Bob Dylan - Tempest

Bob Dylan- Tempest

Columbia / Sony
VÖ: 07.09.2012

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die neue Lässigkeit

Es ist das scheußlichste in einer langen Reihe: An die Ambivalenz der Cover der Alben von Bob Dylan hat man sich seit mittlerweile rund 50 Jahren gewöhnen können. Aber das hier? Im besten Falle ist das kitschig, was die Außenhülle von "Tempest" abgibt, dem 35. Studioalbum des Unfassbaren. Im Alter von 71 Jahren wird Dylan doch nicht etwa milde, oder gar larmoyant? Das Video zur ersten Single spricht eine andere Sprache: Dylan ist der Anführer einer Gang ruchbarer Ausgestoßener, mit sicherem Gang und festem Blick. Das mag schon eher zu diesem Album passen, das lässig zwischen archaischem Folk und düsterem Blues hin und her pendelt. "Tempest" ist ein ausgewogenes Album, das sich nahtlos in das starke Alterswerk Bob Dylans einreiht.

Das knapp vierzehnminütige Titelstück erzählt vom Sturm, von der Tragödie um die "Titanic". Zahllose Strophen, eine Fidel und kein Refrain in Sicht: Dylan singt vom Schiff, das dem Untergang geweiht ist. Ein historischer Abriss mit Schifferklavier, dem die Luft an keiner Stelle ausgeht. Stundenlang könnte dieser Song weiterlaufen. Irgendwo in diesem Song taucht dann Leonardo DiCaprio auf - das Thema wird bis auf den Grund erschöpft. Gleich im Anschluss, als Abschluss, als Verbeugung kommt das zarte "Roll on John" daher. Dylan will sich mit diesem rührenden Song mit Lennon versöhnen, deren Verhältnis kein einfaches war. Dass sich der Song wie eine Adaption von "Forever young" anhört, ist sicherlich kein Zufall.

"Tempest" macht es dem Hörer leicht: Man kann dieses Album hören, ohne sich auf ein Versteckspiel einzulassen, Dekonstruktionen nachzuspüren oder Predigten zu ertragen. Bob Dylan gibt hier den alten Hobo, der noch immer "on the road" klebt, mit dem Zug durch die Südstaaten zieht und Woody Guthrie im Sinn hat. Er erzählt, was er sieht, er nimmt die Instrumente, wie sie kommen. Locker und leicht, es ist keine Überhöhung und kein Understatement zu hören. Ein alter Mann spielt hier den Blues. Und das grandios.

Der dreckige Soul von "Pay in blood" erinnert an die Stones und die erste dahingeröchelte Zeile des Songs gehört zum Undeutlichsten, was Dylan jemals gesungen hat. Das traurige "Long and wasted years", in bewährter Storyteller-Manier, macht sich mit "Together trough life" gemein, "Soon after midnight" wagt sich mit Banjo und Geige an die Fünfziger heran. "Tempest" ist unerschöpflich und abwechslungsreich. Anhand dieses Albums kann man nur müde darüber lachen, dass es sich hierbei um das letzte Album Dylans handeln soll. Ein Gerücht mit kurzen Beinen. Bob Dylan ist in Topform.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Pay in blood
  • Tempest
  • Roll on John

Tracklist

  1. Duquesne whistle
  2. Soon after midnight
  3. Norrow way
  4. Long and wasted years
  5. Pay in blood
  6. Scarlet town
  7. Early roman kings
  8. Tin angel
  9. Tempest
  10. Roll on John

Gesamtspielzeit: 68:57 min.

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User Beitrag

The MACHINA of God

Postings: 11685

Registriert seit 07.06.2013

2018-05-09 17:36:12 Uhr
Schon deutlich besser als der Vorgänger. Nur der Titeltrack ist mir etwas zu dröge. Dafür ist natürlich "Pay in blood" absolut top. Der Text und die Stimme besonders.
bloody
2017-03-24 13:02:55 Uhr
könnte ein death-metal-song sein.

The MACHINA of God

Postings: 11685

Registriert seit 07.06.2013

2017-03-24 02:58:23 Uhr
Pay in blood.

The MACHINA of God

Postings: 11685

Registriert seit 07.06.2013

2016-10-06 20:47:04 Uhr
Schönes Album.
PT-Bedenkenträger
2012-09-17 12:14:52 Uhr
Der Mann glaubt an Gott. Das ist euch schon klar, oder? Geht gar nicht.
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