigkeit unverkennbar ist. Der jähe Absturz beginnt jedoch direkt mit dem folgenden "Looking hot". Was der Song vielleicht an subversiver Kritik aufzuweisen hätte, wird mit einem unendlich charakterlosen Porno-Refrain und Stefanis peinlichem Gefiepe im Zwischenteil wieder zu Grabe getragen, und das klingt mehr nach Timbaland, als es selbst Timbaland vertragen würde. Bei der Disco-Giftspritze "Push and shove" mit den Gästen Busy Signal und Major Lazer läuft das Fass dann endgültig über, und man muss unweigerlich an die schlüpfrigsten Schlüpfer-Hits aus den deutschen Aufklärungsfilmen der Mittsiebziger denken.

Aus diesen unterirdischen Tiefen müht sich "Easy" noch einmal zu einem relativen Aufschwung, bevor bei "Gravity" endgültig die Regionen des Fremdschämens erreicht sind: So muss es sich anhören, wenn die Wildecker Herzbuben erstmals die Möglichkeiten der modernen Studiotechnik entdecken, ihre philosophischen Texte ins Englische übersetzen und das Ganze mit Beats unterlegen. Bedauerlicherweise klingt "Push and shove" beinahe zur Gänze so. "Undercover" steckt im Sumpf egomanischer Belanglosigkeit fest, und "Undone" entgeistert als schwer erträgliche Schmonzette im Stile von Rossdales "Wanderlust", bevor es wieder in Richtung Alpenschlager geht.

"Sparkle" kriecht mit Hilfe von Reggae-Elementen immerhin wieder ein paar Erdschichten höher, doch der schwülstige Bad-Taste-Schlager "Heaven" reißt No Doubt bald erneut in die Kanalisation. Und so endet diese traurige, als Wiederauferstehung gefeierte Beerdigung mit dem bitteren "Dreaming the same dream", bei dem man Stefani kaum mehr von Stefanie Hertel zu unterscheiden vermag - immerhin auf die Trompete von Stefan Mross wartet man vergeblich. Egal, was dieser Longplayer darstellen will in unserer verkehrten Welt: Schön ist das nicht. Die Sargnägel sitzen einfach zu tief, als dass No Doubt noch einmal aus der Grube hervorkriechen würden.

(Peter Somogyi)

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Highlights

  • Settle down
  • Easy

Tracklist

  1. Settle down
  2. Looking hot
  3. One more summer
  4. Push and shove
  5. Easy
  6. Gravity
  7. Undercover
  8. Undone
  9. Sparkle
  10. Heaven
  11. Dreaming the same dream

Gesamtspielzeit: 50:32 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Demon Cleaner
2012-10-01 11:36:55 Uhr
Finde das Album - wie das letzte - nicht so schlimm, dass man 3/10 vergeben müsste. Auch wenn es stimmt, dass hier schon viel Schlagerrhythmus verwendet wird.
Was mich hier stört ist die Songlänge, viele werden ewig breitgetreten anstatt kurz und knackig zu sein. Durchschnittlich 4,5 Minuten sind eine Hausnummer zu groß.
nörtz
2012-09-28 14:27:08 Uhr
Die braucht heutzutage kein Mensch mehr.
Castorp
2012-09-28 14:25:10 Uhr
Auf einer Stufe mit den schlechten, neuen Platten von P!nk und Nelly Furtado...
Shnobble
2012-07-23 22:47:55 Uhr
Wieso soll es immer ironisch gemeint sein, wenn hier jemand zu seiner Meinung steht und Ahnung von Musik hat?
Das ist mir in diesem Forum schon öfter begegnet. Gerade in Bezug auf die großartige Crossover-Band Crazy Town. Seid mal nicht so spießig, ihr Nerds.
@Shnobble
2012-07-23 22:13:43 Uhr
Ich hoffe, das war ironisch gemeint... oder bin ich jetzt der dumme Arsch?
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