Pet Shop Boys - Elysium

Pet Shop Boys- Elysium

Parlophone / EMI
VÖ: 07.09.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Im Reich der Gewinne

Fast ewig währt am längsten: Pet Shop Boys sind inzwischen rund 30 Jahre im Geschäft. Da haben sie sich in der Tat ein Plätzchen im "Elysium" verdient, einer Art ewiger Jagdgründe der griechischen Mythologie. Neil Tennant und Chris Lowe schreiben nämlich nicht nur von jeher zeitlos allgemeingültige elektronische Popsongs, sondern auch Zeilen für die Ewigkeit. "I don't know what you want but I can't give it any more" - Nihilismus für Agnostiker. "The Queen said: I'm aghast / Love never seems to last" - Stiff Upper Lip zum Hören. Oder einfach: "I'm an artist, honey / You gonna get me a drink?" - Hedonismus statt Blumenspenden. Momentan geht Tennant aber lediglich auf die 60 zu - was elysische Gefilde angeht, bleibt es zunächst also beim elften Studioalbum.

Dass sie aber beide nicht mehr die Jüngsten sind, merken Tennant und Lowe spätestens, wenn sie wie bestellt und nicht abgeholt auf einer Party herumstehen, sich "Invisible" fühlen und womöglich auch wie Luft behandelt werden. Oder wenn lästige Zeitgenossen sie mit den Worten "I still quite like some of your early stuff" und ihrer Achtziger-Popularität langweilen, obwohl "West end girls" bei den Feierlichkeiten anlässlich der Londoner Spiele natürlich nicht fehlen durfte. Und während George Michael nach Ansicht vieler den sportlichen Gedanken durch die Premiere eines neuen Songs verwässerte, waren Tennant und Lowe so schlau, mit der Vorabsingle "Winner" lediglich das olympische Tennisturnier zu eröffnen, bei dem dann ein Brite Gold holte. Ein vertrautes Gefühl: Pet Shop Boys im Reich der Gewinne.

Ähnlich verhält es sich mit den restlichen elf neuen Stücken, die zwar hauptsächlich im Midtempobereich agieren, aber allesamt Pop-Juwelen sind. Tennants Stimme, opulente Chöre und Orchester funktionieren dabei stets als organischer Widerpart zu Lowes kühler digitaler Auslegeware und machen etwa aus dem Opener "Leaving" einen zauberhaften Abgesang auf geliebte Geister der Vergangenheit statt bloß einen synthetischen Ansage-Rumpler. "Winner" schleicht kurz darauf wie Butter ins Ohr, verhandelt gleichzeitig Glückseligkeit und Flüchtigkeit des perfekten Moments - und ist als große Hymne in der Tradition von "Se a vida é (That's the way life is)" oder "Left to my own devices" selbst ein solcher. Auch wenn Tennant vor Überinterpretation warnt: "You're reading too much into this." Pop ist bei Pet Shop Boys eben in erster Linie Unterhaltung.

Zu der wie immer ein paar hämische Seitenhiebe gehören. Köstlich, wie der Sänger in "Your early stuff" Taxifahrer auf die Schippe nimmt, die ihn mit Holly Johnson verwechseln, oder bei "Ego music" das Facebook-Seifenblasengelaber publicitysüchtiger Sternchen veralbert, über deren kurzlebigen Ruhm die zwei ohnehin nur müde lächeln können. Doch die Synthie-Fanfaren von "A face like that" und die herrlich naive Beziehungsanfrage "Give it a go" wischen solche kleinen Gemeinheiten schnell wieder weg. Abschließend geht es mit "Requiem in denim and leopardskin" auf eine Beerdigung, bei der eine streicherdurchflutete Hochstimmung herrscht, als würde der Song auf einem Traumschiff durch "Suburbia" kreuzen. Grandioser Abschluss eines gewohnt souveränen Albums. Von Pet Shop Boys lernen heißt immer noch siegen lernen.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Leaving
  • Winner
  • A face like that
  • Requiem in denim and leopardskin

Tracklist

  1. Leaving
  2. Invisible
  3. Winner
  4. Your early stuff
  5. A face like that
  6. Breathing space
  7. Ego music
  8. Hold on
  9. Give it a go
  10. Memory of the future
  11. Everything means something
  12. Requiem in denim and leopardskin

Gesamtspielzeit: 51:12 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Herr
2012-12-14 21:43:13 Uhr
Elysium in der Doppel-CD-Edition ist zu empfehlen. Die 2. CD mit allen Tracks einfach ohne die Vocal-Spuren. Da kann man so schön mitsingen.
Einfach, old-fashioned, genial.
Give it a Gay.
The Hungry Ghost
2012-11-05 12:09:04 Uhr
"Give It a Go" ist auch fantastisch, grandioser Song.
The Hungry Ghost
2012-11-04 11:09:10 Uhr
@Söze:

"A Face Like That" ist für mich einer der stärksten Songs des Albums.
Und auch die wärmende Single "Winner", die ich anfangs erstmal langweilig fand, ist nach mehrmaligen Hören doch irgendwie ein schöner Popsong.

Immer noch tausendmal besser als so vieles, was heutzutage unter Pop verramscht wird.

Der Mann der immer die Wahrheit sagt
2012-09-10 07:55:51 Uhr
Die PSB klingen schon lange wie zwei Hobbymusiker aus dem Seniorenheim, aber weil sie Medienhuren sind werden sie von allen gefeiert! Der peinliche Olympia Auftritt war ebenso peinlich wie ihr Erscheinen bei TV Total vor einigen Jahren,und jetzt hocken die sogar noch im Sat1 Frühstücksfernsehen! Ich schüttel den Kopf...
Kind von Gestern
2012-09-09 16:11:39 Uhr
Das ist schade. "Yes" gefiel mir sehr gut.
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