Sic Alps - Sic Alps

Sic Alps- Sic Alps

Drag City / Rough Trade
VÖ: 14.09.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

In die Zeit gefallen

San Francisco ist eine schöne Stadt. Sieht man ja immer in Kinofilmen und im Fernsehen. Die Straßen gehen auf und ab, überall bimmelt ständig ein Cable Car, weil die Dinger dort offensichtlich das am häufigsten genutzte Verkehrsmittel sind. In den Sechzigern lebten dort nur Hippies und Hippie-Hasser, und eine Straße voller Homosexueller gibt es auch. Die Menschen laufen alle mit Blumen in den Haaren herum, weil das früher einmal ein Präsident verordnet hat - oder ein Musiker empfohlen. Außerdem kann man von jedem x-beliebigen Punkt der Stadt aus entweder die Golden Gate Bridge oder Alcatraz sehen. Ist klar. Und wenn wir schon bei Klischees sind: In jeder Straße in San Francisco gibt es mindestens eine Garage, aus der abends schrammelig-rotzige Musik ertönt, die von langhaarigen Ringelshirtträgern gespielt wird. Wie zum Beispiel von Sic Alps.

Jetzt werden die meisten wahrscheinlich keine Ahnung haben, wer das nun wieder sein soll. Und überhaupt: Welchen gemeinen Musikhörer interessiert schon eine wurstegale Band aus San Francisco? Bald hoffentlich eine ganze Menge. Denn Sic Alps, zu deren früheren Kollaborateuren auch der selbst ziemlich schrammelige Ty Segall gehört, legen mit ihrem selbstbetitelten fünften Album das erste vor, das bei einem richtigen Label erscheint. Aus der Garage ins Studio quasi. Die Nebengeräusche und Macken sind aus den Songs verschwunden, der sonst so schrammelige Rock weicht einem psychedelischen Trip, der nach einer Mischung aus den experimentelleren Beatles, The Velvet Underground, Times New Viking und Ty Segall mit seinen anderen Buddies White Fence klingt. So weit, so gut. Hört man sich das Ergebnis dann an, wird man das Gefühl nicht los, dass hier eine Band nicht etwa versucht, nach den Sechzigern zu klingen, sondern aus genau dieser Zeit stammt.

Die Beatles sind auch ein gutes Stichwort, wenn man den Opener "Glyphs" betrachtet: düster, mit schweren E-Gitarren, mit den Sixties im Blut, und dank der "Periscope"-Erwähnung gleich zu Anfang mit der perfekten Verbindung zu den Pilzköpfen in ihrer "Yellow submarine"-Zeit. Es wäre kaum verwunderlich, wenn plötzlich Paul McCartney in die Runde brüllen würde, da dingeldangelt sich schon das weitaus poppigere "God bless her, I miss her" über den Strand, die Badehose gerade noch über dem Hintern, die Sonne im Gesicht. Von einem ähnlichen Kaliber ist das extrem sympathische "Moviehead", und das stark nach bewusstseinserweiternden Substanzen klingenden "Wake up, it's over II" verstärkt diese Oldie-but-Goldie-Ästhetik noch. Mit dem melancholischen "Rock races" und dem herzzerreißenden Rausschmeißer "See you on the slopes" inklusive Piano gibt es die beiden stärksten Songs des Albums am Schluss als Zugabe, bevor das Garagentor sich wieder schließt. Hoffen wir, dass ihre Zeitmaschine sie bald wieder hierher befördert.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • God bless her, I miss her
  • Moviehead
  • Rock races
  • See you on the slopes

Tracklist

  1. Glyphs
  2. God bless her, I miss her
  3. Lazee son
  4. Polka vat
  5. Wake up, it's over II
  6. Drink up!
  7. Thylacine man
  8. Moviehead
  9. Rock races
  10. See you on the slopes

Gesamtspielzeit: 33:14 min.

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