Wovenhand - The laughing stalk

Wovenhand- The laughing stalk

Sounds Familyre / Glitterhouse / Indigo
VÖ: 07.09.2012

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Drama harder

Das Drama ist ein enger Begleiter von Dave Eugene Edwards. Was sich eben aus der aufwühlenden Kombination aus Weltzweifel, Gottesfurcht und schwirrenden Gitarren so ergibt. Nachdem Edwards sich einst mit Sixteen Horsepower vorwiegend darum gekümmert hatte, kulturelle Überlieferungen von unnötiger Patina zu befreien, löste sich nach deren Ende die neue Band Woven Hand zunehmend von solcherlei Rückbesinnung. Das Drama blieb jedoch stets in nächster Nähe.

Verschwunden hingegen ist ein Leerzeichen im Bandnamen. Aus Woven Hand wurde das handlichere Wovenhand. Zum Ausgleich gestand sich Edwards die Notwendigkeit zu, die Regler der diversen Saiteninstrumente in den roten Bereich zu drehen. Endlich dürfen die Röhren auch auf Platte glühen wie die verlorenen Seelen im Höllenfeuer. Die angekündigte "most heavy incarnation" der Band tut "The laughing stalk" trotz der Abwesenheit von Edwards' Langzeitkollaborateuren Pascal Humbert und Jean-Yves Tola erstaunlich gut. Kein Bedarf mehr für Stille.

Wo die Vorgänger ihre Reize durch Reduktion und texturelle Verfeinerung entwickelten, donnern angezerrte Saiten, rumpelndes Schlagwerk und wabernde Orgel schon über den Opener "Long horn" hinweg. Das erweckt nicht nur erfreuliche Erinnerungen an die "Low estate"-Großtat "For heaven's sake", sondern steuert das Album in eine wärmere, mulmigere Richtung. Einen unvermuteten Beitrag dazu erbrachte das Berliner Neumitglied Alexander Hacke, dessen unkonventioneller Gitarreneinsatz auch bei Einstürzende Neubauten Erstaunliches leistet. Edwards lernte ihn bei Crime & The City Solution kennen, denen er sich kürzlich anschloss. Hackes wärmendes Schaben verbindet sich mit Edwards' kaskadierender Unruhe und verleiht Songs wie dem vorwärts drängenden "As wool" oder dem indianisch anmutenden Gebet "King o king" Tiefe.

Hätten die aufgedrehten Verstärker auf früheren Alben noch wie Fremdkörper gewirkt, bereichern sie nun "The laughing stalk" an Lautstärke und Nachdruck. Wenn Edwards nun seine Geschichten vom Heiligen Geist, vom Tempelbau und von göttlichem Zorn erzählt, bebt fühlbar voluminösere Musik mit seiner Stimme um die Wette. Wo sonst Folk und Americana die Grundlage waren, schummeln sich jetzt Goth und Grunge verstärkt nach vorne. Mag der geneigte Zuhörer dadurch vielleicht weniger Vorstellungskraft für das Nachempfinden der Seelenqualen benötigen, ist sein kathartisches Erlebnis weiterhin ein eindringliches. Da es Edwards um unser Wohl in Ewigkeit geht, sei ihm jedes Mittel gestattet.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Long horn
  • In the temple
  • Maize
  • Glistening black

Tracklist

  1. Long horn
  2. The laughing stalk
  3. In the temple
  4. King o king
  5. Closer
  6. Maize
  7. Coup stick
  8. As wool
  9. Glistening black

Gesamtspielzeit: 42:47 min.

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