Ben Folds Five - The sound of the life of the mind

Ben Folds Five- The sound of the life of the mind

Legacy / Sony
VÖ: 14.09.2012

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

In holder Dreisamkeit

Ist es Ironie? Ist es der ganz große dramaturgische Coup? Oder bloß Zufall? Ausgerechnet zwei Trennungslieder rahmen "The sound of the life of the mind" ein, jenes Album, auf dem Ben Folds Five ihre glückliche Wiedervereinigung zelebrieren - nach zwölf getrennten Jahren. Zu verdanken ist diese überaus erfreuliche Reunion dem Umstand, dass Ben Folds, Robert Sledge und Darren Jessee im September 2008 der Einladung folgten, sich in ihrer Heimatstadt Chapel Hill, North Carolina, für ein exklusives Konzert ausnahmweise wieder zusammenzufinden. Danach waren sich die Herren schnell einig, dass aus der Ausnahme wieder eine Regel werden sollte. Auch wenn es dann doch noch drei Jahre dauerte, bis sie wieder gemeinsam im Studio standen - um drei Stücke für Folds' 3-CD-Compilation "The best imitation of myself: A retrospective" aufzunehmen. Anfang dieses Jahres spielten sie dann mal eben fix ihr viertes Studioalbum ein, und für ihren ersten Auftritt als wiedervereinte Band probten sie immerhin zwei Stunden.

Wem jetzt die Worte fehlen, der lenke seine Aufmerksamkeit auf zwei weise Zitate des Extrembergsteigers Reinhold Messner. Den meinten Ben Folds Five im Titel ihres 1999 veröffentlichten dritten Albums "The unauthorized biography of Reinhold Messner" zwar nicht wirklich, dafür aber bringen dessen Äußerungen, mit denen wiederum Ben Folds Five nicht gemeint waren, das neuerliche Schaffen der Band hervorragend auf den Punkt: 1. "Der Spaß muss das Tun bestimmen." 2. "Meine Kraft schöpfe ich aus meinen Ideen für die Zukunft, nicht aus den Leistungen, die hinter mir liegen." Die außerordentliche Spielfreude, die euphorisch überschäumende Energie, das blinde Verstehen - all das hört man schon im Opener "Erase me", der mit einem fachmännischen Faustschlag auf die Klaviatur beginnt und dann zwischen übermütig ungeschliffener Rotzigkeit und distinguiert vorgetragenem Jazz-Pop pendelt. Schon hier fällt der ausgefeilte Harmoniegesang auf, der sich durch das ganze Album zieht und bereits im zweiten Stück, "Michael Praytor, five years later", seinen Höhepunkt erreicht. Man denke an The Beach Boys, die im Refrain einen Ausflug in die Zukunft machen und es sich nicht nehmen lassen, in Gesellschaft gepflegten Indie-Piano-Rocks zünftig zu eskalieren. Natürlich mit Niveau.

Die Songs schreibt Folds nach wie vor alleine, mit Ausnahme des balladesken "Sky high", das von Drummer Darren Jessee stammt, und des Titeltracks "The sound of the life of the mind", einem Überbleibsel der "Lonely avenue"-Kollaboration mit Nick Hornby. Dass man bei allen Folds-Projekten mit gnadenloser Vielseitigkeit, hochprozentigen Schnapsideen und angenehmer Verblüffung rechnen darf, ist nichts Neues; damit, dass er nun auch Songs im Stile der Klassiker des Great American Songbook komponiert, allerdings schon: "On being Frank" ist nicht weniger als ein Meisterwerk, ein nostalgischer, melancholischer Blick zurück, aus der Perspektive von Frank Sinatras Hausmeister, der gerne selbst berühmt geworden wäre: "I had a dream / But dreams had other plans for me." Schon auf seinem ersten Soloalbum "Rockin' the suburbs" hatte Folds in "Fred Jones part 2" die Tragik einer gescheiterten Existenz an der Schwelle zum Ruhestand mit Würde beleuchtet. Die Streicher-Arrangements von Altmeister Paul Buckmaster (Elton John, Leonard Cohen, David Bowie, Harry Nilsson) machen "On being Frank" nur noch wunderbarer.

"Draw a crowd", eine Wurlitzer-Funk-Disco-Nummer mit herrlichen A-cappella-Einlagen, nimmt dem Hörer die Befürchtung, Folds und Kollegen könnten nun, mit Ende Vierzig, eventuell auf pubertäre Witzchen verzichten: "Oh, if you're feeling small / And you can't draw a crowd / Draw dicks on a wall." Es folgt "Do it anyway", eine Ode an die mutige Kompromisslosigkeit - die in ihrem furiosen Piano-Galopp an "The last polka" vom 1995 veröffentlichten Debüt der drei erinnert. "Hold that thought" lässt mit seinem Country-Flair an "Jesusland" von "Songs for Silverman" denken und die große Tearjerker-Ballade "Away when you were here" an, ja tatsächlich, R.E.O. Speedwagon. Und zwar im allerbesten Sinne. Selbstverständlich hat Folds nach wie vor eigentlich keinerlei Vergleiche nötig, erst recht nicht, wenn er es sich locker leisten kann, ein Filetstückchen wie "Thank you for breaking my heart" bis zum Schluss aufzuheben. Kristallklares Klavier, wohl temperierte Percussion, hinreißender Harmoniegesang und eine bittere Erkenntnis: "Yeah, I want a different answer / So I ask you once again / But the truth's in the silence / And this time I got it / This time it's over." Bei Ben Folds Five geht es offenbar jetzt erst richtig los.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Michael Praytor, five years later
  • On being Frank
  • Draw a crowd
  • Thank you for breaking my heart

Tracklist

  1. Erase me
  2. Michael Praytor, five years later
  3. Sky high
  4. The sound of the life of the mind
  5. On being frank
  6. Draw a crowd
  7. Do it anyway
  8. Hold that thought
  9. Away when you were here
  10. Thank you for breaking my heart

Gesamtspielzeit: 44:53 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
The MACHINA of God
2012-09-30 02:55:48 Uhr
"Away when you were here" ist grandios.
koe
2012-09-24 23:36:51 Uhr
Finds ja auch gerade ganz gut, nach dem ersten Hoereindruck.
piano man
2012-09-22 14:24:55 Uhr
ziemlich billy joel-esk, das ganze.
tjo
2012-09-22 14:18:20 Uhr
Ziemlich homosexuell das ganze.
The MACHINA of God
2012-09-22 14:14:53 Uhr
Schon schön wieder.
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