Dinosaur Jr. - I bet on sky

Dinosaur Jr.- I bet on sky

Jagjaguwar / PIAS / Rough Trade
VÖ: 14.09.2012

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

In trauter Zwietracht

Dass sich die beiden Alpha-Dinos J Mascis und Lou Barlow nicht gerade grün sind, ist nun wirklich keine Neuigkeit. Dass Dinosaur Jr. trotzdem - oder gerade deswegen - nur Top-Leistungen abrufen auch nicht. All das ist aber freilich noch kein Grund, Hannover-96-Vergleiche zu ziehen, auch wenn dort ähnliche Bedingungen herrschen. Mit "I bet on sky" erscheint nun die zehnte Platte des Indierock-Trios, und natürlich wird darauf wieder beherzt gegniedelt, genuschelt und die graue Matte zur lilafarbenen Trainingsjacke geschüttelt. Der unbestritten große Lou Barlow darf standardmäßig seine zwei Nummern beisteuern und scheint sich damit wohl endgültig zufriedenzugeben. Klingt jetzt alles sehr sattelfest, sauber durchdacht und vielleicht sogar langweilig-routiniert, ist in Wirklichkeit aber wohl das beste gitarrendominierte Indierock-Album des fortgeschrittenen Jahres. Wer kann, der kann, und die drei Herren hier, die können nicht nur, die wollen auch noch.

Nach dem ungestüm-lauten "Farm" und dem sehr ruhigen, aber nicht minder hervorragenden Mascis-Soloausflug "Several shades of why" finden Dinosaur Jr. nun den Mittelweg, sehr wahrscheinlich ohne diesen überhaupt gesucht zu haben. "I bet on sky" ist eine äußerst ausbalancierte, kohärente Platte, die manchmal extrem lässig um die Kurven schlurft, hin und wieder aber auch das Tempo anzieht und den ganzen fehlgeleiten Guitar Heroes die Suppe versalzt. Wobei es darum logischerweise gar nicht geht. "I bet on sky" klingt nicht wie ein moralinsaurer Denkzettel, sondern vielmehr wie ein Album, das den Blick nach innen richtet und alles Nebensächliche ausblendet. Beseelt werden die zehn Stücke von einer Extraportion positiver Melancholie, die ja schon immer irgendwie mitschwang und die auch hier stets zwischen den drängelnden Gitarrensoli durchblinzelt.

Das Album beginnt offensiv, aber das überrascht natürlich niemanden, denn Dinosaur Jr. sind ja für eloquente Kickstars bekannt. Der starke Opener "Don't pretend you didn't know" lässt also kaum Zeit, sich den Schlaf aus den Augen zu wischen. Kurz bevor man sich die Brille wieder zurecht rücken konnte, hat "I bet on sky" schon den ersten Stein im Brett: Mascis spielt ein herrlich dubioses Riff, dazu erklingt ein Mellotron, und man darf sich wirklich fragen, wieso diese beiden Instrumente nicht noch viel häufiger auf diese Weise verkuppelt werden. Etwas handfester erscheint das folgende "Watch the corners", das leider ohne Mellotron auskommen muss, dafür aber mit einer wuchtigen Bratgitarren-Abfahrt genau das liefert, was man erwartet: Quengelig-dängelnden 90er-Indie mit Löchern in den Jeans und einem verschmitzten Grinsen auf den trockenen Lippen. Mit "Almost fare" liefern Mascis und Co. sogar Futter fürs frühabendliche College-Radio, würde es überhaupt noch frühabendliche College-Radio-Sendungen mit entsprechender Ausrichtung geben.

Neben dem fantastischen Opener stechen vor allem die beiden Barlow-Kompositionen hervor: "Rude" klingt wie ein derbe-zerschossener, beschwipst-schunkelnder R.E.M.-Song aus den 80ern, und das schlichte, aber überlebensgroße "Recognition" dürfte mit seinem süßen Weltschmerz einer der emotionalen Höhepunkte sein. Und wenn J Mascis in seiner herbstlichen Sehnsuchtshymne "What was that" von einem gebrochenen Herzen und dem damit verbundenen Kummer berichtet, dann sind die nach außen hin so unnahbar scheinenden Dinosaur Jr. auf einmal ganz nah dran am Menschen. Mit "I bet on sky" ist den alten Zankäpfeln also nichts anderes als ein weiteres kleines Meisterwerk gelungen. Darunter machen sie es ja anscheinend sowieso nicht mehr.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Don't pretend you didn't know
  • I know it oh so well
  • What was that
  • Recognition

Tracklist

  1. Don't pretend you didn't know
  2. Watch the corners
  3. Almost fare
  4. Stick a toe in
  5. Rude
  6. I know it oh so well
  7. Pierce the morning rain
  8. What was that
  9. Recognition
  10. See it on your side

Gesamtspielzeit: 47:04 min.

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User Beitrag
Pierce The Morning Rain
2013-04-05 14:54:11 Uhr
Apropos "Fisten": Neues Video zu Pierce The Morning Rain (mit Henry Rollins):

http://www.youtube.com/watch?v=QbjDFzEQOw8

2013-03-17 13:05:24 Uhr
Ich wilk doch nur gefistet werden!
Körperklaus
2013-03-17 13:04:55 Uhr
geht klar.

2013-03-17 13:03:40 Uhr
Und wenn Du was dagegen hast, könne wir ja mal vor die Tür gehen, Freundchen!

Sorry, ich hatte mich versprochen. ich meinte an die Bar auf ein Bierchen. Ich lade ein.
7jähriges Sohn
2013-03-16 17:51:47 Uhr
30.06. in Hamburg (Ü&G)
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